Drogenhandel

Aus für Sonderermittler der Polizei im Görlitzer Park

Eine spezielle Polizeieinheit sollte den Görlitzer Park in Kreuzberg sicherer machen und Straftaten schneller aufklären. Das galt vor allem für den Drogenhandel. Doch nun ist nach fünf Monaten Schluss.

Foto: Steffen Pletl

Das ist ein Rückschlag im Kampf gegen die Kriminalität im Görlitzer Park in Kreuzberg: Erst im Mai hatte die Polizei eine neue Ermittlungsgruppe aufgestellt, um dem kriminellen Treiben in der vor allem als Drogenumschlagplatz verrufenen Grünanlage Einhalt zu gebieten. Doch bereits zum 31. Oktober wurde diese Sonderkommission von der zuständigen Polizeidirektion 5 wieder aufgelöst – ohne Rücksprache mit der Berliner Polizeiführung. Die bisherige Sonderermittlergruppe mit sieben Polizisten habe ihre Arbeit eingestellt, bestätigte die Polizei am Freitag.

In und am Görlitzer Park wird nicht nur offen mit Rauschgift gehandelt. Auch andere Strafdelikte wie Raubtaten, Taschendiebstahl und Körperverletzungen sind dort an der Tagesordnung. Ziel der Ermittlungsgruppe war, die verschiedenen Taten nicht parallel von unterschiedlichen Polizeigruppen, sondern gebündelt und täterorientiert anzugehen. Doch offenbar fehlte es der Gruppe an der Unterstützung von Polizeiführung und Landeskriminalamt. So hätten sich keine Drogenfahnder beteiligt und insgesamt sei die Personalstärke zu gering, heißt es in einem internen Papier über die Hintergründe für das Aus der Ermittlergruppe.

Polizeipräsident Klaus Kandt wurde von dem Vorgang überrascht. „Er hätte gern früher von vorhandenen Problemen erfahren“, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. Immerhin hatte die Ermittlungsgruppe mehr als 250 Straftaten aufgedeckt und mehr als 100 Tatverdächtige identifiziert. Nun soll es einen neuen Anlauf geben, um die Kriminalität in dem Kreuzberger Kiez wirksam zu bekämpfen. „Der Polizeipräsident hat eine entsprechende Anweisung gegeben“, so Redlich weiter. Es werde Gespräche und eine Analyse der Probleme geben. Ungeachtet dessen würden die laufenden Polizeieinsätze im Görlitzer Park fortgeführt. Das gelte auch für die gemeinsamen Streifen von Polizisten und Angehörigen des Ordnungsamtes. Die Razzien etwa führe die Direktion weiter mit Unterstützung von Einsatzhundertschaften durch.

Weiteres Risiko Taschendiebstahl

Erst Mitte Oktober hatte sich die Polizei erstmals auch direkt an Parkbesucher und potenzielle Drogenkäufer gewandt. Auf Hunderten von verteilten Faltblättern warnte sie vor den kriminellen Machenschaften der Dealer und deren Tricks. So würden Kaufwillige oft in Hinterhöfe gelockt. Dort würden die Drogenhändler drängen, es müsse eine größere Menge Rauschgift gekauft werden, oder man benötige mehr Wechselgeld. Am Ende gibt es weder Geld zurück, noch erhalte der Käufer Drogen. Ein weiteres Risiko im Park sei der Taschendiebstahl.

Freie Bahn haben die Rauschgifthändler im „Görli“ trotz des Rückschlags nicht. Nach 138 Polizeieinsätzen in 2013 seien im laufenden Jahr bereits 352 Einsätze dort durchgeführt worden, sagt Polizeisprecher Redlich. Nach Angaben der Senats-Innenverwaltung waren im Görlitzer Park in diesem Jahr bis Ende August insgesamt 1906 Personen von der Polizei überprüft worden. Neben mehr als 700 Platzverweisen wurden 163 Verdächtige vorübergehend festgenommen und 701 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Mit 350 betraf jedes zweite Verfahren einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.