Um kurz nach 21 Uhr am Dienstagabend erreichte der Anruf die Polizei. Etwa 25 schwarz gekleidete und vermummte Randalierer waren am Engeldamm in Berlin-Mitte unterwegs, meldeten Anwohner. Die Vermummten bewarfen Wohnhäuser und Geschäfte mit Steinen und Farbbeuteln, zerrten eine Absperrung auf die Kreuzung zum Michaelkirchplatz und zündeten diese an.
Mehrere Scheiben splitterten, es entstand erheblicher Sachschaden, wie ein Sprecher der Polizei am frühen Mittwochmorgen mitteilte. Die Feuerwehr rückte an und löschte die entzündete Absperrung.
Die Täter konnten am Dienstagabend unerkannt flüchten. Anwohner hatten die Polizei alarmiert. Da die Polizei von einem linksextremistischen Hintergrund ausgeht, ermittelt nun der Staatsschutz des Landeskriminalamtes.
Ähnliche Anschläge gegen neue Wohnhäuser und Geschäfte in Kreuzberg und angrenzenden Gebieten in Mitte gab es mehrfach in letzter Zeit: Erst vor wenigen Tagen wurde eines der beiden betroffenen Häuser mit Steinen angegriffen. In dem Eckhaus an der Adalbertstraße befindet sich unter anderem ein Geschäft, welches Sofas verkauft. Bei dem aktuellen Angriff seien auch Scheiben von Privatwohnungen zu Bruch gegangen, berichteten Anwohner.
SPD fordert härteres Vorgehen gegen Linksautonome
Nach dem Vorfall aus der Nacht forderte der SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber ein härteres Vorgehen der Polizei gegen Linksautonome. „Jetzt muss man einen Gang höher schalten und deutlich machen: Der Rechtsstaat duldet das nicht“, sagte Schreiber am Mittwochmorgen. Justiz und Polizei müssten alle Möglichkeiten ergreifen, um gegen die gewaltbereiten Linksradikalen vorzugehen, genau wie zuletzt gegen den Rechtsextremismus.
Schreiber sagte, nötig seien mehr Polizeipräsenz, ein Verbot von Unterstützer-Vereinen und Durchsuchungen besetzter Häuser, die von Verdächtigen bewohnt würden. „ganze Klavier der Möglichkeiten muss jetzt bedient werden.“ Bisher sei zum Glück kein Polizist bei Angriffen tödlich verletzt worden. „Das kann sich aber schnell ändern.“
Auf Bundesebene könnten die Innenminister eine sogenannte Verbunddatei erstellen, in der Daten von linksradikalen Gewalttätern gespeichert würden und auf die Polizei und Verfassungsschutzämter Zugriff hätten. Nach den Pannen um die NSU-Morde wurde so eine Datei zu Neonazis eingerichtet.
Der SPD-Politiker sagte weiter: „Bei den betroffenen Geschäftsleuten, die vertrieben werden sollen, hängen Existenzen und Lebensträume dran, die zerstört werden. Die verstehen nicht, dass der Staat sie nicht schützt.“
BM/dpa





