Nach Brandstiftung

Anhänger der Mevlana-Moschee beklagen fehlende Solidarität

Seit Dienstag steht fest: Das Feuer in der Mevlana-Moschee in Kreuzberg wurde vorsätzlich gelegt. Dennoch haben nur wenige Landespolitiker den Ort besucht – die Gemeinde fühlt sich im Stich gelassen.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Die Wände sind verkohlt, das Mauerwerk bröckelt, die Drähte sind durchgeschmort. Hier hätte der Imam wohnen sollen. Doch nun steht Fazli Altin, der Präsident der Islamischen Föderation, in dem ausgebrannten Raum des noch unfertigen Erweiterungsbaus der Mevlana-Moschee, und versucht, in Worte zu fassen, was er selbst nicht fassen kann.

„Wenn das Feuer durch einen technischen Defekt ausgebrochen wäre, könnte ich ruhiger schlafen“, sagt Altin. Doch so war es nicht. Seit Dienstag steht fest, was die Ermittler zwischenzeitlich ausgeschlossen hatten: Es war vorsätzliche Brandstiftung. Konkrete Hinweise für einen Anschlag gibt es nicht. Die Polizei schließt das aber auch nicht mehr aus.

Verärgerte Gemeindemitglieder

Fazli Altin ist deswegen besorgt. Auch die Gemeindemitglieder hätten Angst, sagt er. Und sie seien verärgert. Denn ein hochrangiger Vertreter der Landespolitik zeigte sich mit Innensenator Frank Henkel (CDU) erst zwei Wochen nach dem Brand. „Warum erst so spät?“, fragt Altin.

Solidarität hätte er auch von Politikern mit Migrationshintergrund erwartet. Er nennt Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) und den SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh, der Regierender Bürgermeister werden will. Beide hätten sich nicht bei der Gemeinde gemeldet. Der Besuch des Wirtschaftsministers und SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel am vergangenen Sonnabend habe sie dagegen sehr gefreut.

Nur eingeschränkte Nutzung

Auch Safter Çinar, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, steht im Brandschutt des Rohbaus an der Skalitzer Straße. Er kritisiert, dass die Polizei zunächst erklärte, keine Hinweise für Brandstiftung zu haben. Diesen Reflex zeigten deutsche Behörden viel zu häufig. „Bei solchen Ermittlungen sollte immer auch ein möglicher rassistischer Hintergrund einbezogen werden“, sagt Cinar. Das gelte selbstverständlich auch für jüdische Einrichtungen.

Die Besucher der Mevlana-Moschee trifft der Brand doppelt. Denn nicht nur die Aussicht, im Erweiterungsbau mehr Platz zu finden, ist verschoben. Weil Fluchtwege nach dem Brand versperrt sind, können auch bestehende Räume nur eingeschränkt genutzt werden. Wo die Besucher Platz fürs Gebet finden sollen, ist unklar. Altin: „Wenn die Standfestigkeit nicht gewährleistet ist, muss der Rohbau im schlimmsten Fall abgerissen werden.“