Das Berliner Modehaus Mientus verabschiedet sich. Nach fast 90 Jahren stellt das Familienunternehmen seinen Geschäftsbetrieb schrittweise ein. Bis Ende Juni 2027 soll der Abschied vollzogen sein. Das teilte Mientus am Donnerstag in einem Beitrag auf Instagram mit.
Am Kurfürstendamm beginnt der Räumungsverkauf am 4. November, am 30. Januar 2027 schließt das Geschäft. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Filiale der Berliner Morgenpost. Im Stammhaus an der Wilmersdorfer Straße „läuft die reguläre Herbst-/Wintersaison weiter“, bestätigt Geschäftsleiter Matthias Marmsoler. Dort soll der Ausverkauf im März 2027 beginnen.
Online gibt es Angebote ebenfalls ab dem 4. November, schreibt Mientus auf Instagram. Der Webshop bleibt bis zum 30. Juni 2027 geöffnet. Was danach kommt? „Danach wird sich zeigen“, antwortete das Unternehmen einem Nutzer.
Auch interessant
Mit dem Ende des Unternehmens verschwindet auch ein Stück Berliner Modegeschichte. Über drei Generationen hinweg habe Mientus für erstklassige Herrenmode, internationale Designer und persönliche Beratung gestanden, heißt es in dem Post. Aus vielen Kundenkontakten seien dabei langjährige, teilweise jahrzehntelange Verbindungen entstanden.
Bedingungen hätten sich „tiefgreifend verändert“
Die Eigentümerfamilie begründet den Rückzug mit den Bedingungen für den unabhängigen Multibrand-Modehandel. Die hätten sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert. Details nennt sie nicht. Die Mitarbeiter wussten schon seit Juni Bescheid, die Familie hatte sie persönlich informiert. Viele von ihnen hätten das Unternehmen über einen großen Teil ihres Berufslebens begleitet, heißt es.
Wer die Flächen übernimmt, ist offen. Am Kudamm ist Mientus nur Mieter und weiß nicht, wer nachfolgen wird. Das Stammhaus an der Wilmersdorfer Straße gehört dem Unternehmen. Für das denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit nach einem Käufer gesucht.
Von Oppeln an die Schlüterstraße
Angefangen hat alles weit weg von Berlin. 1937 eröffnete Michael Mientus im schlesischen Oppeln ein Geschäft für Herren- und Knabenbekleidung. Nach dem Krieg begann er neu, 1949 an der Schlüterstraße in Charlottenburg. 1958 zog Mientus in den Neubau an der Ecke Wilmersdorfer und Mommsenstraße. Vor der Tür regelte damals noch ein Polizist den Verkehr, heute steht das Haus unter Denkmalschutz. 1972 kam das Geschäft am Kudamm dazu.
Mientus holte internationale Designer nach West-Berlin, lange bevor die großen Marken eigene Läden am Kudamm eröffneten. Bei Hugo Boss bekam das Haus 1968 die Kundennummer 1. Ins Gästebuch am Kudamm trugen sich Joachim Fuchsberger, Rudi Carrell und Dieter Thomas Heck ein.
Die Firmengeschichte ist eng verbunden mit jenem West-Berlin, das sich Weltoffenheit, Selbstbewusstsein und den „Anspruch auf das Beste“ bewahrt hat, betont Marmsoler.
„Vielen Dank für alles, ihr Legenden!“
Auch in den Kommentaren unter dem Instagram-Beitrag zeigt sich, wie sehr das Ende des Traditionsunternehmens bewegt. Viele Nutzerinnen und Nutzer äußern ihre Trauer über den Abschied. „Oh, das ist hart für die City West! Ganz herber Verlust“, schreibt ein Nutzer. Andere bedanken sich für die langjährige Arbeit des Modehauses und würdigen dessen Einsatz für Stil und guten Geschmack: „Vielen Dank für alles, ihr Legenden!“
Besonders deutlich wird dabei auch die persönliche Verbundenheit vieler Berliner mit dem Unternehmen. Eine Nutzerin erinnert sich etwa daran, dass ihre Mutter früher regelmäßig bei Mientus eingekauft hat. Andere verabschieden sich mit traurigen Worten und wünschen dem Team „Alles Gute!“.
Nicht alle Kommentare sind wehmütig. „Dachte, das wäre schon lange zu“, schreibt einer. Als ein Nutzer nach Online-Rabatten fragt, hält ihm ein anderer vor, genau diese Haltung habe den Untergang vorangetrieben.


