50 Jahre AG City sind ein Anlass zum Feiern. Für die City West sollten sie aber auch ein Anlass sein, genauer hinzuhören. Wer am Breitscheidplatz mit Menschen spricht, hört nicht nur Wünsche nach attraktiven Geschäften und neuen Attraktionen. Eine junge Frau wünscht sich einfach mehr Sitzgelegenheiten. Ihr gefällt der Platz schon jetzt, trotz Beton und Baustellen. Eine Touristin lobt die Geschäftsauswahl am Kudamm, ein Anwohner bedauert leere Läden. Beides verdient Aufmerksamkeit. Doch ein Boulevard muss auch für diejenigen funktionieren, die nur schauen, Freunde treffen oder ins Kino gehen. Schließlich hat die Straße auch eine historische Anziehungskraft und ist ein Symbol für Freiheit und Moderne.
Auch interessant
Für die Werbe- und Geschäftsleute zählen oft nackte Zahlen. Passantenfrequenzen, Umsätze und Verweildauer. Wenn für einen Angebotsmix aus Kultur, Handel und Aufenthaltsqualität als Zukunft der Innenstädte geworben wird, muss auch der zunächst inkommerzielle Stadtraum mitgedacht werden. Das passiert an vielen Ecken bereits. Das kostenlose Open-Air-Kino im Kranzler Eck ist so ein Beispiel – oder im Sommer der Pop-up-Basketballplatz am Breitscheidplatz und die Sitzmöbel in der gesperrten Kantstraße.
Auch interessant
Aber es fehlen mehr dauerhafte Orte, an denen Besucher den Boulevard genießen können, ohne zehn Euro für einen Matcha-Mix zu bezahlen. Der neue Business Improvement District (BID) kann ein Ansatz sein. In diesen Topf zahlen Grundstückseigentümer zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße ein, um davon Maßnahmen zu finanzieren, die den öffentlichen Raum aufwerten. Mehr Bänke, mehr Grün und Plätze würden helfen. Denn die City West braucht nicht bloß Kunden, sondern Menschen, die gern bleiben.





