Hunderte geladene Gäste in eleganter Abendkleidung strömten am Donnerstagabend ins Pullman Hotel Schweizerhof nahe des Kudamm. Gefeiert wurde das 50-jährige Bestehen der AG City. Die Interessensgemeinschaft aus Händlern, Gastronomen, Immobilienwirtschaft und Kultur prägt seit vielen Jahren das Leben am Boulevard.

Der hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Finanzielle Krisen, der Boom des Online-Handels und Corona haben ihre Spuren an Berlins schicker Einkaufsstraße hinterlassen. Leerstand und Baustellen trüben die Gemüter. Doch neben Kritik und Forderungen hatten die Gäste am Gala-Abend auch warme Worte für ihre Flaniermeile im Westen übrig.

„Ein Potpourri von allem“ macht den Kudamm besonders

Eine „ganz besondere“ Beziehung habe er zum Kudamm, sagt der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Besonders die „urtümlichen“ Ecken Richtung Halensee möge er. „Ich wohne ja auch da.“ Der Kudamm habe auch heute Charme und sei weltweit bekannt. „Es gab schöne Zeiten, es gab Zeiten, die nicht so schön waren“, so der SPD-Politiker. Zwischenzeitlich sei der Kudamm gar „zum Secondhand“ geworden. „Jetzt ist er wieder sehr elegant. Gibt ein paar Baustellen, die mich stören, aber hoffentlich sind die bald weg.“

Genervt von den Baustellen waren viele Gäste der Jubiläumsfeier. Handelsverbandschef Nils Busch-Petersen spricht von einem „planlos wirkenden Herumgebaue“. Für Kunden seien die Läden dadurch schwerer erreichbar. Ein Minuspunkt, wenn man gemütlich shoppen will. Immobilienverwalterin Vanessa Wellbrock versucht es positiv zu sehen: „Jede Baustelle hat etwas mit Reparatur und Neubeginn zu tun. Wir sollten unsere Baustellen lieben – sie sollten nur etwas schneller fertig werden.“

 Jubiläumsgala der AG City (Kudamm)
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, bei der Jubiläumsgala der AG City am Kudamm.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

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Designerin Nanna Kuckuck findet den Boulevard dennoch ansehnlich. Besonders die Ecke rund ums frühere Kranzler-Eck: „Da kann man so schön Menschen aus der ganzen Welt beobachten. Energetisch ist das ein toller Platz. Es ist ein Potpourri von allem.“

Weihnachtsbeleuchtung am Kudamm steht auch 2026 auf der Kippe

Eine Mitarbeiterin von RTL Radio freut sich besonders auf das neue Döner-Lokal „Zagros“. Im Dezember will die Familie Hosseini hier die zweite Filiale ihres Geschäfts eröffnen. Allerdings nicht ohne Gegenwind: Online war eine Debatte darüber entbrannt, was an den Kudamm gehört und was nicht. Schauspielerin Katrin Wrobel nimmt’s entspannt. „Ich sehe viele neue bunte Läden und Food-Spots. Der Wandel der Zeit tut dem Kudamm gut.“ Immobilienverwalterin Wellbrock stimmt zu: „Ich würde mir wünschen, dass man den Wandel mehr zu schätzen weiß und Augen für das Schöne hat.“

 Jubiläumsgala der AG City (Kudamm)
Schauspielerin Katrin Wrobel freut sich über Wandel am Kudamm und neue Händler sowie Gastronomen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

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Was „das Schöne“ am Kudamm ist, konnten viele der Gäste klar benennen: die alljährliche Weihnachtsbeleuchtung. Doch die Finanzierung steht erneut auf wackeligen Füßen. Gut 400.000 Euro fehlen noch, damit es am Kudamm bald wieder festlich leuchtet. Lichtdesigner Andreas Boehlke, der die Beleuchtung seit 30 Jahren gestaltet, gibt sich zuversichtlich, dass auch 2026 genug Spenden zusammenkommen. Die AG City startete dafür erneut eine Kampagne. Ein Engagement, das lobende Worte von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erntete.

 Jubiläumsgala der AG City (Kudamm)
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) lobte das Engagement der AG City in den vergangenen 50 Jahren.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Dass die Weihnachtsbeleuchtung zum Kudamm gehört, war Konsens am Jubiläumsabend. Schauspielerin Katrin Wrobel fasste zusammen, warum: „Ein bisschen Glanz und Glamour sollten wir uns in der schwierigen Zeit auch gönnen.“