Der neue Laden vom familienbetriebenen Hype-Döner „Zagros“ ist noch nicht fertig. Drinnen wird gebaut, doch vor der Scheibe bleiben schon jeden Tag Menschen stehen. Ständig kämen Leute vorbei und freuten sich auf die Eröffnung, erzählt Betreiber und Vater Hossein Hosseini.
Er steht in dem großen Eckladen am Kurfürstendamm 212, Ecke Uhlandstraße, wo früher das Fischrestaurant Gosch Sylt seine Gäste bewirtete. Rund zwei Jahre stand die Fläche leer. Jetzt zieht einer der bekanntesten Dönerimbisse der Stadt ein. „Zagros“ eröffnet hier seine zweite Filiale.

Bekannt wurde die Familie mit ihrem Stammladen in Kreuzberg, nahe dem Görlitzer Bahnhof. Vater Hossein Hosseini führt ihn gemeinsam mit seinem Sohn Mogghadam, seine Frau Ashti backt das Brot. Mehr als 100.000 Menschen folgen dem Imbiss auf Tiktok, fast 64.000 auf Instagram. Die kurzen Videos gehen regelmäßig viral.
Gäste aus ganz Deutschland reisen an die Skalitzer Straße, um den Gemüsedöner zu probieren. Jetzt zieht es die Familie an eine der teuersten Adressen der Stadt: den Kudamm.
Warum ausgerechnet dorthin? Ein zweiter Laden in derselben Ecke der Stadt ergebe wenig Sinn, sagt Vater Hossein. Deswegen wollte die Familie deutlich weiter in den Westen, nach Charlottenburg. Auch die Hausverwaltung habe die Fläche wieder beleben wollen. „Es ist doch wunderschön hier.“ Hosseini schaut auf die weite Fläche vor dem neuen Laden. „Das soll hier keine tote Ecke werden“, sagt Hosseini.
Standorte für eine dritte Filiale in Berlin sind schon im Gespräch
Dabei lässt sich die Familie Zeit. Seit dreieinhalb Jahren ist sie im Geschäft, bislang mit nur einer einzigen Filiale. „Gesund wachsen ist besser als schnell wachsen und dann runterzufallen“, sagt der Vater. Anfragen für weitere Standorte gebe es reichlich, aus Stuttgart, Dortmund, Köln und auch Leipzig.
Doch zuerst komme Berlin. Erst wenn hier mehrere Läden liefen, denke die Familie weiter. Eine dritte Adresse hat sie schon im Kopf: den Alexanderplatz! Aber auch Standorte in Steglitz, Schöneberg oder Spandau seien im Gespräch.
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Kein Kudamm-Konzept
Am Konzept ändert der teure Boulevard nichts. „Die Preise bleiben gleich“, sagt Hosseini. Und das, obwohl die Miete es in sich hat. Rund viermal so hoch wie im Stammladen soll sie sein. Erhöhen wollen die Hosseinis den Dönerpreis trotzdem nicht. Sie setzen auf mehr Umsatz statt auf höhere Preise. Steige der Preis doch einmal, dann aus Gründen wie höheren Personalkosten, Strom und Inflation.
Vier Spieße sollen sich im neuen Laden drehen. Mindestens 30 neue Mitarbeiter braucht die Familie für den neuen Standort. Viele kämen über die eigene Community. Die meisten Angestellten stammen aus Afghanistan, und die Verständigung sei kein Problem, weil man eine Sprache teile. Die Hosseinis selbst sind Kurden aus dem Iran. Ihre Muttersprache ist Kurdisch, doch im Iran ist Persisch die Sprache, die in der Schule und im Alltag gesprochen wird. Dieselbe Sprache sprechen auch die afghanischen Kollegen. „Wir verstehen uns also sehr gut“, sagt Hossein.

Vom Asylheim zum Familienbetrieb
Dass die Familie einen Laden an einer der ersten Adressen Berlins eröffnet, war lange nicht abzusehen. Die Hosseinis flohen 2018 aus dem Iran, wo sie als kurdische Minderheit unterdrückt wurden. Vater Hossein und der damals zwölfjährige Mogghadam legten einen großen Teil der Balkanroute zu Fuß zurück.
In Deutschland folgten harte Jahre im Asylheim, in denen man sich kaum sah. Der Vater arbeitete, der Sohn war den ganzen Tag unterwegs, von morgens um fünf bis abends um fünf. „Es ging drei, vier Jahre lang so, dass wir uns kaum gesehen haben“, erzählt Sohn Mogghadam.
Ausgerechnet die Arbeit im Dönerladen brachte die Familie wieder enger zusammen. „Man kann nicht so viele Stunden am Tag arbeiten, wie wir es hier tun, wenn es einfach nur Arbeit ist“, sagt der Sohn. Der Laden ist für die Familie mehr als das. Er ist der Ort, an dem sie nach Jahren der Trennung wieder zusammenfand.
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Döner für einen Cent
Die neue Kudamm-Filiale soll abends bis etwa 23 Uhr geöffnet sein. Und auch ein Außenbereich auf dem großen Platz vor dem Laden ist geplant. „Kudamm heißt ja nicht nur Kudamm, wir sind hier für Charlottenburg“, sagt Mogghadam. Wer nur auf den Boulevard schaue, für den lohne sich das lange Öffnen vielleicht nicht. Wer den ganzen Bezirk dahinter sehe, schon.
Eröffnen will „Zagros“ hier noch dieses Jahr im Dezember. Das Wunschdatum der Familie wäre der 7. Dezember, Mogghadams 21. Geburtstag. Seit zwei Jahren verkauft die Familie nämlich an diesem Tag Döner für einen einzigen Cent – und auch diesmal soll es die Aktion geben. „Wenn es hier mit der Eröffnung noch nicht rechtzeitig klappt, machen wir die Aktion trotzdem“, sagt er, „in Kreuzberg.“




