Die Scheinwerfer des Begleitwagens brennen Löcher in die Nacht. Auf dem staubigen Streifen davor setzt ein Läufer Fuß vor Fuß, konzentriert, der Atem kurz, die Schritte klein, aber unerbittlich. Kein Wort, nur das rhythmische Schnauben und das Knirschen des Untergrunds. In der Ecke des Livestreams auf YouTube laufen Zahlen mit, die kaum ausdrücken können, welcher Wille hinter diesen Bildern steckt: 62 Stunden sind seit dem Start vergangen, 328,8 Kilometer sind geschafft, 271,2 fehlen noch, Herzfrequenz bei 122.
Arda Saatçi, 28, Berliner aus Charlottenburg, versucht in diesen Tagen, was selbst in der Ultra-Szene als Übertreibung gilt: 600 Kilometer in 96 Stunden, vom Badwater Basin durch das Death Valley bis zum Santa Monica Pier. Vier Tage, 5700 Höhenmeter, mehr als 14 Marathons am Stück. Der Lauf unter dem Titel „Cyborg Season 26“ wird live übertragen und begeistert die Massen im Netz. In der Spitze schauen Saatçi mehr als hunderttausend Menschen gleichzeitig dabei zu, wie er an seine Grenzen geht.
Arda Saatçi: Vom Fußballtraum zum gefeierten Extremsportler
Entlang der Highways, auf Abschnitten der Route 66, später durch dichte Ballungsräume, wechselt die Herausforderung: erst Hitze und Monotonie, dann Verkehr und Reizflut. Aufmerksamkeit erregte Saatçi bereits 2024, als er von der Spree bis New York lief. 2025 ging es quer durch Japan – jeweils rund 3000 Kilometer. Auf Social Media hat er eine große Gefolgschaft, sein Motto „Every day is day one“ trifft den Ton einer Generation. 1,5 Millionen Follower hat er auf Instagram. Dort informiert er über Sport und Ernährung.
Arda Saatçi wurde 1997 in Berlin geboren und wuchs in Lichterfelde in Steglitz-Zehlendorf auf. Später zog er nach Charlottenburg. Seine Eltern haben türkische Wurzeln. Der größte Teil seiner Familie lebt weiterhin in Istanbul. Mit 18 Jahren war es sein Traum, Profifußballer zu werden. Als dieser Traum platzte, zerbrach eine Welt. Aber er gab nicht auf und verschrieb sich dem Extremsport.
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Bis spätestens Sonnabend, 9. Mai, gegen 11 Uhr muss Saatçi die Ziellinie erreichen, sonst scheitert das Vorhaben an der eigenen Uhr. Im Livestream wird weiterhin jedes Bild zu sehen sein, jeder Schluck, jeder Meter. Jetzt, in dieser Nacht, wirkt der Schritt noch stabil, die Schultern ruhig, der Blick schmal hinter der Stirnlampe. Die Begeisterung der Fans im Chat ist in jeder Minute lesbar. Selbst während einer kurzen Ruhepause, in der er schläft, schauen noch hunderttausende Menschen zu. Auch sie träumen vom Ziel.



