Historische Sonnenschirme spannen sich über die Suarezstraße, zwischen den Ständen glänzen polierte Kommoden, Standuhren und geschwungene Sofas. Besucher schieben sich an Teppichen, Lampen und alten Schränken vorbei, bleiben stehen, prüfen Holz und Beschläge. Einige haben sich mit Hut, Anzug und Kleid selbst in vergangene Zeiten versetzt. Für ein Wochenende wirkt die Charlottenburger Straße wie ein großes Freiluft-Wohnzimmer – und wie ein Gegenentwurf zur kriselnden Welt der (Antik‑)Möbel.
Auch interessant
Am Sonnabend, 5. September, und Sonntag, 6. September, feiert die Antikmeile in der Suarezstraße in Berlin-Charlottenburg ihr 25-jähriges Bestehen – zum ersten Mal an zwei Tagen. Jeweils von 12 bis 19 Uhr bieten die Geschäfte der Straße und rund 100 eingeladene Händler Möbel, Leuchten, Porzellan, Schmuck, Kunst, Keramik und Sammlerstücke an. Neu ist ein Festplatz auf dem Parkplatz an der Ecke Windscheidstraße und Bismarckstraße. Die Veranstalter wollen dort ein „Berliner Wohnzimmer“ mit Musik, Essen und Raum für Begegnungen schaffen. Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) eröffnet die Jubiläumsmeile um 14.30 Uhr.
Möbelbranche in der Krise: Händler kämpfen mit Umsatzrückgang
Die Händler der Straße trotzen damit einer seit Jahren schwelenden Entwicklung. Denn wer einen neuen Schrank, ein Sofa oder einen Esstisch benötigt, wartet derzeit häufig ab. Im ersten Halbjahr 2026 setzte die deutsche Möbelindustrie 2,7 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark traf es Polstermöbel mit einem Minus von zehn Prozent. Steigende Kosten, ein schwacher Wohnungsbau und sparsame Verbraucher belasten Hersteller und Handel. Selbst Branchenriese Ikea steht unter Druck.
Aktuelle Beiträge aus Charlottenburg-Wilmersdorf
- Kritik am Senat: Radweg in der Kantstraße wird abgebaut
- Prominente Adresse: Dussmann eröffnet neuen Standort
- Neueröffnung: Wie zwei Brüder am Kudamm durchstarten
- Imbiss-Gestank: Geruchsbelästigung am U-Bahnhof Zoo
- Werbung am Kudamm: Werbefläche soll wieder leuchten
- Umfrage: City West punktet trotz Macken
In der Antikbranche zeigt sich die Krise schon länger. Die rund 25 Antiquitäten-, Design- und Gebrauchtwarengeschäfte bilden eine der bekanntesten Berliner Adressen für alte Möbel und besondere Unikate. Doch klassische Laufkundschaft fehlt zunehmend. Bereits 2025 berichteten Händler, dass internationale Käufer seltener kämen und viele Menschen das Stöbern während der Pandemie ins Internet verlagert hätten. Massive Schränke oder Schreibtische würden oft nicht in moderne Wohnungen passen.
Antike Holzmöbel erleben neue Wertschätzung
Dabei könnten traditionelle Holzmöbel wieder an Aufmerksamkeit gewinnen. Eine Analyse des amerikanischen Youtube-Kanals „Antique Acquisitions“ zählt geschnitzte braune Möbel zu den gefragten Antiquitätentrends des Jahres 2026. Der Beitrag betont ihre handwerkliche Qualität und Seltenheit, warnt aber davor, sie mit Gold gleichzusetzen. Alte Möbel seien durch industrielle Massenproduktion und wechselnde Wohntrends stark im Wert gefallen, heißt es dort. Ob die Preise wieder steigen, bleibt offen.
In Charlottenburg wollen die Händler zeigen, dass Antiquitäten mehr sind als eine Geldanlage. Die Liebe zum Detail führt dazu, dass viele Händler trotz eines abnehmenden Interesses dabei bleiben. Das soll auch am Sonnabend wieder deutlich werden. Zudem bleibt auch die Kunst ein wichtiger Teil des Festes. Anke Feuchtenberger gestaltete das Jubiläumsplakat. Eine Siebdruck-Ausgabe erscheint in einer Auflage von 100 Exemplaren. Und auch in Zeiten der Krise bleibt es dabei: Der Eintritt zur Antikmeile ist frei.




