Sie trainieren hart, müssen aber auch Auswärtsfahrten bezahlen, Kuchen backen, um Einnahmen zu generieren, und sind nun auf Spenden angewiesen: Die „Berlin Kobra Ladies“ aus Charlottenburg-Wilmersdorf stemmen ihren Sport mit viel Herz und noch mehr Eigeninitiative. Jetzt wurden elf Spielerinnen des Vereins für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im American Football nominiert. Aber der Traum vom Adler auf der Brust kostet. Hunderte Euro müssen für die Teilnahme am Trainingscamp und das erste Spiel geblecht werden. Ein Großteil der Kosten wird nicht übernommen. Deswegen wurde jetzt eine Spendenaktion gestartet.
Auch interessant
Anna-Lena Kronenberg spielt seit rund elf Jahren American Football. Angefangen hat alles mit einer Freundin. Sie kannten sich aus dem Judo-Verein. Die Freundin wollte etwas Neues probieren, und Kronenberg ging aus Solidarität einmal mit. Aus „einem Zufall“ ist heute eine Leidenschaft und ein fester Platz im Team geworden. Die Kobra Ladies sind heute das einzige Berliner Frauenteam, das kontinuierlich im Ligabetrieb American Football spielt. Andere Vereine verschwanden, nicht zuletzt durch die Pandemie. Die Kobras sitzen in Wilmersdorf gegenüber vom Eisstadion und sind fest in der Bundesliga verankert. Aber der Erfolg hat auch Tücken.
Ausrüstung und Teamgeist: Wie Spielerinnen Kosten gemeinsam stemmen
Durch den Verein selbst sind die finanziellen Hürden zunächst niedrig angesetzt – und dennoch summieren sich die Kosten. Der Monatsbeitrag liegt bei 20 bis 25 Euro. „Das ist nicht das Problem“, sagt Kronenberg. Teuer ist zunächst hauptsächlich die Erstausstattung: Helm und Pads – Sicherheit geht vor – schlagen in einer soliden Grundausstattung mit etwa 500 bis 800 Euro zu Buche. Für Auswärtsspiele hilft die Gemeinschaft. Busfahrten werden organisiert. Jede gibt „einen Zehner in die Reisekasse“. An Spieltagen backen die Frauen Kuchen, stellen den Grill auf und verdienen so selbst mit. Es klappt nur, weil viele Hände zupacken.
Aktuelle Beiträge aus Charlottenburg-Wilmersdorf
- Wohnkomplex in Wilmersdorf: Degewo stoppt Sanierung der „Schlange“
- Baumbeete: Bezirk bringt Anwohnern kostenlos Pflanzen vor die Haustür
- Antikmeile: Jubiläum mit alten Möbeln und neuem Konzept
- Schlangenbader Tunnel: Wieso die Wiedereröffnung auf der Kippe steht
- Bahnhof Zoo: Polizei findet getarnten Elektroschocker
- Heizkraftwerk: Kastanien nach Gerichtsbeschluss erneut in Gefahr
Die Liga versucht, Wege kurz zu halten. In dieser Saison wurde in drei regionalen Gruppen gespielt. Für Berlin bedeutete das Auswärtsfahrten nach Dresden oder Braunschweig. International wird es ungleich teurer. Mit der Nationalmannschaft stehen in den kommenden zwei Jahren vier EM-Spiele an, davon je zwei daheim und auswärts. Der Kader umfasst rund 45 Spielerinnen, was Flüge und Unterkünfte schnell vervielfacht. Turnierflair wie früher bei der WM 2022 in Finnland weicht heute einem über die Jahre gestreckten Format. Berufstätige Athletinnen können so eher teilnehmen, auch wenn der Zauber einer langen Turnierwoche fehlt.
Teamgeist im American Football: Jede Spielerin zählt auf dem Feld
Warum all das? Was macht die Faszination American Football aus? „Dass in diesem Spiel jeder gebraucht wird“, sagt Kronenberg. Football lebe von der Vielfalt der Spielerinnen auf dem Platz: Egal ob groß, klein, schnell, langsam – für jede Statur gibt es auf dem Spielfeld eine Aufgabe. „Wenn ich meinen Job gut mache, profitiert eine andere. Wir stehen füreinander ein.“ Dieser Teamgeist – egal auf und neben dem Platz – schweißt zusammen und hält den Verein seit Jahren an der Spitze des deutschen Frauen-Footballs.

Aber der Traum von der Nationalmannschaft droht zu platzen. Für Trainingscamps und das erste Spiel müssen die Spielerinnen jeweils 750 Euro aus eigener Tasche zahlen – zusätzlich zu Spesen und Ausrüstung. Neben Job, Studium und dem intensiven Training ist das für viele Spielerinnen der Kobra Ladies eine enorme Belastung. „Und für einige sogar eine echte Hürde, diesen Traum überhaupt wahrnehmen zu können“, sagt Deborah Joachim, die deshalb die Spendenaktion auf GoFundMe ins Leben gerufen hat.
„Wir investieren bereits unzählige Stunden, trainieren bei Wind und Wetter und geben alles für diesen Sport, der – besonders im Frauenbereich – noch viel zu wenig Unterstützung bekommt“, so Deborah Joachim. Insgesamt werden 9000 Euro gebraucht. Knapp 5000 Euro waren am Donnerstag bereits zusammen. „Wer helfen will, stärkt nicht nur elf Nationalspielerinnen, sondern die Sichtbarkeit von Frauen im American Football“, so Joachim. Der Vereinssport hält viel zusammen, doch für den Erfolg reicht Engagement allein nicht aus. Deshalb werden die Kobra Ladies weiter Kuchen verkaufen, Zehner in die Reisekasse werfen und sich neue Ausrüstung kaufen. Und Rückwind von außen soll helfen, damit der Traum in Schwarz-Rot-Gold nicht am Geld scheitert.




