Am Donnerstagabend wurde in der bis auf den letzten Platz besetzten Astor Lounge am Kudamm der Ultrakurzfilm-Preis der 99Fire-Films in vier Kategorien vergeben. Zur Preisverleihung kamen auch Kiera und Spencer Chaplin, die Enkel der Filmlegende Charlie Chaplin (✝ 1977). Der 99Fire-Films-Award ist der weltweit größte Ultrakurzfilmwettbewerb.
Er wurde 2009 von Start-up-Unternehmer Stefan Kiwit gegründet. Die Idee entstand als Challenge für junge Talente. Innerhalb von nur 99 Stunden muss ein 99-sekündiger Film zu einem festen Thema produziert werden. Der Wettbewerb findet jährlich parallel zur Berlinale statt. Das Thema lautete dieses Jahr „2035 – The Human Story Beyond Tomorrow“.
Die schönsten Fotos vom 99Fire-Films Award
„Leidenschaft ist das A und O beim Filmemachen“
Hunderte Ultrakurzfilme wurden aus aller Welt eingereicht und von der Jury gesichtet und geprüft, 50 kamen in die Vorauswahl. Laut Jury-Mitglied Sönke Möhring war die Auswahl nicht leicht. Die Jury habe rund acht Stunden über die Gewinner diskutiert. „Kurzfilme sind ein ganz eigenes Genre. Sie können ein ebenso großes Kunstwerk sein wie Langfilme“, sagte der Schauspieler („Inglourious Basterds“). Sie müssten in sehr kurzer Zeit Dinge verdichten und erzählen. Die „cineastischen Möglichkeiten, die früher viel Geld gekostet haben“, haben ihn beeindruckt. Möhring sagt aber auch: „Ich war ein bisschen erschüttert darüber, wie dystopisch sich junge Menschen heute die Zukunft vorstellen. Etwas mehr Zuversicht wäre wünschenswert.“
„Die meisten eingereichten Filme waren total dystopisch“, bestätigt auch Jury-Mitglied Roman Knižka. „Ich habe größten Respekt vor dieser Challenge. Einen guten Film in 99 Stunden, also knapp vier Tagen, hinzubekommen, ist ein enormer Druck. Wenn das Thema herauskommt, bekommen alle, die sich online angemeldet haben, gleichzeitig das Thema. Dann brauchst du sofort eine Idee und Schauspieler.“ Knižka sitzt zum zweiten Mal in der Jury und freut sich, dass die Sparkasse dieses Jahr Sponsor ist. Was rät er jungen Filmemachern, die gewinnen wollen? „Leidenschaft ist das A und O beim Filmemachen.“
Kiera Chaplin: „Film muss Emotionen entfachen“
Chaplin-Enkelin Kiera stimmt Knižka zu: „Film muss Emotionen entfachen. Die beste Art zu unterhalten ist eine gute Geschichte, vielleicht mit einem guten Drink“, sagt sie, in Anspielung auf die eigene Spirituosen-Marke, mit deren Produkten sie die Aftershow-Party sponserte. Die 43-Jährige war schon häufig in Berlin. „Zuletzt vor drei Jahren, zur Weltpremiere einer restaurierten Fassung eines Films von meinem Großvater, der bei der Berlinale vorgestellt wurde.“ Sie selbst schätze alte Filmklassiker wie „Woman of Paris“ aus dem Jahr 1923 von Charlie Chaplin zwar, gucke aber auch gerne TV-Serien wie „Game of Thrones“ und „Ozark“.
Sie selbst hat keine Film-Ambitionen? „Nein. Meine Tante Geraldine ist ja im Filmgeschäft. Aber ich habe mich entschieden, etwas anderes zu machen.“ Kiera Chaplin war lange als Model tätig, 2001 ließ sie sich von Peter Lindbergh im berühmten Pirelli-Kalender ablichten, allerdings ganz und gar nicht hüllenlos. Mittlerweile lebt Kiera Chaplin im irischen Belfast und vertreibt mit ihrem Bruder Spencer, der dem berühmten Großvater Charlie Chaplin wie aus dem Gesicht geschnitten ist, Spirituosen der Marke „Generation Chaplin“.
Das sind die vier Gewinner
In der Kategorie „Beste Idee & Storytelling“ gewann der Ultrakurzfilm „Verlotterung“, in dem Jonathan Schaefer die Hauptrolle spielte. Den Preis in der Kategorie „Beste Kamera & Bildgestaltung“ nahm das Team „Matchpoint“ für den Film „End of the Line“ entgegen, bei dem Moritz Sachau für Regie und Drehbuch verantwortlich war. Der „kreativste Einsatz von KI“ war nach Meinung der Jury im Film „Red Dot“ zu finden. Er war mit einem Gratis-Abo des KI-Portals Freepik dotiert.

Den Hauptpreis sahnte der Film „New Living“ ab. Das Thema: Unbezahlbare Wohnungen, die in der Zukunft durch ein teuer bezahltes, virtuelles Erlebnis ausgeglichen werden. Benny (Regie, Konzept), Luka, Alex und Nils nahmen den Preis für das Team „Ad Art“ entgegen, zu dem eigentlich noch die beiden Frauen Tabea und Steffi gehören, die abwesend waren.
„Was wollt ihr jetzt mit dem Preisgeld von 9999 Euro machen?“, fragte Moderatorin Mariattma Jadie. „Keine Ahnung!“, war die Antwort. „Wir nehmen jetzt schon seit einigen Jahren an diesem Wettbewerb teil. Die Nominierung war unser bisher größter Erfolg. Dass wir gewinnen, das war nicht geplant und haut uns erst mal um.“ Zum Thema sagte das Team: „Sich eine Wohnung leisten zu können, ist jetzt schon für viele Menschen ein großes Problem. Diese Problematik wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.“
Alle nominierten Filme sind auf Youtube im Channel der 99Fire-Films kostenlos verfügbar.

















