Die Kieztage der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) entwickeln sich in Charlottenburg-Wilmersdorf zu einem Besucher- und Müllmagneten: Die Menge des Sperrmülls hat sich von 27,9 Tonnen im Jahr 2023 auf über 103 Tonnen im Jahr 2025 fast vervierfacht, die Zahl der Besucher ist im Zeitraum von gut 2.300 auf über 8.600 gestiegen. Die Summe der Kieztage hat sich von sechs Terminen auf elf Termine nahezu verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2026 sind bereits acht Termine geplant. Die Zahlen stammen aus einer Anfrage des Abgeordneten Niklas Schenker (Linke). Parallel steigen auch die Re-Use-Mengen – von knapp fünf auf fast 19 Tonnen.
BSR-Kieztage in Charlottenburg-Wilmersdorf – Zahlen und Fakten
2023: 27,9 t Sperrmüll, 4.970 kg Re-Use, 2.329 Besucher
2024: 52,33 t Sperrmüll, 9.378 kg Re-Use, 3.341 Besucher
2025: 103,25 t Sperrmüll, 18.813 kg Re-Use, 8.664 Besucher
Zum Hintergrund: Die BSR-Kieztage sind mobile, kostenfreie Sammelaktionen der Berliner Stadtreinigung in Kooperation mit Bezirksämtern, bei denen Anwohner Sperrmüll und Elektrogeräte direkt vor der Haustür entsorgen können. Zu den Aktionstagen gibt es auch einen Tausch- und Verschenkmarkt. Gegenstände, die noch gebraucht werden könnten, finden so neue Besitzer. Was am Ende des Tages nicht mitgenommen wird, kommt in den Re-Use-Kreislauf, etwa über die NochMall, das BSR-Gebrauchtwarenkaufhaus.
BSR-Kieztage in Berlin: So werden die Standorte ausgewählt
Auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wertet die Kieztage als Erfolg: Sie erleichtern die ordnungsgemäße Entsorgung, verbessern die Stadtsauberkeit und stoßen „auf eine hohe Akzeptanz in den jeweiligen Kiezen“, heißt es in der Antwort. Außerdem würden sie das Bewusstsein für den Umgang mit öffentlichem Raum und zivilgesellschaftliches Engagement stärken. Organisiert werden die Termine zusammen mit Kiezinitiativen. Die Standorte würden dabei unter anderem nach lokalem Interesse ausgewählt.
Kieztage in Charlottenburg-Wilmersdorf 2026
Dienstag, 17.03.2026: Mierendorffplatz, 10589 Berlin (Initiative: DorfwerkStadt e. V.)
Donnerstag, 19.03.2026: Karl-August-Platz, 10625 Berlin (Stadtteilkoordination Karl-August-Kiez)
Mittwoch, 15.04.2026: Eberbacher Straße, 14197 Berlin (Nachbarschafft e. V.)
Dienstag, 21.04.2026: Bundesplatz, 10715 Berlin (Initiative Bundesplatz)
Donnerstag, 07.05.2026: Sackgasse Zillestraße 105a, 10585 Berlin (Initiative Fritschestr.)
Samstag, 09.05.2026: Leon-Jessel-Platz, 10717 Berlin (Miteinander im Kiez e. V.)
Dienstag, 09.06.2026: Kirchnerpfad, 13627 Berlin (GEWOBAG)
Freitag, 19.06.2026: Straße am Schölerpark, 10715 Berlin (Haus der Nachbarschafft e. V.)
Weitere Informationen und Anmeldungen sind auf der Seite www.bsr.de/meinkieztag verfügbar.
Trotz der Fortschritte bleibt ein Gebiet das Sorgenkind: Charlottenburg-Nord. Die BSR beschreibt den Stadtteil, einschließlich Paul-Hertz-Siedlung und Bahnhof Jungfernheide, als Gebiet mit „enormem Aufkommen an Sperrmüll- und Bauschuttablagerungen“. Die BSR-Regionalstelle habe den Fokus deshalb besonders auf diesen Bereich gelegt, die Abholung werde „noch intensiver“ organisiert. Dennoch seien neue Ablagerungen häufig schon wenige Stunden nach der Reinigung wieder da – der Erfolg der Einsätze verpuffe.
Müllproblem in Charlottenburg-Nord: Das sind die Hotspots
Illegale Ablagerungen können über „Ordnungsamt Online“ gemeldet werden. Die Daten zeigen, wo es besonders brennt: An der Lise-Meitner-Straße gingen 2025 32 Hinweise ein, an der Olbersstraße (1–30) 37 Meldungen, am Tegeler Weg (23–35 und 80–90) 38 Meldungen und an der Max-Dohrn-Straße elf Meldungen. Im Vergleich zu 2024 sind die Zahlen rückläufig. Nicht immer kann das Ordnungsamt helfen. In der Paul-Hertz-Siedlung sei der Bezirk teilweise nicht zuständig, da es sich um Privatgelände handele, ebenso rund um den S-Bahnhof Jungfernheide. Dort seien unter anderem die Deutsche Bahn und andere Eigentümer in der Pflicht.
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Insgesamt sei ein Fortschritt erkennbar. Das Bezirksamt und die BSR hätten mit dem Konzept „Saubere Stadt“ ihre Zusammenarbeit optimiert. So könnten die illegalen Ablagerungen auf städtischen Flächen schneller beseitigt werden. Nach Ansicht des Bezirksamtes könnte der Großteil der Mülldelikte verhindert oder aufgeklärt werden, wenn jeder Einzelne in der Stadt etwas mehr Verantwortung übernehmen und Müll, sei er größerer oder kleinerer Art, nicht einfach illegal entsorgen würde, heißt es weiter.
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