Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, S.E. Ron Prosor, und der Künstler Gunter Demnig haben an diesem Dienstag Stolpersteine für Familienangehörige des Botschafters verlegt. Prosor erinnerte daran, dass die Verlegung ursprünglich für den 8. Oktober 2023 geplant war, aber wegen des Terroranschlags der Hamas nicht stattfand. Vor dem Hintergrund der wiederholten Angriffe gegen Israel und seine Bürger am Tag der Gedenkveranstaltung seien die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden.

Laut einer Pressemitteilung sagte der Botschafter während der Verlegung: „Wenn die vier Proskauers im Jahr 1933 nicht geflohen wären, würden hier heute vielleicht vier Stolpersteine mit einer anderen Gravur liegen. Ein paar Häuser weiter, hier in der Eisenzahnstraße, liegen Stolpersteine für Selma Lewinsohn und Franziska Friedländer, die beide im Jahr 1942 aus dieser Straße abgeholt, deportiert und ermordet wurden.“ Das sei es, was die Stolpersteine seiner Familie von den meisten anderen unterscheide.

Isreals Botschafter: Juden haben in Deutschland wieder Angst

Denn auch die vier Stolpersteine der Proskauers würden eine Geschichte von Angst, Trauer, Verlust und einem zurückgelassenen Leben erzählen. Aber sie würden eben auch die Geschichte einer gelungenen Flucht erzählen. Und die Geschichte des Aufbaus eines neuen Lebens – und vom Aufbau des wiedergegründeten Staates Israel vor 75 Jahren. „Und für beides stehe ich heute hier: als Enkel, Neffe und Sohn – und als stolzer Vertreter des jüdischen Staates Israel. Mit jedem einzelnen Stolperstein geben wir den Menschen ihre Namen zurück und entreißen sie so dem Vergessen. Jeder Name ist ein kleiner Sieg“, teilt der Botschafter Prosor mit.

Stolpersteine
Stolpersteine für Familienangehörige des israelischen Botschafters.© Daniel Nartschick | Daniel Nartschick

Zu dem Anstieg von antisemitischen Vorfällen in Deutschland teilt der Botschafter mit: „Wer hätte gedacht, dass Juden in Deutschland wieder Angst haben würden.“ In diesem Krieg kämpfe man auch für gemeinsame westliche Werte, wobei der Kampf nicht nur im Nahen Osten stattfände. „Er findet auch in Deutschland statt: auf den Straßen, in den Schulen und Universitäten, im Kulturbetrieb. In diesem Kampf geht es auch darum, ob wir in Zukunft weiter in Frieden und Freiheit leben können“, so Prosor.

Stolpersteine für Angehörige des israelischen Botschafters: 91 Jahre nach der Flucht

Die Verlegung findet 91 Jahre nach der Flucht im Oktober 1933 statt, als Elfriede und Berthold Proskauer mit ihren Kindern Liselotte und Ulrich Berlin verließen. Sie ließen ihr altes Leben hinter sich, um sich zu retten. Für den preußischen Patrioten Berthold Proskauer, der im Ersten Weltkrieg gedient hatte und der Großvater des Botschafters ist, war dies – trotz aller Notwendigkeit – ein schwerer Schritt. Demnig verlegte die Stolpersteine vor den Augen des Botschafters und seiner Gäste. Neben der Präsidentin des Bundestages, Bärbel Bas, waren auch die Holocaustüberlebende Margot Friedländer und die Verlegerin Friede Springer anwesend.