Die A100 auf Höhe der Rudolf-Wissell-Brücke ist eine der Lebensadern Berlins. Mit mehr als 180.000 Fahrzeugen am Tag gilt der Autobahnabschnitt als der am drittmeist befahrene der Republik. Doch Brücke und Autobahndreieck Charlottenburg sind überlastet und in die Jahre gekommen, ächzen vor allem unter der Last des Schwerlastverkehrs. Sie sollen deswegen in mehreren Schritten komplett neu errichtet werden, um Staufallen zu vermeiden. Mit Auslegung der Planunterlagen ab Dienstag geht das Mammutprojekt jetzt in die nächste Phase. Denn ab 2025 sollen die Bagger rollen.
„Geplant sind zwei nebeneinander verlaufende Brücken, eine für jede Fahrtrichtung“, beschreibt Michael Zarth von der zuständigen Planungsgesellschaft Deges den Kern des Vorhabens. Dadurch soll der Betrieb auf der mit 932 Metern längsten Brücke Berlins weiter fließen, während zunächst das neue Bauwerk mit der Fahrbahn Richtung Norden errichtet wird. Es wird laut Deges so gebaut, dass es während des Rückbaus der Bestandsbrücke sechs Fahrstreifen und damit zumindest temporär den gesamten Verkehr aufnehmen kann.
Rudolf-Wissel-Brücke: Verkehr soll während des Neubaus weiter fließen
„Damit werden über die gesamte Bauzeit hinweg bis auf wenige Ausnahmen drei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung stehen“, umreißt Zarth die Vorteile des Doppel-Bauwerks. So soll der für Berlin wichtige Wirtschaftsverkehr gesichert und die Region vor einem Dauerstau bewahrt werden und durch Lärmschutzwände auch die Belastung der Anwohnenden merklich reduziert werden.
Weitere Clou ist, dass der Neubau der südlichen Brücke unter der Maßgabe „alt hilft neu“ zunächst auf dem Gerüst des bestehenden Bauwerks errichtet wird, ehe auch dieses ersetzt wird. Erhalten bleibt später lediglich die Gründung der alten Brücke. Werden größere Wartungsarbeiten fällig, kann der Verkehr laut Deges wieder auf den jeweils anderen Brückenteil umgeleitet werden.

Da ursprünglich ein Baubeginn bereits 2023 avisiert war, könnten Autofahrende trotzdem Staus auf dem reparaturanfälligen Abschnitt fürchten. Die Deges zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die bestehende Brücke, deren Fahrbahn 2017 und 2018 noch einmal aufwendig erneuert wurde, noch durchhält. „Vorherige Einschränkungen oder Sperrungen der Bestandsbrücke bis zum Baubeginn sind zur Zeit nicht vorgesehen“, sagt Sprecher Zarth.
Deges kalkuliert derzeit mit Kosten in Höhe von 270 Millionen Euro
Doch die Konstruktion mit zwei 48 Meter voneinander getrennt laufenden Brücken, für die sich das Stuttgarter Architekturbüro Leonhardt, Andrä und Partner verantwortlich zeichnet, kostet auch Platz. Die Planer rechnen damit, dass 62 Kleingartenparzellen am Fuße der Brücke dauerhaft und 31 temporär während des Baus weichen müssen.
Die Deges kalkuliert derzeit mit Kosten in Höhe von 270 Millionen Euro sowohl für den Ersatzneubau der Rudolf-Wissel-Brücke und den Umbau des Autobahndreiecks Charlottenburg, das eine neue „Geometrie“ erhält, um den Verkehr besser fließen zu lassen. „Nicht berücksichtigt sind eventuelle Kostensteigerungen infolge des krisen- und inflationsbedingten Anstiegs von Material- und Lohnkosten“, so Zarth weiter. Zu erwarten ist also, dass sich die Kalkulation bis zur geplanten Fertigstellung noch verändert.
Charlottenburg-Wilmersdorf: Bürgerinnen und Bürger können Einblick nehmen
Mit Auslegung der Unterlagen beginnt jetzt der vorgeschriebene öffentliche Teil des Planfeststellungsverfahrens. Betroffene Bürger und Verbände können bis zum 7. September 2023 unter anderem im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf (Hohenzollerndamm 174-177) Einblick in die Unterlagen nehmen und Einwendungen geltend machen. Wenn keine Klagen das weitere Verfahren verzögern, rechnet die Deges damit, den geplanten Baustart im Jahr 2025 halten zu können. So gut wie nie soll der Verkehr dann nach Fertigstellung 2031 rollen.



