Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat ein offizielles Verfahren zur Umbenennung des Joachimsthaler Platzes in Grünfeld-Ecke eingeleitet, wie es am Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt gab. Durch die Benennung soll an das einstige Kaufhaus und die Familie Grünfeld erinnert werden, die aufgrund der Bedrohung durch den Nationalsozialismus im Jahr 1939 das Land verlassen musste.
„Die Entwicklung der City West ist ohne das jüdische Leben in den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts völlig undenkbar. Dies muss stärker als bisher auch im öffentlichen Raum des Bezirks deutlich werden“, sagt der für den öffentlichen Raum zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Da es unter dem Namen Joachimsthaler Platz keine offiziellen Adressen gebe, würden keine Kosten für eine Adressänderung für Anliegende entstehen.
FDP: Entscheidung ist Missachtung der Bezirksverordnetenversammlung
Die FDP hatte vor kurzem noch öffentlichkeitswirksam eine symbolische Umbenennung des Joachimsthaler Platzes in Harald-Juhnke Platz gefordert. Auch einen Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gab es im Herbst, der allerdings auf die Zeit nach der Wahl vertagt wurde und nun wohl hinfällig ist.
„Wir finden es richtig, dass in dieser Form an jüdische Mitbürger, die sich um den Bezirk verdient gemacht haben, gedacht wird. Es ärgert mich aber, dass diese Entscheidung ohne Einbindung der BVV getroffen wurde“, sagt Felix Recke-Friedrich von der FDP-Fraktion der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Zumal man sich im Kulturausschuss bei der Vertagung des Antrags auf weitere Diskussionen verständigt hätte.
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Das Recht, eine Straße umzubenennen, liegt in Berlin bei den Bezirken. In Ausnahmefällen kann der Senat das Verfahren an sich ziehen. Die Initiative des Verfahrens ging laut Bezirk von Nils Busch-Petersen aus, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, der in einer Veranstaltung seine Recherchen zur Familie Grünfeld vorgestellt habe.
Demnach installierte die Familie Grünfeld im Jahre 1873 nicht nur den ersten Versandhandel, Heinrich Grünfeld, war ab 1919 auch der Gründungspräsident der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, bis er dieses Amt im Jahr 1933 aufgab und damit auf die massiven Angriffe der NS-Propaganda reagierte.
„Mit der Einleitung des Umbenennungsverfahrens tragen wir der herausragenden Bedeutung Grünfelds nicht nur für die Entwicklung der City West, sondern auch für die Entwicklung des Handels in Deutschland insgesamt Rechnung“, sagt Stadtrat Schruoffeneger.
Jüdisches Leben an öffentlichen Orten in Charlottenburg-Wilmersdorf sichtbar machen
1924 kaufte die Leinenweberei Grünfeld das Grundstück und ließ 1927/28 die unteren drei Geschosse zu einem modernen Wäschekaufhaus umbauen. Das Grünfeld-Kaufhaus habe den Platz seit seiner Eröffnung im Jahr 1926 geprägt, sodass die Ecke im Volksmund bald Grünfeld-Eck hieß. Am 15. Oktober 1938 meldete die „Textil-Zeitung”: “Grünfeld in arischem Besitz!” und das Kaufhaus wurde von der Firma „Max Kühl“ weitergeführt. 1939 emigrierte die Familie Grünfeld dann schließlich nach Palästina.
Der Bezirk habe zusammen mit dem Zentrum für zeitgenössische jüdische Kultur im Bezirk eine Übersicht über wichtige Orte des jüdischen Lebens im Bezirk erarbeitet, um diese wieder sichtbar zu machen. „Die Benennung eines zentralen Ortes bildet den Auftakt einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben in Charlottenburg-Wilmersdorf im öffentlichen Raum“, so Stadtrat Schruoffeneger.
Für Felix Recke-Friedrich ist die Suche nach einem Platz für Harald Juhnke im Bezirk damit noch nicht beendet. „Wir haben noch eine weitere Idee und hoffen, dass diesmal gemeinsam nach einer Alternative gesucht wird.“ Das ursprüngliche Ziel war es, spätestens bis zum 75. Bühnenjubiläum von Harald Juhnke am 9. November 2023 einen Platz nach dem Schauspieler und Entertainer im Bezirk zu benennen.


