Dass er Nachfolger für Carsten Engelmann im Amt des Sozial- und Gesundheitsstadtrats werden soll, berührt Detlef Wagner tief. Man spürt seine Trauer über den frühen Tod des Freundes im Januar dieses Jahres. Wagner ist seit 33 Jahren Mitglied in der CDU. Seither kannten sich die beiden und waren mehr als nur Parteifreunde. „Glauben Sie mir, ich gäbe wer weiß was, wenn er das Amt jetzt noch innehätte“, sagt Wagner. Er wirkt nur wenig getröstet, wenn man ihm sagt, dass sich Engelmann vielleicht gewünscht hätte, dass er ihm nachfolgt. Immerhin, so räumt er ein, habe man in vielen gemeinsamen Urlauben ja auch immer wieder über die Arbeit gesprochen. „Vieles, was ihn da bewegt hat und wofür er Lösungen gesucht hat, haben wir diskutiert“, sagt Wagner. Nun wolle er versuchen, weiter nach solchen Lösungen zu suchen.
Für Senioren Präventionstheater gespielt
Wagner ist Polizist. Um genau zu sein, sogar Polizeihauptkommissar beim Abschnitt 22 in Ruhleben. Zuständig ist er dort für die Präventionsarbeit der Polizei. Ein Tätigkeitsgebiet, das viel mit dem zu tun hat, was er auch künftig zu tun hat. Im Festsaal des Rathauses Charlottenburg spielt er beispielsweise einmal im Monat mit seinen Kollegen Präventionstheater für Senioren. „Wir zeigen, wie der Enkeltrick oder anderer Trickbetrug funktioniert und wie man sich davor schützen kann“, sagt er und fügt stolz hinzu: „Wir haben immer ein volles Haus.“
Erst Mathematik studiert, dann aber doch zur Polizei gewechselt
Es sind die Menschen, die Wagner wichtig sind, eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen des 51-Jährigen zieht. Dabei standen Menschen in seiner Ausbildung nicht unbedingt im Vordergrund. Lösungen suchen aber schon. Der Berliner hat im Reinickendorfer Humboldt-Gymnasium Abitur gemacht und dann Mathematik studiert. „Die reine Mathematik hat mich fasziniert und tut es immer noch“, sagt er. Doch die Berufsbilder die sich für ihn angeboten hätten, haben ihn letztlich doch nicht interessiert. „Ich habe abgebrochen und bin 1992 dann zur Polizei gegangen“, sagt er.
„Meine Familie ist mein Nukleus“
Wagner wirkt diszipliniert. Zurückzuführen mag das nicht nur auf seine Arbeit in der geordneten Hierarchie der Polizei sein. Der leidenschaftliche Tänzer hat bei TC Allround Berlin Formationstanz bis auf Weltmeisterniveau trainiert. „Wenn da einer aus der Reihe tanzt, verlieren alle“, sagt er. Heute hat er die Tanzschuhe an den Nagel gehängt, aber: „Dieser Bauch läuft Marathon“, sagt er und klopft grinsend auf seine Körpermitte. Eine der Leidenschaften, die er mit seiner zweiten Frau Kristina teilt. Auch Kristina Wagner ist Polizeibeamtin, aktiv in der CDU und ebenfalls Bezirksverordnete in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Paar hat zwei Kinder. „Meine Familie ist mein Nukleus“, sagt Detlef Wagner immer wieder. Das wird auch deutlich, wenn man die Internet-Seite des Paares liest.
Engagiert bei der Betreuung der Flüchtlinge
„Für Politik brennen wir beide“, sagt er. In ihrem CDU-Ortsverband City Kurfürstendamm, dessen Vorsitzender Detlef Wagner, ebenfalls in der Nachfolge von Carsten Engelmann, ist oder in der BVV. „Meine Treibkraft war mein Vater, der allerdings ein engagierter SPD-ler war“, sagt Wagner. Der Kampf gegen Antisemitismus war sein besonderes Anliegen. Ein Tradition, die Detlef Wagner fortführt. „Ich arbeite unter anderem im Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) und gegen permanente Verletzungen von Menschenrechten wie im Iran.“ Ein Engagement, das ihn früh mit der Flüchtlingsarbeit in Berlin zusammenbrachte. „Am Anfang wollte ich ja nur ein bisschen helfen“, sagt er, aber die Situation 2015 erforderte dann schnell intensivere Maßnahmen. Wagner wurde wie viele seiner Kollegen von der Polizei zum Lageso abordnet, das auf der Höhe der Flüchtlingswelle den Ansturm nicht mehr mit Bordmitteln bewältigen konnte. Im August 2016 wurde er Leiter des Leistungs und Vorsprachezentrums im ICC und organisierte dort Ankommen, Sachbearbeitung und Weiterleitung der ankommenden Menschen. „Da gab es immer wieder bewegende Momente. Mich hat aber auch beeindruckt, wie viele Menschen sich in dieser Zeit ehrenamtlich engagiert haben.“ Im Juni 2017 zog der Senat die letzten sieben Polizisten zurück. „Ich wäre gern beim LAF geblieben, aber ich bin auch gern wieder zur Polizei zurückgegangen“, sagt Wagner.
Erst einmal alle Mitarbeiter kennenlernen
Probleme anzupacken und Lösungen auch auf unkonventionellem Weg zu finden, habe ihm bei seiner Flüchtlingsarbeit geholfen und soll ihm auch Maßstab für seine Arbeit als neuer Sozial- und Gesundheitsstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf sein. „Wenn ich denn auch wirklich von der BVV ins Amt gewählt werde“, wiegelt er vorsichtig mit Verweis auf die nächste Hürde, die vor ihm liegt, ab. Schon seine Kandidatur im tief gespaltenen CDU-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf war nicht unstrittig, aber letztlich wurde Wagner mit 65 Ja-Stimmen, 36 Neins und fünf Enthaltungen mehrheitlich ins Rennen geschickt. Nun wird er noch die Bezirksverordneten überzeugen müssen. Er sei aber froh, dass er dann ein Ressort übernehmen könne, das von seinem Parteifreund Arne Herz in der langen Zeit der Vakanz betreut worden sei, und dieser ihm in der Zeit seiner Einarbeitung helfen könne. „Ich will erst einmal durchs Rathaus tingeln, alle kennenlernen und möglichst ein guter Ansprechpartner für die Mitarbeiter werden“, hat er sich vorgenommen. „Ich habe den Eindruck, dass das Wertschätzungsgefüge der Mitarbeiter in den Bezirksverwaltungen verbesserungsbedürftig ist. Ich weiß, dass viel qualifiziertes Personal fehlt und das, das da ist, deswegen überlastet ist.“ Er habe aber den Mut, manche Dinge auch einmal anders anzugehen. „Ich möchte es schaffen, dass in den zweieinhalb Jahren, die ich in diesem Amt habe, die Menschen sagen: Der war nicht nur hier, weil ihn seine Partei hierhergesetzt hat, sondern der hat wirklich etwas bewirkt.“


