54 Jahre alt wäre er am Sonntag geworden, doch das hat Carsten Engelmann nicht mehr geschafft. Der Charlottenburger Sozial- und Gesundheitsstadtrat hat vergangenen Mittwoch seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Engelmann hinterlässt seine Frau sowie einen Sohn und eine Tochter.

Schon mit 16 Jahren beginnt Engelmann im Rathaus Charlottenburg die Ausbildung zum Beamten des mittleren nichttechnischen allgemeinen Verwaltungsdienstes. Nach Stationen in der Abteilung Jugend und Sport, unterbrochen von einem Jahr Verwaltungsaufbau in Köpenick 1991 bis 1992, im Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen und im Bürgeramt Spandau wird Engelmann 2011 Stadtrat für Soziales und Gesundheit in Charlottenburg-Wilmersdorf, zwei Jahre später auch stellvertretender Bezirksbürgermeister.

Traum vom Bezirksbürgermeister blieb unerfüllt

Bei der Kommunalwahl 2016 tritt er als Spitzenkandidat für die CDU in der City West an. Sein Traum, für seine Partei das Amt des Bezirksbürgermeisters zu erobern, erfüllt sich nicht. Der Sozialdemokrat Reinhard Naumann macht das Rennen. Für Engelmann aber kein Grund, etwas an seiner von Kollegialität und dem Willen zu parteiübergreifender Kooperation geprägten Haltung zu ändern. Zu sehr war für ihn als Verwaltungsfachmann politisches Handeln immer zuerst an der Sache orientiert.

Packte gern auch selber mit an: Carsten Engelmann (l.) bei einer CDU-Pflanzaktion im April 2012 am Kudamm Ecke Uhlandstraße mit (v.l.)  Karsten Sell, Klaus-Dieter Gröhler, Cherubin Sell und Julius Gröhler
Packte gern auch selber mit an: Carsten Engelmann (l.) bei einer CDU-Pflanzaktion im April 2012 am Kudamm Ecke Uhlandstraße mit (v.l.) Karsten Sell, Klaus-Dieter Gröhler, Cherubin Sell und Julius Gröhler© Christian Hahn | Christian Hahn

Von Vorteil war für Engelmann, dass er im Rathaus Charlottenburg viele der Mitarbeiter persönlich kannte. „Er mochte die Menschen, und sie mochten ihn. Er war im besten Sinne des Wortes so etwas wie ein Menschenfänger, aber er ist immer auf dem Boden geblieben“, sagt Engelmanns Parteifreund und Stadtratskollege Arne Herz, der ihn nach seiner Erkrankung vor rund einem Jahr in seinem Amt vertrat. Er habe hinter dem gestanden, was er tat und viel Leidenschaft und Herzblut in seine Arbeit investiert. „Er war ein Mensch, dem ich vertraut habe, das ist ja nicht immer in der Politik so. Ich werde ihn sehr vermissen“, so Herz.

Auch mit Linken-Sozialsenatorin Elke Breitenbach hat Engelmann gut gekonnt, erzählt Herz, was aber nicht bedeutet habe, dass er in der Sache nicht auch streiten konnte, wenn er anderer Meinung war. Breitenbach bestätigt das: "Carsten Engelmann war ein sehr erfahrener und engagierter Berliner Sozialpolitiker. Wir haben immer gut zusammengearbeitet. Neben vielen Projekten in seinem Bezirk lag ihm auch die Arbeit der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo persönlich sehr am Herzen. Sein Engagement wird vielen Menschen in Charlottenburg-Wilmersdorf und über seinen Bezirk hinaus unvergessen bleiben. Sein früher Tod macht mich sehr betroffen.“

Offenes Ohr für Hilfsbedürftige

Thomas de Vachroi, der mit dem Stadtrat als erster Leiter der Flüchtlingsunterkunft im Rathaus Wilmersdorf eng zusammenarbeitete, erinnert sich an eine Geschichte, die typisch für Engelmann gewesen sei. „Wir hatten einmal zu später Stunde 20 Säuglinge mit ihren Müttern zu versorgen, aber weder Babynahrung, noch Windeln oder Milchflaschen. Ich rief ihn an, um einen Rat zu bekommen, wo wir diese notwendigen Dinge schnell herbekommen könnten. Alle Geschäfte waren schon geschlossen, aber er hat es innerhalb einer Stunde fertiggebracht, alles was nötig war, selbst ins Rathaus Wilmersdorf zu bringen."

Seine politische Heimat hatte Engelmann 1985 in der CDU gefunden. Er war Ortsvorsitzender und bis zuletzt stellvertretender Kreisvorsitzender. „Carsten Engelmann hinterlässt menschlich und politisch eine große Lücke“, so CDU-Kreischef und Generalsekretär der Landespartei, Stefan Evers.

Kondolenzschreiben des Bezirksamts und der Fraktionen

„Das Bezirksamtskollegium, die Bezirksverwaltung und die Bezirksverordnetenversammlung trauern um Carsten Engelmann, den menschlich und fachlich über die Parteigrenzen hinweg geschätzten Kollegen und Vorgesetzten. Sein früher Tod reißt eine schmerzliche Lücke. Wir werden ihn mit seiner den Menschen zugewandten Art sehr vermissen. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt der Familie, vor allem seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern", teilten Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und BVV-Vorsteherin Annegret Hansen (beide SPD) in der offiziellen Mitteilung des Rathauses mit.

"Die Fraktion und der Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen trauern um den Sozialstadtrat Herrn Carsten Engelmann. Er hat sich besonders für Senioren im Bezirk und für Personen, die Hilfe benötigten, eingesetzt. Lange Jahre war Herr Engelmann in der Bezirksverordnetenversammlung und in Vereinen engagiert für den Sport im Bezirk. Für seine ausgleichende Art war der CDU-Politiker über die Parteigrenzen hinaus anerkannt und von seinen Mitarbeiter*innen sehr geschätzt.", schrieben die Fraktionsvorsitzenden Dr. Petra Vandrey und Christoph Wapler.

Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus

Ein Kondolenzbuch liegt vom 22. bis 31. Januar in der Zeit von 9 bis 15 Uhr (donnerstags bis 18 Uhr) im Rathaus Charlottenburg, Raum 311 (3. Etage), Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin, aus.