Stadtentwicklung

Hochhaus-Pläne für Karstadt am Kurfürstendamm abgelehnt

Es wurden gleich fünf verschiedene Varianten einer möglichen Bebauung für die City West im Baukollegium vorgestellt.

Foto: KCAP

Berlin. Die Pläne des österreichischen Karstadt-Eigners René Benko für die City West sind gewaltig. Mit seinem Unternehmen Signa Real Estate will Benko aus dem 70er-Jahre -Warenhaus am Kurfürstendamm 231 und angrenzenden Gebäuden ein Stadtquartier mit drei Hochhaustürmen der Größenkategorie 100, 120 und 150 Meter machen. Am Montag stellte Signa-Vorstand Timo Herzberg die Pläne erstmals im Baukollegium von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vor. Und kassierte eine deutliche Absage: „Städtebaulich müssen wir sagen: so nicht“, sagte Lüscher nach der nicht öffentlichen Beratung des Kollegiums.

Zuvor hatte Signa vehement für das Projekt geworben. „Es ist in der Stadt ja bereits bekannt, dass wir uns von der Idee einer Shopping-Mall verabschiedet haben“, erläuterte Herzberg. Dieses Konzept, für das Signa bereits einen Bauvorbescheid hat, sah eine Bebauung des Areals zwischen Kurfürstendamm, Ranke- und Augsburger Straße mit einer Nutzung überwiegend als Einkaufscenter vor.

Laut derzeit noch gültigem Vorbescheid wäre damit eine Überbauung des Areals mit einer Geschossfläche von 115.000 Quadratmetern zulässig. Statt einer Bruttogeschossfläche von derzeit 85.000 Quadratmetern möchte Signa auf derselben Grundfläche nun jedoch bis zu 180.000 Quadratmeter auftürmen. Statt einer Mall will der Grundstückseigentümer ein Quartier mit der Nutzung Büro, Hotel, Handel, Gesundheit, Fitness, Kultur – und ein ganz klein wenig Wohnen entwickeln. Letztere Nutzung soll nach den Plänen der Entwickler jedoch nicht in einem der neuen Türme stattfinden, sondern im denkmalgeschützten Agrippina-Haus an der Rankestraße, das derzeit noch rein als Büro- und Gewerbegebäude dient.

Signa legte dem Baukollegium, einem Expertengremium aus sechs Architekten und Stadtplanern, das die Senatsbaudirektorin bei großen Bauvorhaben berät, am Montag gleich fünf verschiedene Varianten einer möglichen Bebauung vor – zwei davon mit drei Türmen, drei Varianten mit lediglich zwei Hochhäusern in verschiedenen Höhen.

Bauphase soll drei bis fünf Jahre dauern

Signa ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass ihr Favorit derjenige mit drei Türmen und einer Höhenstaffelung von 100, 120 und 150 Metern ist. Die Sockelgeschosse sollen in der üblichen Berliner Gebäudehöhe von 22 Metern entstehen. Auf dem Dach soll eine durchgängige öffentliche Terrasse die Türme miteinander verbinden. Eine knappe Milliarde Euro will Signa in das Projekt investieren. Die Bauphase soll drei bis fünf Jahre dauern.

Die städtebauliche Studie für das Bauvorhaben hat der niederländische Architekt und Professor für Architektur und Städtebau Kees Christiaanse vom Büro KCAP verfasst. Christiaanse ist in Deutschland vor allem für den Masterplan zur Hamburger Hafencity bekannt, nach dem seit 2008 und noch bis 2030 Wohnungen für 14.000 Menschen und 45.000 Arbeitsplätze auf einer Fläche von 155 Hektar auf dem Areal des ehemaligen Freihafens entstehen. Zudem ist er selbst Mitglied des Baukollegiums, ließ diese Funktion aber am Montag aber ruhen.

Sichtlich enttäuscht waren Architekt und Bauherr, dass das Projekt im Baukollegium durchfiel. „Ich hätte mir gewünscht, mit dem Gremium zusammen und im Dialog die Pläne weiter zu entwickeln“, sagte Christiaanse. Senatsbaudirektorin Lüscher erklärte ihm jedoch, dass dies nicht Aufgabe des Kollegiums sei. „Wir haben große Bedenken, ausgerechnet an diesem relativ intakten Block direkt am Kurfürstendamm mit Hochhäusern zu beginnen“, sagte sie. Sie habe nichts gegen Hochhäuser, betonte sie. Doch für solch eine Entwicklung sei eine Betrachtung der gesamten City West nötig. Für Hochhäuser braucht es nach Meinung des Kollegiums zudem eine politische Willensbildung. Für diese will Signa jetzt sorgen: „Wir geben uns nicht geschlagen", sagte Herzberg.

Ende für altes Karstadt-Gebäude absehbar

Egal, welche bauliche Variante - ob drei , zwei oder gar kein Hochhaus -- für das alte Karstadt-Gebäude ist das Ende absehbar. Signa will es abreißen. Karstadt soll aber am Ort bleiben, allerdings verkleinert. Heute verfügt es über rund 28.000 Quadratmeter. Künftig sollen es nur 20.000 Quadratmeter sein. Die Karstadt-Mitarbeiter habe man bereits Mitte des Jahres von dem beabsichtigten Abriss des Hauses informiert, sagte Herzberg. Die rund 200 Mitarbeiter könnten während der Bauphase in den anderen Berliner Filialen beschäftigt werden, so der Signa-Manager weiter.

Doch bis es tatsächlich so weit ist, dürfte es noch Jahre dauern. Die Diskussion um eine angemessene Weiterentwicklung am Kurfürstendamm hat gerade erst begonnen. Senatsbaudirektorin Lüscher kündigte für Ende nächsten Jahres den lange erwarteten Hochhausentwicklungsplan für Berlin an. Den hatte das Berliner Abgeordnetenhaus bereits im April 2017 beauftragt.

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