Stadtentwicklung

Noch mehr Türme für die City West

Der Karstadt-Eigentümer René Benko stellt seine Hochhaus-Pläne für den Kudamm vor. Auch andere Investoren wollen hoch hinaus.

Berlin. Gerade erst hat die Hamburger Newport Holding ihre Pläne für das neue Huthmacher-Haus am Hardenbergplatz offenbart: 95 statt bisher 60 Meter hoch soll das neue Hochhaus werden und den denkmalgeschützten Altbau von 1957 ersetzen.

Jetzt wagt sich auch der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko mit seiner Firma Signa aus der Deckung: Am kommenden Montag haben sich Vertreter des Unternehmens im Berliner Baukollegium angekündigt, dem Beratergremium von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Im Gepäck haben sie Pläne, die zeigen, was auf dem Areal des alten Karstadt-Warenhauses und den angrenzenden Grundstücken künftig stehen soll: zwei bis drei Hochhaustürme, mindestens 120 Meter, höchstens 150 Meter hoch.

Das künftige Baugrundstück erstreckt sich vom Kurfürstendamm 231 (Karstadt) bis zur angrenzenden Augsburger Straße und zur Rankestraße. Zu den spektakulären Plänen wollte sich am Montag noch niemand in der Wiener Signa-Konzernzentrale äußern. Tatsache ist aber, dass das Tochterunternehmen Signa Real Estate Berlin das niederländische Architekturbüro KCAP mit einer städtebaulichen Studie für das Areal beauftragt hat.

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Offenbar war bei der Signa in den vergangenen Monaten die Auffassung gereift, dass Berlin kein 70. Einkaufszentrum benötigt – zumindest nicht an dieser Stelle. Deshalb hatten die Österreicher bereits 2017 ihre Pläne, gemeinsam mit dem Berliner Shoppingcenter-König Harald Huth aus dem Karstadt am Kurfürstendamm unter Einbeziehung einiger Nachbargrundstücke eine riesige „Mall of Kudamm“ zu errichten, aufgegeben. Immerhin: Wie aus dem Umfeld des Projekts verlautete, soll die Karstadt-Filiale am Standort Kurfürstendamm erhalten bleiben. Ob in der bisherigen Größe, hat Signa allerdings ebenfalls noch nicht mitgeteilt.

„Die City West verträgt Nachverdichtung“

Das Unternehmen hat nun stattdessen unterschiedliche städtebauliche Varianten erarbeitet, die jeweils mindestens zwei, höchstens drei 120 bis 150 Meter hohe Hotel- und Gewerbetürme vorsehen, wie die „B.Z.“ am Montag zuerst berichtete. Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) bestätigte die Angaben. Und auch in der Händler- und Anwohnerinitiative „AG City“ sind die Bau-Absichten der Signa bereits bekannt – und finden dort generell Anklang. „Die City West verträgt Nachverdichtung“, so der Immobilienunternehmer und AG City-Vorstand Gottfried Kupsch. Besonders die Nutzungsmischung mit Büro und Hotel begrüßt Kupsch. „Es stärkt den Handel im Umfeld, wenn die Nachfrage aus der unmittelbaren Nachbarschaft kommt.“ Ein Workshopverfahren, das die AG City zur Weiterentwicklung des Areals zwischen Wittenbergplatz und Adenauerplatz beidseits des Kudamms initiiert hatte, hat ergeben, dass durch Nachverdichtung der derzeitigen baulichen Struktur ein Flächenzuwachs von rund 500.000 Quadratmeter Nutzfläche, hauptsächlich für Büros und Wohnen, in der Pipeline ist.

Nicht nur Signa und die Hamburger Newport Holding planen weitere Hochhäuser in der City West. Bereits bekannt ist auch die Absicht der Familie Pepper, denen auch das Europa-Center gehört, das alte Parkhaus an der Nürnberger Straße 67 abzureißen und dort ein Hochhaus zu errichten. Und das soll wunschgemäß „mindestens doppelt so hoch sein wie das 1965 von Karl Heinz Pepper errichtete Europa-Center “, hatte Center-Manager Uwe Timm der Berliner Morgenpost bereits vor einem Jahr verraten. Die Hochhaus-Scheibe aus Glas und Aluminium ist 103 Meter hoch. Die Familie Pepper habe deshalb den deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn gebeten, eine Vision für einen zweiten Turm am Europa-Center zu entwickeln. Nach dessen „Vision“ soll sogar ein 250 Meter hohes Gebäude in die Höhe sprießen.

Neue Fassade für das benachbarte Kudamm Eck

Gestritten wird auch immer noch um den 209-Meter-Turm direkt auf dem Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo. Den hatte der Architekt Christoph Langhof, der auch den benachbarten 119-Meter-Turm „Upper West“ entworfen und in jahrelangen zähen Verhandlungen schließlich durchgesetzt hat, bereits 2014 entworfen. Das Hochhausprojekt fand allerdings keine Zustimmung bei Senat und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Dennoch hat das Projekt weiter namhafte Unterstützer, weil auch die bisherigen Pläne des Bezirksamtes, die lediglich eine Neuordnung der Verkehrsfläche vorsehen, umstritten und bislang auch noch nicht realisiert sind.

Übrigens: Auch das Kudamm Eck direkt neben dem Karstadt-Warenhaus hat einen neuen Eigentümer, der umbauen möchte. Das von Gerkan, Marg und Partner (gmp) entworfene Gebäude, noch nicht einmal 20 Jahre alt, soll im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss umgebaut werden und eine neue Fassade erhalten. Auch diese Pläne sollen im Berliner Baukollegium am kommenden Montag beraten werden.