Bezirk stimmt dem Abriss des Gloria-Palastes zu

Die Häuser Kurfürstendamm 12-15 sind schon lange eingerüstet.

Die Häuser Kurfürstendamm 12-15 sind schon lange eingerüstet. Jetzt stimmt der Bezirk einem Abriss der denkmalgeschützten Fassade des Gloria-Palastes zu. Von Carolin Brühl Ein Kino ist das Gloria am Kudamm schon lange nicht mehr. Immerhin die Fassade war erhalten geblieben und kündete denkmalgeschützt von der großen Zeit der Kudamm-Kinos. Doch auch damit soll bald Schluss sein, wie Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) am Dienstagabend auf einer Veranstaltung des Vereins Kurfürstendamm im Hotel Kempinski sagte. Um die Häuser Kurfürstendamm 12-15 am Fuß des Upper West wird seit mehr als einem Jahr zwischen Bezirk und Bauherren gerungen.. Die beiden Eigentümergesellschaften, die Centrum Holding aus Düsseldorf und die Firma RFR aus Frankfurt am Main, denen auch der schneeweiße Hochhaus-Turm gehört, wollen die Häuserzeile abreißen lassen und einen Neubau errichten. Bislang stand diesen Plänen der Denkmalschutz im Weg. Denn sowohl die Fassade des Gloria am Kudamm 12, als auch der historische Altbau, Kudamm 15, gelten als erhaltenswert. Im Jugendstil-Ambiente des Hauses Nummer 15 hatte bis vor kurzem McDonalds eine Filiale. Dieses Baudenkmal gilt auch weiter als gesichert. Anders sieht es mit dem Gloria aus. Wie die Bauherren dem Bezirk versicherten, halte die Fassade des 1953 erbauten Kinos ihren Umbauwünschen nicht mehr stand.

Mit einer Vielzahl von Gutachten, die schon auf dem Tisch von Schruoffenegers Vorgänger Marc Schulte (SPD) gelandet waren, stellt der Investor die mangelnde Standfestigkeit der Fassade unter Beweis. „Es besteht Konsens darin, dass der Umbau wegen der schwachen Substanz aus den 50er- und 60er-Jahren schwierig sein wird“, erklärte seinerzeit schon Schulte.

Jetzt muss der Senat entscheiden

Am Dienstagabend bestätigte nun Schruoffeneger: "Mittlerweile ist es so, dass der Bezirk sich anhand von 20 technischen Gutachten, die alle zu dem Ergebnis kommen, diese alte denkmalgeschütze Fassade ist so nicht mehr zu retten, hat überzeugen lassen." Von daher würde der Bezirk jetzt einem Abrissantrag zustimmen. Die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks versuche jetzt das Einvernehmen mit der oberen Denkmalschutzbehörde des Landes herbeizuführen. "Das gestaltet sich etwas schwierig", so der Stadtrat. Letztendlich werde die Senatsverwaltung die Entscheidung treffen müssen. Im Haus von Klaus Lederer (Linke), zu dem der Landesdenkmalschutz nun gehört, gibt man sich in dieser Frage indes zugeknöpft. "Die Angelegenheit ist im Verfahren. Die Oberste Denkmalschutzbehörde hat zwei Woche Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Vorher können wir nichts sagen", sagt Julia Marg, Sprecherin der Senatskulturverwaltung. Schruoffeneger zufolge gab unterdessen auch eine Auseinandersetzung um die Neubauplanung. Der Investor habe zwischendurch überlegt, sich bei der Höhenentwicklung des Neubaus am Sockelgeschoss des Upper West zu orientieren. "Das fand der Bezirk aber nicht so richtig überzeugend", so der Grünen-Politiker. Im Moment scheine es so zu sein, dass es eine Neubauplanung gebe, die sich in der Höhe an dem umliegenden Bestand orientiert

Das Gloria-Kino

In dem Haus Kurfürstendamm 12, 1953 errichtet, befand sich der traditionsreiche Gloria-Palast. Er musste 1998 einem Bekleidungsgeschäft weichen. 2012 stellte auch das „Hotel Boulevard“ seinen Betrieb dort ein. Den ersten Standort des Kinos, das 1926 eröffnet worden war und in dem Filmklassiker wie „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich uraufgeführt worden waren, im Romanischen Haus (heute Europa Center) zerstörten Bomben im Zweiten Weltkrieg. In dem Altbau Kurfürstendamm 15, einem Baudenkmal von 1889, wo bis vor einem halben Jahr McDonalds Hamburger briet, befand sich von 1917 bis 1986 „Mampes Gute Stube“. Wie die Gedenktafel für den Schriftsteller Joseph Roth (1894–1939) ausweist, war es das Lieblingslokal des Schriftstellers. Er schrieb dort im Jahr 1932 seinen Roman "Radetzkymarsch".