Gastronomie

Robert Herr verlässt das „Hotel Intercontinental Berlin“

In zwei Wochen wird Robert Herr das Fünf-Sterne-Haus in Tiergarten verlassen. Nachfolger wird der Niederländer Aernout De Jong.

Der noch amtierende „Interconti“-Direktor Robert Herr

Der noch amtierende „Interconti“-Direktor Robert Herr

Foto: Krauthoefer

Gestartet ist er morgens stets dort. Robert Herr steht im 14. Stock des „Hotel Intercontinental“ und zeigt aus dem Fenster Richtung City West. Dorthin, wo sich hinter „Waldorf Astoria“ und Bikini Berlin entfernt der Schlosspark Charlottenburg erahnen lässt. „Das Stadtbild hat sich ganz schön verändert in den letzten fünf Jahren“, sagt Robert Herr. Dann führt er von Fenster und Fahrstühlen um die Ecke der Etage. Dorthin, wo das „Hugos“ liegt. Drei Handwerker kommen Herr entgegen. „Ja, und hier wird gerade verschönert“, sagt Robert Herr, grinst und deutet auf das neue, nun in Achateiche gehaltene Parkett. „Schade nur, dass ich das Gesamtergebnis gar nicht mehr genießen kann“, sagt der 45-Jährige.

Robert Herr wird das „Hotel Intercontinental Berlin“ verlassen. Sein letzter offizieller Arbeitstag wird der 31. August sein, der letzte inoffizielle schon eine Woche zuvor. Übernehmen soll der Niederländer Aernout De Jong, derzeit Direktor des „Crowne Plaza Amsterdam“. „Man hat einen anderen Job an mich herangetragen“, sagt Robert Herr. In Beirut soll er für die Häuser der IntercontinentalHotels Group (IHG) in Nahost, das „Phoenicia Beirut“ und das „Le Vendome Beirut“, zuständig sein. Seit 23 Jahren arbeitet Herr für die nach Zimmern größte Hotelkette der Welt mit Sitz bei London. Stationen führten ihn bereits nach Paris, New York, Wien und Prag, bevor er das Flaggschiff in der deutschen Hauptstadt übernommen und das Erbe des heutigen Präsidenten des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes, Willy Weiland, angetreten hat.

Kein leichtes. Rund 20 Jahre hatte Weiland das Haus an der Budapester Straße geführt. Unter anderem Veranstaltungen wie der Bundespresseball, die After-Talkshow-Partys von Sabine Christiansen, Gäste wie den damals amtierenden US-Präsidenten Bill Clinton, sowie Gerhard Schröder, Jacques Chirac hatten das Hotel in Tiergarten zur ersten Adresse für Politik und Prominenz nach Mauerfall werden lassen.

Herr durfte sich fast direkt nach seiner Ankunft mit der „Dorint“-Affäre, neu wachsender Konkurrenz in nächster Nachbarschaft wie dem „25hours Hotel Berlin“, dem „Waldorf Astoria Berlin“, dem „Das Stue“ und dem „Hotel am Steinplatz“ sowie fehlend schmückenden VIP-Gästen beschäftigen. Er stand gerade für anderer Autoritäten Entscheidungen. Barack Obama entschied sich bei seinem Berlin-Besuch 2012 für das „Ritz-Carlton“, trotz guter Erfahrungen seines Vorgängers im „Interconti“, auch Queen Elizabeth II. bei ihrer Visite in diesem Jahr logierte lieber im „Adlon“ als an der Budapester Straße. Obwohl die IHG so „very british“ ist. Zimmerpreise von teils unter 100 Euro für sein Haus sowie der Verlust seines Sternekochs im „Hugos“, Thomas Kammeier im Juni dieses Jahres, sorgten für Kritik.

Für einen Großteil dieser lässt sich Herr nicht verantworten. „Wir mussten das Haus neu positionieren“, sagt er. Berlin in den letzten fünf Jahren sei eine der herausforderndsten Zeiten seiner Karriere gewesen. „Ich wurde hier ins kalte Wasser geworfen“, sagt er. 76 Prozent habe er schließlich aus der einstigen Jahresbelegung von 65 Prozent gemacht. Ein Erfolg. „Ich gehe mit einem guten Gewissen“, sagt Robert Herr. Und dass ihm Berlin unheimlich viel Spaß gemacht habe.

Seine Laufstrecke, dort, wo er morgens stets den Tag beginnt, liegt künftig an der Corniche statt in Charlottenburg. „Es ist jetzt an der Zeit für mich selbst, neu zu starten“, sagt Robert Herr.