Wilmersdorfs ältestes Haus, das Schoelerschlösschen an der Wilhelmsaue 126, soll ein soziokulturelles Zentrum werden. Mit einem kleinen Tagescafe und kulturellen Angeboten am Abend sowie eine Betreuung für demenzkranke Menschen, die ein freier Träger anbieten würde. Auch die Geschichte Wilmersdorfs soll dokumentiert werden. Außerdem soll im Schoelerschlösschen künftig auch geheiratet werden können. Die Räume sollen aber nicht dauerhaft mit einer Nutzung belegt sein, sondern möglichst vielfältig in Anspruch genommen werden – auch mit Lesungen, Konzerten, Diskussionen.
Das sind einige der Ideen, mit denen das Bezirksamt wieder Leben in das seit mehr als elf Jahren leer stehende Denkmal bringen will. Geld für den noch fehlenden Innenausbau des Hauses erhofft sich Charlottenburg-Wilmersdorf durch die Lotto Stiftung Berlin. Die Bausumme wird auf rund drei Millionen Euro geschätzt. Das Haus sieht zwar hübsch aus, doch im Innern ist es eine Baustelle.
Eigentlich wollte die Stiftung Denkmalschutz das Haus kulturell bis 2026 nutzen und hatte mit dem Bezirksamt auch einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Doch das Projekt scheiterte. Vor gut einem Jahr gab die Stiftung, die Pläne für eine Bibliothek mit den Büchern von Johannes Rau und einem Roncalli-Café hatte, das Haus an den Bezirk zurück.
Von außen schön, von innen eine Baustelle
Schon die Außensanierung war mit jahrelangen Denkmalstreitigkeiten verbunden gewesen. Außerdem hatte die Stiftung auch die Kosten für die Innensanierung mit Werbung am Baugerüst finanzieren wollen. „Doch das war politisch nicht mehr gewünscht. So sieht das Haus zwar von außen schön aus, aber innen ist es noch immer eine Baustelle“, sagte die für bezirkseigene Immobilien zuständige Stadträtin Dagmar König (CDU). Die Bezeichnung Schloss sei zwar etwas irreführend, aber es sei eines von zwei Bürgerhäusern des Barocks in Berlin, das in seinen Grundrissen noch erhalten sei. Das andere ist die Villa Hildebrand in Pankow.
Sollte der Lotto-Antrag, den der Bezirk gestellt hat, befürwortet werden, rechnet der Bezirk mit einer Bauzeit von bis zu zwei Jahren. Auch Kulturamtsleiterin Elke von der Lieth begrüßt es, dass der historische Ortskern von Wilmersdorf mit dem Schoelerschlösschen gestärkt werden soll: „Das Rathaus Wilmersdorf wurde aufgegeben, deshalb steigt der Dorfkern in seiner Bedeutung auch für die kulturelle Identität.“
Nur auf die Historie zurückzuschauen, sei nicht Ziel. Das Haus soll generationsübergreifend zum Treffpunkt werden und offen sein für eine aktive Nachbarschaft. Anwohner bezweifelten allerdings bereits, dass es wegen der knappen Parkplätze eine gute Idee sei, dort einen Trauort zu schaffen. Außerdem fehle bei diesem gemischten Angebot der rote Faden, den das Haus brauche.





