Es ist der 406. Laden weltweit, der 81. in Europa, der elfte in Deutschland und der erste in Berlin: Der Apple Store am Kurfürstendamm 26, dort, wo bis zum April 2000 die traditionsreiche Filmbühne Wien ihr Publikum anlockte, eröffnet am Freitag um 17 Uhr.
Bereits seit Monaten gab es Gerüchte darüber, wann der Apple-Konzern in der Hauptstadt seinen ersten eigenen Laden startet. Es gehört zur Firmenphilosophie, dies bis zum Schluss geheim zu halten. Noch bis vor Kurzem verdeckten schwarze Planen den Blick ins Innere des denkmalgeschützten Hauses.
Doch jetzt hat das Rätselraten ein Ende. Am Donnerstag gibt es für Journalisten eine Vorbesichtigung des ersten Apple Stores in Berlin. Sogar die Fans warten schon vor der Tür. Sie wollen die Nacht am Kudamm verbringen, um am Freitag die ersten Kunden zu sein.
Apple-Mitarbeiter sprechen 18 Sprachen
Die Vorführung für die Medienvertreter erinnert ein bisschen an Weihnachten. Alles ist perfekt vorbereitet. Verkäufer stehen an den Tischen, auf denen die 250 unterschiedlichen Apple-Produkte aufgebaut sind – iPhones, iPads, Mac Books, iMacs.
Ausgesprochen freundlich begrüßen die Mitarbeiter jeden Gast. An ihrer „Dienstkleidung“, einem leuchtend blauen Shirt mit einem weißem Apfel, sind sie sofort zu erkennen. Apple-Vizepräsident Steve Cano ist aus Kalifornien angereist, erläutert den Medien in aller Kürze das Konzept des neuen Ladens.
Mehr als 200 Angestellte, mehr als in jedem anderen Apple-Laden in Deutschland, gebe es am Kurfürstendamm. „Es sind Lehrer, Künstler, Musiker, die wir in unseren Geschäften in Deutschland, Europa und einige auch in Amerika gut ausgebildet haben“, sagt er. Sie sprechen 18 Sprachen, nicht nur Englisch, Französisch, Spanisch oder Russisch, auch Chinesisch, Bulgarisch und die Gebärdensprache wird beherrscht.
Tempelähnliche Außenfassade und minimalistische Einrichtung
Für den Berliner Laden hat sich das Apple-Unternehmen eine Immobilie mit Tradition ausgesucht. Das Baudenkmal wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Es wurde als eines der ersten reinen Lichtspielhäuser in Berlin errichtet. Nach der Aufgabe des Kinobetriebs und dem ersten Umbau diente es nur Zwischennutzungen. Zuletzt wurden in den exklusiven hohen Räumlichkeiten Werke von Salvador Dalí gezeigt.
In zweijähriger Umbauzeit hat Apple das Innenleben des Hauses seinen Anforderungen angepasst. Der untere Verkaufsbereich wurde dazu komplett entkernt. Die Wände erinnern mit ihren Steinplatten an die tempelähnliche Außenfassade. Holztische aus Eiche bestimmen die minimalistische Einrichtung, bei der die Produkte die Hauptrolle spielen. In einem Extrabereich werden die Kunden unterrichtet, wie die Produkte benutzt werden.
Außerdem gibt es dort auch für jeden Apple-Kunden technische Hilfe. Workshops, Events für Kinder, auch für Schulklassen, für Geschäftsleute – all das soll im neuen Apple Store stattfinden. Besonders stolz ist Vizepräsident Cano auf den oberen Store-Bereich. Er sei in dieser Art einzigartig. Dort will Apple wieder Filme zeigen und zu Veranstaltungen einladen. Viele Events sollen kostenfrei sein. Für mehr als 200 Menschen ist dort Platz.
Die ganze Nacht warten auf die Eröffnung des Apple-Store
Um an einer der Veranstaltungen teilnehmen zu können, muss man sich auf der Website anmelden. Am kommenden Sonnabend beispielsweise wird Passenger im Apple Store erwartet, der Songs aus seinem aktuellen Hitalbum vorstellt. Am Montag wird dann der Regisseur des beim Deutschen Filmpreis mit gleich sechs Lolas ausgezeichneten „Oh Boy“, Jan-Ole Gerster, berichten, wie der Spielfilm entstand.
Doch bevor das Programm im Innern startet, müssen die Fans draußen warten. Die Ersten, die am Donnerstag um sechs Uhr früh ihre Klappstühle unter dem Apple-Logo aufgestellt haben und dort auch die Nacht verbringen wollen, sind Christian Henkel (52), selbstständiger IT-Berater für Apple-Produkte aus Friedenau, und sein Freund Oliver Wieczorek (43) aus Lichterfelde-West, der als Netzwerkadministrator für ein Berliner Unternehmen arbeitet.
Schon von Berufs wegen interessieren sie sich für Computer. „An Apple begeistert uns das Gesamtpaket, die perfekte Fusion aus Design und Bedienbarkeit“, erläutert Henkel seine Vorliebe.
Oliver Schlicht (42) aus Konradshöhe, der ebenfalls schon einen Blick ins Innere des Stores geworfen hat, ist erstaunt, wie sich sein Kino aus der Jugendzeit verändert hat: „Es ist wirklich schön geworden. Und man darf nicht unterschätzen, was Apple für die Zukunft des Kurfürstendamms bedeutet.“
Gravis am Ernst-Reuter-Platz, nach eigener Auskunft größter deutscher Händler von Mac, iPad & Co., demonstriert derweil Gelassenheit und will die vor dem Apple Store Schlange stehenden Menschen mit kostenlosen Lunchpaketen versorgen.



