Der Kudamm soll blühen – dieses Motto will die Arbeitsgemeinschaft City noch in diesem Jahr umsetzen. Sie hat deshalb Studenten des Instituts für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Technischen Universität gebeten, sich um die Bepflanzung des Kurfürstendamms Gedanken zu machen. Der Boulevard war im vergangenen Sommer zum ersten Mal nicht mehr bepflanzt worden. Aus Kostengründen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte sogar die alten grauen Betonkübel vom Mittelstreifen abräumen lassen.
Als Zwischenlösung wollte Stadtrat Marc Schulte (SPD) Buddy Bären auf die Promenade stellen, was eine heftige Debatte auslöste. Kritiker empörten sich über das Vorhaben und nannten es eine Geschmacksverirrung. Da die vom Bezirk angeschriebenen Bundesländer kein Geld für die Anschaffung eines Buddy Bären zur Verfügung stellten, blieb der Boulevard 2012 ohne Blumen. „Das soll in diesem Jahr anders werden“, kündigt Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City, an. Am Dienstag präsentierten die angehenden Landschaftsarchitekten, die kurz vor dem Ende ihres Masterstudiengangs sind, ihre Entwürfe. Elf insgesamt.
300 Euro pro Saison
Die AG City will sich als erstes auf den Abschnitt des Kurfürstendamms zwischen Leibniz- und Knesebeckstraße konzentrieren. „Dort sind die Top-Läden. Insgesamt 88 auf beiden Seiten“, sagt Kupsch. Allerdings müssten die Laden-Inhaber noch überzeugt werden. Sie sollen für die Anschaffungskosten und auch für die Pflege aufkommen. Kupsch schätzt, dass je Pflanzgefäß etwa rund 3000 Euro fällig werden können. Die Studenten haben auch günstigere Varianten geplant. Im Gegenzug dürften die Läden ihr Logo platzieren.
Auch eine Firma, die sich um die Bepflanzung kümmert, hat die AG City bereits im Boot. Ausgesucht wurde dafür die City Gärtnerei, die ihren Sitz an der Otto-Suhr-Allee hat. „Sie ist auf solche Bepflanzungen spezialisiert. Ich schätze, dass für jede Bepflanzung pro Saison etwa 300 Euro fällig werden“, sagt Kupsch. Auf die Dauer sei es „unerträglich“, wenn der Kurfürstendamm als Aushängeschild Berlins unbepflanzt bleibe.
Eleganz und Schlichtheit
Nach mehreren Runden, in denen die Entwürfe besprochen wurden, kürte die Jury schließlich vier der elf Entwürfe. Sie hatten am besten den Ansprüchen genügt, dass die neuen Pflanzgefäße für den Kurfürstendamm etwas ganz Besonderes darstellen sollen. „Es muss etwas sein, was noch niemand hat. Sie sollten ein Alleinstellungsmerkmal haben, außerdem natürlich auch Eleganz ausstrahlen“, sagt Cordula Loidl-Reisch, die den studentischen Wettbewerb betreuende Professorin für Landschaftsbau und Objektbau. Dort lernen die TU-Studenten im Detail zu entwerfen.
Ein ganzes Semester haben sich die Studenten mit der Aufgabe befasst, ein neues Pflanzgefäß zu entwickeln, das den Kudamm repräsentiert und als Aushängeschild fungieren kann. Die nur wenige Zentimeter großen Modelle sollen jetzt als Prototypen gebaut werden. Gewonnen haben die Modelle „Twist“, Discus, Pret-a-Porter und Vannerie.
Vorgaben bezüglich Form oder Material gab es nicht. Die Studenten waren frei in ihrer Wahl. Für Professorin Loidl-Reisch, die aus Wien stammt, war es aber auch noch wichtig, dass die Gefäße neben einer gewissen Eleganz auch noch Witz oder Humor ausstrahlen sollten: „Schließlich stehen sie in Berlin.“ Es sollte auf jeden Fall etwas sein, was noch niemand hat.
Zudem muss es dem anspruchsvollen Klientel der Kudamm-Läden und deren Kundschaft gerecht werden. Keine leichte Aufgabe also. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Händler vor ihren zumeist edel ausgestatteten Läden auch nicht zu sehr von der Ware ablenken wollen. „Die Kübel sollen zwar elegant sein, aber die Händler wollen möglichst etwas Neutrales, während wir auch von den sehr kreativen Entwürfen fasziniert sind“, sagte Kupsch.
Neue Möblierung für das Neue Kranzler Eck
Die Entwürfe der angehenden Landschaftsarchitekten für die Pflanzgefäße auf dem Kurfürstendamm, die gewonnen haben, sind sehr unterschiedlich. Bei „Twix“ handelt es sich um ein edles Gefäß aus Messing, „Discus“ sind quadratische Scheiben, „Pret-a-Porter“ besteht aus gekanteten Messingplatten und „Vannerie“ (Korbgeflecht) sind geflochtene Metallbänder unterschiedlicher Farbe.
„Wir finden die Initiative gut. Nach zehn Jahren können wir uns auch für das Neue Kranzler Eck eine neue Möblierung vorstellen“, sagte Centermanagerin Viola Krecker, die sich im Vorstand der AG City engagiert und mit in der achtköpfigen Jury saß. Henning Hausmann, Prokurist der Immobilienfirma Bauwert, unterstützt die Aktion ebenfalls: „Der Kurfürstendamm braucht wieder eine Bepflanzung. Als Kudamm-Anrainer und Investor gerade in der City West wollen wir uns auch finanziell beteiligen.“
Angesichts der klammen öffentlichen Kassen müssten möglichst viele mitmachen. Auch Stadtrat Marc Schulte (SPD) will dafür sorgen, dass der Kudamm wieder blüht. Er hat im Herbst Tulpenzwiebeln in die Erde auf dem Mittelstreifen gesteckt. Zudem würden neue Hochbeete angelegt. Ermöglicht wird das mit 400.000 Euro aus der Senatsverwaltung. Der Kudamm könnte in diesem Jahr also gleich doppelt blühen.




