Aus für Traditionslokal

Restaurant im Grunewaldturm schließt

Der Grunewaldturm, eines der beliebtesten Ausflugsziele der Berliner, ist bereits seit Herbst 2007 aus Sicherheitsgründen gesperrt. Jetzt schließt auch noch das Restaurant. Grund: Pächter Thomas Bode, der 23 Jahre lang das Ausflugsziel an der Havelchaussee 61 gastronomisch managte, ist vor kurzem 49-jährig verstorben.

Foto: susanne / Bildagentur Huber

Die Erbengemeinschaft regelt derzeit den Nachlass. Sie muss das Restaurant zum 30. Juni besenrein übergeben. Am Sonntag soll das Restaurant letztmalig mit der alten Mannschaft öffnen - ab 10 Uhr (Tel. 300 07 30). Die Erben führen auch Gespräche mit dem Nachfolge-Pächter. Dabei handelt es sich um Björn Hansow (32), der als selbstständiger Koch arbeitet. Er will die Restauration des Grunewaldturms mit seinem Partner Maximilian Gebuhr übernehmen.

Die Berliner Forsten hatten bereits 2007 ein Interessenbekundungsverfahren für die Bewirtschaftung des Grunewaldturms ausgelobt. Auch der langjährige Pächter Thomas Bode, dessen Vertrag nach Auskunft der Berliner Forsten auslief, hatte sich daran beteiligt. "Wir wollten nach mehr als 20 Jahren den Markt erkunden. Das Ambiente war nicht mehr zeitgemäß", sagte Bernd Bräuer, Referatsleiter in der Forstverwaltung.

Das Konzept des neuen Pächters habe die Berliner Forsten überzeugt, weil es eine Mischung aus rustikalem Biergarten für die Wanderer und gehobener Gastronomie in einer Weinstube im Turmgewölbe beinhalte.

Da sich die Erbengemeinschaft mit dem Nachfolger allerdings über den Preis für die Übernahme der Einrichtung nicht einig geworden sei, werde nun alles rausgeräumt, sagte gestern der Neffe des Verstorbenen, Oliver Meyer. Ein Entsorgungsunternehmen werde das Mobiliar teils verkaufen, teils entsorgen und den Rest einlagern. Das Personal werde zu Ende Juli gekündigt. Offene Verbindlichkeiten trage die Erbengemeinschaft.

Ein Koch und zwei Kellner halten den Betrieb aufrecht. Robert Bauer (34), seit zehn Jahren Koch im Grunewaldturm, Kerstin Ciborowski (45), seit fünf Jahren Kellnerin dort, und ihr Kollege Milko Dontschev (39), der seit neun Jahren im Grunewaldturm arbeitet.

"Wir hätten uns gewünscht, dass die Erben oder wir selbst weitermachen dürfen. Von dem Interessenbekundungsverfahren wussten wir aber leider nichts. Vielleicht haben wir ja noch eine Chance, falls der neue Pächter abspringt", sagt Bauer. Vorerst bleibe ihnen nichts anderes übrig, als sich arbeitslos zu melden. "Man muss aufpassen, keinen zweiten Müggelturm in der Stadt zu haben", warnt Bauer.

Die Restaurants am Müggelturm waren 2002 wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Jahre vergeblicher Bemühungen von Behörden und Bewerbern vergingen, bevor der Liegenschaftsfonds das 5400 Quadratmeter große Gelände mit dem 29 Meter hohen Turm Ende vergangenen Jahres an einen Krefelder Investor verkaufte, der von 2009 an dort wieder Ausflugsgastronomie anbieten will.

Wann der Grunewaldturm saniert wird, steht in den Sternen. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist ein Gutachter beauftragt. Von seinem Urteil hänge der Zeit- und Kostenplan ab, so Marko Rosteck, Sprecher von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).