Der Ausbruch der Vogelgrippe in Brandenburg versetzt auch Berlin in Alarmbereitschaft. Im Stadtgebiet wurden bis Freitagnachmittag 16 verendete Vögel gemeldet, teilte eine Sprecherin der für Seuchenschutz zuständigen Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz der Berliner Morgenpost auf Anfrage mit. Zwei verendete Kraniche seien bereits am Donnerstag positiv auf Vogelgrippe getestet worden.
„Damit haben wir zwei Verdachtsfälle“, so die Sprecherin. Einer davon sei in Marzahn-Hellersdorf entdeckt worden. Ein weiterer Kranich-Kadaver wurde im Pankower Ortsteil Buch gemeldet.
Mittlerweile hat das Friedrich-Loeffler-Institut die beiden Fälle bestätigt, wie die Senatsverwaltung für Justiz am Sonnabend mitteilte. Nun ist es Aufgabe des Bezirks, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Bei 14 weiteren Vögel laufe aktuell die Untersuchung. Dabei handele es sich nicht ausschließlich um Kraniche, auch mindestens ein Schwan sei darunter, sagte eine Sprecherin am Freitag.
Vogelgrippe: Zoo und Tierpark bringen Tiere in Winterquartier
Auch der Zoo und der Berliner Tierpark reagierten auf die Meldungen und ergriffen aus eigenem Antrieb vorsorgliche Maßnahmen zum Schutz der Tierbestände. „Um das Risiko einer Einschleppung zu minimieren, werden die besonders empfänglichen Vogelarten nun vorzeitig in ihre Winterquartiere gebracht“, sagte eine Sprecherin von Zoo und Tierpark weiter. Ursprünglich sei der Umzug in die Winterquartiere in zwei Wochen geplant gewesen.
Im Tierpark sind es demnach insbesondere Pelikane sowie Gänse, Enten und Hühner, die vorzeitig in die Winterquartiere gebracht werden. Im Zoo betrifft dies unter anderem Pelikane, die Vögel des Sumpfvogelpanoramas, weitere Enten, Perlhühner und Schwäne. „Alle Mitarbeitenden sind für die aktuelle Situation sensibilisiert und die betroffenen Tierbereiche wurden besonders gesichert. Der Schutz unserer Tiere hat die oberste Priorität“, erklärte Tierpark-Kurator Matthias Papies.
Wegen eines Vogelgrippe-Falls war der Zoo 2022 von November an für mehrere Wochen geschlossen. Die aktuelle Vogelgrippe-Welle hat aber keine Auswirkungen auf die Öffnungszeiten von Zoo und Tierpark. „Für Gäste bestehen derzeit keinerlei Einschränkungen.“ Auch der Bereich „Welt der Vögel“ im Zoo bleibe offen. Nur die Flugshow im Tierpark entfalle aus Vorsicht bis auf Weiteres.
Volieren im Tierheim Berlin werden mit Folie abgedeckt
Das Tierheim Berlin schickte seine Hühner zum Schutz bereits am Donnerstag alle in den Stall, wie Tierheimsprecher Daniel Zellmer der Deutschen Presse-Agentur sagte. Es handle sich um etwa fünf, sechs Tiere.
Zusätzlich würden die Vogelvolieren oben mit Folien abgedeckt. Das soll zum Beispiel verhindern, dass Federn von Wildvögeln ins Gehege gelangen. „Wir sind auf der Hut“, sagte Zellmer. Der Vogelbereich werde gerade umgebaut. Neu ankommende Vögel würden für zwei Wochen isoliert und durchgecheckt, bevor sie zu den anderen Tieren gelassen würden.
Papageien, Wellensittiche oder ähnliche Haustiere werden nach wie vor aufgenommen, Wildvögel aber nicht, zurzeit auch keine Tauben, so Zellmer. Im Unterschied zu Wasser-, Raben- oder Greifvögeln gelten kleinere Singvögel und Tauben als nicht besonders anfällig für den Vogelgrippe-Erreger, wie die Verbraucherschutzverwaltung informiert.
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Tausende Kraniche in Brandenburg gestorben
Bei dem Vogelgrippe-Ausbruch in Brandenburg sind bisher tausende Vögel gestorben. Zunächst waren hunderte tote Kraniche in Fehrbellin im Nordwesten Brandenburgs entdeckt worden. Nach Behörden-Schätzung sind insgesamt mehr als 1000 Kraniche in Brandenburg an der Vogelgrippe gestorben. Betroffen ist vor allem ein Rastgebiet an der Linumer Teichlandschaft bei Fehrbellin (Kreis Ostprignitz-Ruppin). Die Zahl könnte allerdings rasant steigen. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) geht davon aus, dass im Kreis Ostprignitz-Ruppin eine fünfstellige Zahl von Vögeln sterben könnte, wie er dem RBB sagte.
Aufgrund des Ausbruchsgeschehens gebe es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass infizierte Vögel das Virus auch nach Berlin weitertragen, erklärte die Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung. Man beobachte die Lage weiter. „Noch sind wir aber nicht in der Situation, dass wir Schutzmaßnahmen ergreifen müssen.“
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Berliner Wildtierreferent: Berlin nur am Rande betroffen
Der Berliner Wildtierreferent Derk Ehlert erklärte auf Anfrage dieser Redaktion, dass Berlin zwar in Alarmbereitschaft, aber bisher von dem Ausbruch nur am Rande betroffen sei. „In Berlin gibt es nur wenige große Rastplätze für Kraniche“, sagte er. Diese befänden sich im Norden Pankows, am Lietzengraben und an der Moorlinse Buch, wo einer der toten Kraniche gemeldet wurde. Dieses Gebiet liege in der Hauptzugrichtung der Vögel auf dem Weg von Ost nach West.
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Dass der Ausbruch vor allem bei den Kranichen so schwerwiegend sei, könne mehrere Gründe haben, erklärte Ehlert. Einerseits sei die Vogelart für das aktuelle Virus offenbar besonders empfänglich. „Die Vogelgrippe ist vergleichbar mit dem Coronavirus beim Menschen“, so der Wildtierreferent. „Die Viren können sich verändern und mutieren.“ Andererseits seien die hohen Infektionszahlen bei den Kranichen möglicherweise auch der Saison geschuldet. „Momentan ist Zugzeit, da sitzen die Vögel dicht beieinander, das verstärkt das Infektionsrisiko.“
Außerdem seien Kraniche große Tiere, die leicht gefunden werden können. Allerdings seien nicht nur Kraniche, sondern alle Vogelarten gefährdet. Möglich sei, dass auch kleine tote Vögel noch gefunden werden. Es sei jedenfalls wichtig, die toten Vogelkadaver zeitnah einzusammeln, damit sich nicht weitere, Aas fressende Vögel, an den Kadavern anstecken.

In Brandenburg gestaltete sich der Einsatz der Helfer gegen die Vogelgrippe derweil schwierig. „Es wird problematischer, weil wir jetzt schwer zugänglichere Gebiete haben“, sagte der Artenschützer Norbert Schneeweiß der dpa. Ein kleines Team von fünf bis zehn Helfern sei im Einsatz, das nun mehr und tiefere Gewässer im Linumer Teichgebiet absuchen müsse.
„Wir sind immer noch von sterbenden Tieren umgeben“, sagte Schneeweiß, der seit Jahren den Kranichschutz organisiert. Die Helfer, die seit Tagen im Einsatz sind, seien „von oben bis unten in voller Montur.“ Sie können nur in Schutzkleidung in die betroffenen Gebiete im Kreis Ostprignitz-Ruppin und müssen sich desinfizieren. „Es ist dramatisch für die Kraniche. Aber an den Helfern geht es auch nicht spurlos vorbei.“
Auf dem Spargelhof Kremmen – rund 45 Minuten von Berlin entfernt im Oberhavel-Kreis – mussten 5.000 Gänse getötet werden, nachdem ein infizierter Kranich mitten in die Herde gestürzt war. Neben Brandenburg sind mittlerweile auch Fälle von infizierten Kranichen aus Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bestätigt.
Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, ist hochansteckend und nimmt bei vielen Vogelarten rasch einen tödlichen Verlauf. Für den Menschen ist die Infektion laut Experten ungefährlich. Ansteckungen sind zwar möglich, aber selten und meistens mit nur milden Symptomen verbunden. Dennoch sollte der Kontakt zu toten Vögeln in jedem Fall vermieden werden.
Mit dpa





