Der Einsatz zur Bekämpfung der Vogelgrippe im Linumer Teichgebiet, in dem zahlreiche tote Kraniche entdeckt wurden, gestaltet sich immer schwieriger. „Es wird problematischer, weil wir jetzt schwer zugänglichere Gebiete haben“, sagte Norbert Schneeweiß, Leiter des Artenschutzzentrums Rhinluch. Ein kleines Team von fünf bis zehn Helfern durchsucht mittlerweile auch mehr und tiefere Gewässer, zum Teil mit Unterstützung einer Drohne.
„Wir sind immer noch von sterbenden Tieren umgeben“, sagte Schneeweiß, der seit Jahren den Kranichschutz organisiert. Die Helfer, die seit Tagen im Einsatz sind, seien „von oben bis unten in voller Montur.“ Sie können nur in Schutzkleidung in die betroffenen Gebiete im Kreis Ostprignitz-Ruppin und müssen sich desinfizieren. „Es ist dramatisch für die Kraniche. Aber an den Helfern geht es auch nicht spurlos vorbei.“
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Vogelgrippe: Land Brandenburg prüft Krisenfall
Der Artenschützer forderte mehr Unterstützung beispielsweise von der Feuerwehr. „Jetzt geht es wirklich um ein Massensterben. Wir brauchen professionelle Unterstützung.“ Radio Eins vom RBB sagte Schneeweiß zuvor: „Das kann nicht der Naturfreund in seiner Freizeit machen.“ Auch der Bürgermeister von Fehrbellin im Nordwesten Brandenburgs, Mathias Perschall (SPD), hofft auf mehr Unterstützung beispielsweise vom Technischen Hilfswerk.
Nun reagiert die Agrar- und Umweltministerin. Laut Hanka Mittelstädt (SPD) prüft das Land Brandenburg derzeit, ob ein Krisenfall ausgerufen wird und das Technische Hilfswerk zum Einsatz kommen kann. „Ich denke, wenn wir wirklich flächendeckend, auch deutschlandweit flächendeckend, diese Seuchenlage haben (...), dann werden wir da zugreifen müssen“, sagte sie Radio eins vom RBB. Sie verwies auf frühere Krisen wie bei der Maul- und Klauenseuche und der Afrikanischen Schweinepest.
Die Ministerin rechnet mit einer Verschärfung der Situation. Sie sagte: „Wir sind erst beim Beginn und das heißt, wenn die Temperaturen runtergehen, dann wird die Seuchenlage sich noch deutlich verschärfen (...).“ Bislang werde das Technische Hilfswerk (THW) nicht eingesetzt zur Bewältigung der Vogelgrippe, weil dazu der Krisenfall ausgesprochen werden müsse, sagte Mittelstädt.
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Landrat meldet beim Land Hilfe an
Mittlerweile forderte der Landkreis Ostprignitz-Ruppin zusätzliche Hilfe beim Land an. „Wir haben zwischen 60 und 100 Kräfte beim Land angemeldet“, sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD). Sie sollen beim Einsammeln der Kadaver im Linum Teichland unterstützen. Bislang sind dort vor allem freiwillige Helfer im Einsatz.
Landrat Reinhardt rechnet damit, dass die Zahl der toten Wildvögel weiter steigt, weil der Vogelzug noch einige Wochen andauere. „Da werden noch mehr umfallen.“ Seine Befürchtung: Es könnten am Ende im gesamten Vogelzug-Gebiet, das sich auf mehrere Landkreise erstreckt, um die 10.000 Wildvögel sterben, meinte er. Bislang waren es nach Behörden-Schätzung mehr als 1000 tote Kraniche im Linumer Teichland innerhalb weniger Tage.
Der Landrat sagte zu Forderungen nach mehr Hilfe: „Wir helfen in Fehrbellin so gut wir können.“ Reinhardt nannte etwa das Aufstellen von Containern zur Entsorgung der Kadaver, die Bereitstellung von Material und Handschuhen sowie den Einsatz einer Drohne. Kollegen aus dem Veterinäramt etwa könne er für das Einsammeln der toten Kraniche nicht aktivieren, „weil sie sonst kontaminiert sind“ und somit ihren anderen Aufgaben nicht nachgehen könnten. „Sie sind dann verbrannt, wenn sie dort tätig werden“, so Reinhardt.
Auch in Sachsen-Anhalt: Kranichsterben im Unesco-Biosphärenreservat Drömling
Zehntausende Kraniche legen in Brandenburg jedes Jahr einen Zwischenstopp auf ihren Weg in die südlichen Überwinterungsgebiete ein. Der trompetenartige Ruf diese Vögel ist weithin zu hören. Der Kranich ist in vielen Kulturen ein Symbol des Glücks. Er wird oft als elegant und majestätisch beschrieben.
Doch nicht nur in Brandenburg geht derzeit die Vogelgrippe um. Nach Fällen in den Landkreisen Mansfeld-Südharz und Stendal meldet auch der Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt) einen Verdacht auf das Virus. Im Unesco-Biosphärenreservat Drömling seien zu Beginn dieser Woche gehäuft verendete Kraniche gefunden worden, teilte der Landkreis mit. Die Tiere wurden geborgen und sollen nun untersucht werden. „Es besteht der amtliche Verdacht, dass die Tiere an der Vogelgrippe, der Aviären Influenza, verendet sind.“ Sobald die Untersuchungsergebnisse vorlägen, werde eine Allgemeinverfügung mit verbindlichen Verhaltensregeln erlassen.
Das Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz des Landkreises Börde rufe Halter von Geflügel dazu auf, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und konsequent einzuhalten. Wenn Tiere Krankheitsanzeichen wie Atemnot, Niesen oder Teilnahmslosigkeit aufweisen oder es vermehrte Todesfälle im Tierbestand gibt, solle das Amt umgehend informiert werden.
dpa/jcst




