Eine Spiderman-Figur aus Plüsch – das ist Andrijs kleine Trophäe. Dank ihr wird er seinen Besuch beim Sozialamt Pankow wohl nicht in allzu schlechter Erinnerung behalten. Gemeinsam mit seiner Mutter gehörte der kleine Junge am Freitag zu den Hunderten Antragstellern, die hier, an der Fröbelstraße in Prenzlauer Berg, Sozialleistungen beantragen wollten. Es geht um Geld, was ukrainische Kriegsflüchtlinge brauchen, um ihr neues Leben in Berlin zu bestreiten.
Gegenüber der letzten Sondersprechstunde am Mittwoch haben sich Verbesserungen eingestellt – auch wenn viele der Ukrainer erneut im Morgengrauen erschienen sind und lange Wartezeiten erdulden mussten. In der Hoffnung, schnell an die Unterlagen in grauen Aktenmappen zu gelangen oder die ausgefüllten Kladden offiziell einreichen zu können. Nun finden sie vor den Türen des Sozialamts Wartebereiche mit Bierbänken und treffen auf engagierte Mitarbeiter der Behörde in orangefarbenen Westen, die mit persönlichem Einsatz die Schwierigkeiten des hohen Andrangs auszugleichen versuchen. Bemerkbar ist auch die Präsenz des Ordnungsamts, dessen Mitarbeiter die Ankömmlinge im Wartebereich einweisen.
Nachbarin aus Prenzlauer Berg: „Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen“

Aber ins Auge sticht vor allem die lange Theke mit Plüschtieren, Kinderbüchern und warmen Decken. Spenden der Kita Schwalbennest, die sich direkt gegenüber der Behörde befindet. Gleich neben der Theke: Ein neuer Stand von Anwohnern, die das morgendliche Getümmel frierender Flüchtlinge nicht mehr mit ansehen mochten und nun in ihrer Freizeit Heißgetränke spendieren. Auf gleiche Weise hilft auch ein Team des Sportamts Pankow, das seit Tagen vom frühen Morgen an im Einsatz ist.
„Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen“, mahnt Nachbarin Ruha Reyhani, eine der Betreiberinnen des Anwohner-Getränkestands mit Blick auf die Geschehnisse im Bundestag, als nach der Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Routineprogramm abgespult wurde. Und Gleiches gilt aus Reyhani’s Sicht auch für Dienstleistungen von Berliner Behörden. Es würden hier ganz konkret Defizite bei der Digitalisierung sichtbar, wenn Menschen in Not lange anstehen müssen, um händisch Akten zu erhalten, die sie dann wieder ausgefüllt zurückbringen sollen.
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Bezirksamt Pankow sieht größere Herausforderung als 2015

Beim Bezirksamt Pankow setzt Sozialstadträtin Cordelia Koch (Grüne) bereits alles in Bewegung, die Behördengänge für ukrainische Flüchtlinge deutlich zu beschleunigen. Zugleich warnt sie davor, dass die behördlichen Strukturen in Berlin nicht zu den Anforderungen dieser Krise passen. „Wir stehen heute vor einer weit größeren Herausforderung als 2015. Womöglich werden wir das Dreifache an Flüchtlingen zu versorgen haben. Darum reicht der 2015 erarbeitete Krisen-Modus nicht, zumal er schon damals nicht gut funktioniert hat“, meint Koch.
Zugleich lobt sie „eine deutlich höhere Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung als 2015. Darauf müssen wir besser eingehen.“ Eine stärkere Verzahnung von Verwaltung und Freiwilligen sei einer der Schlüssel zur Bewältigung der Lage.


