Friedhelm Haas ist als Architekt auf die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert und Vorsitzender des Arbeitskreises für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Berliner Architektenkammer.
Was ist Denkmalschutz und wie wirkt er?
Friedhelm Haas Denkmalschutz ist ein öffentliches Interesse, dass Kulturdenkmäler – seien sie wissenschaftlich, geschichtlich oder städtebaulich – geschützt werden. Anträge kann im Prinzip jeder stellen. Die gehen ans Bezirksamt und das gibt es dann an das LDA weiter. Und das prüft dann die Denkmalfähigkeit des Objekts, trägt das Objekt dann ein und pflegt es auch.
Was bedeutet„Denkmalfähigkeit“?
Das ist sehr subjektiv. Es gibt Landeskonservatoren, die haben beispielsweise ein Faible für die Nachkriegsmoderne – aus unserer Sicht zu Recht. Und es gibt natürlich andere, die damit weniger anfangen können. In Berlin sind wir da eigentlich gut aufgestellt. Hier ist es eher die Politik, die nicht zugreift. Das sehen Sie beim ICC. Das wäre schon längst unter Schutz gestellt, wenn es nach der Landesdenkmalpflege ginge. Aber da spielen noch andere Interessen rein.
Warum wird ein Gebäude unter Schutz gestellt?

Es muss einen Fürsprecher haben und künstlerisch, geschichtlich oder städtebaulich ein so herausragendes Bauwerk oder Gartendenkmal sein, dass es als solches erkannt wird. Es gibt genügend Verbände, die Denkmäler aufspüren, so wie wir. Auch bei der Deutschlandhalle war es so. Da haben wir uns mit gemeinsam mit anderen Verbände für den Erhalt eingesetzt. Hat leider nichts genutzt. Oft sind es auch Bürger, die aktiv werden. Aber dann ist meistens das Kind schon in den Brunnen gefallen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Einzeldenkmal und Ensembleschutz?
Ein Einzeldenkmal ist in der Regel ein einziges unter Schutz gestelltes Gebäude. Und auch die Innenarchitektur ist damit geschützt. Der Ensembleschutz ist weiter und eher städtebaulich gefasst. Da ist nicht jede Gaslaterne oder Litfaßsäule in dem Bereich zwangsläufig ein Denkmal. Es ist nur allgemeingültig: das ist ein Straßenzug oder eine Grünanlage, die man in dieser Qualität erhalten will. Ich denk da an die Taut-Siedlungen. Ensembleschutz ist weiter gefasst. Das Einzeldenkmal ist viel konkreter. Da ist es eigentlich nicht möglich, Veränderungen vorzunehmen. Auch innen kann man eigentlich nicht eingreifen. Beim Ensembleschutz ist das Innere nicht festgelegt. Da kann man in der Regel auch mal eine Wand versetzen.
Wieso werden denkmalgeschützte Gebäude trotzdem verändert oder wie die Deutschlandhalle sogar abgerissen?
Da setzten sich letztendlich wirtschaftliche Interessen durch. Der Abriss wurde auf Betreibern der Messe vom Senat beschlossen. Die Messe wollte die Deutschlandhalle aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt weghaben. Und der Senat kann sich über Denkmalbeschlüsse hinwegsetzen. Das LDA untersteht nicht mehr der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, sondern der für Kultur und Europa. Somit kann das LDA aus unserer Sicht etwas freier agieren. Der direkte Zugriff einer Senatsverwaltung ist nicht mehr so einfach möglich. Für Abrissanträge müssen im Senat immer Mehrheiten gefunden werden.
Beim benachbarten ICC wird seit Jahren über Denkmalschutz diskutiert, aber nichts passiert. Warum nicht?
Die LDA forciert seit Jahren, dass das Haus unter Schutz gestellt wird. Wir als Verband auch. Letztendlich ist es aber eine sehr komplizierte und vor allem wirtschaftliche Frage. Was die Unterschutzstellung für Konsequenzen für den Innenausbau hat, da möchte ich nicht drüber nachdenken. Allein schon Bestuhlung und Belüftung sind nicht mehr zeitgemäß und müssten im Grunde ersetzt werden. Aber wo fängt man da an? Wir wollen natürlich, dass dieses Wahrzeichen Berlins stehen bleibt. Das ist aus unserer Sicht vorrangig. Und wenn dann die zeitgemäße Technik nicht mehr unterzubringen ist – und das ist sie nicht – müssen eben Änderungen stattfinden. Und da muss man zu Kompromissen beim Innenausbau beriet sein. Die städtebauliche Bedeutung ist für uns wichtiger, als darauf zu beharren, jeden kleinen Teil zu erhalten. Das wäre aus meiner Sicht nicht vertretbar.


