Die City-Station der Berliner Stadtmission ist eine Tagesstätte für Menschen ohne festen Wohnsitz. In der Einrichtung in der Joachim-Friedrich-Straße erhalten sie eine warme Mahlzeit, können duschen, ihre Wäsche waschen und sich bei einer Tasse Kaffee oder Tee aufwärmen und ausruhen.

„Aber sind wir auch ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Was meinen Sie, wie viele ältere Menschen zu uns kommen, die sich einsam fühlen und Gesellschaft suchen“, sagt Stationsleiterin Manuela Spiesecke. Wie die drei älteren Damen, die an diesem Nachmittag an einem Tisch hinten links im großen Gastraum sitzen. Sie treffen sich regelmäßig zum Kaffeeklatsch. „Einen Besuch in einem Café können sie sich mit ihren Mini-Renten nicht leisten“, sagt Manuela Spiesecke, bevor sie einen anderen Stammgast begrüßt.

Berliner helfen Fototermin: Besuch/Spende für die City Station der Stadtmission
Ronny ist immer unterwegs durch Deutschland und Stammgast in der City-Station, wenn er in Berlin ist.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

City-Station: Günstiges Essen und Beratung für Wohnungslose

Ronny ist auf dem Sprung und hat schon seinen Rucksack geschultert. „Ich komm zwei- bis dreimal die Woche vorbei, wenn ich in Berlin bin. Das Essen kostet nur einen Euro“, sagt der gut gelaunte 54-jährige, der erzählt, dass er in ganz Deutschland unterwegs sei. „Muss los, um meinen Zug zu kriegen. Will nach Frankfurt, mein Lieblingsverein spielt da“, sagt er. Ronny ist gelernter Koch und hat auch schon ehrenamtlich für die Stadtmission gearbeitet. Jetzt ist er immer auf Achse. Auf die Frage, wo er wohnt, antwortet er: in Europa.

„Wir vermuten, dass er bei Freunden unterkommt. Aber genau wissen wir es nicht. Wir fragen unsere Gäste nicht aus“, sagt die Leiterin der City-Station. Beim Einlass an der Tür müssen sie nur ihren Vornamen nennen, damit wir sie ansprechen können und für die Statistik“, sagt sie. Bis zu 100 Gäste sind es täglich. Viele kommen wegen des Essens, das jeden Tag frisch gekocht wird. Viele Wohnungslose fragen bei den Sozialarbeiterinnen aber auch nach Beratung und Unterstützung. „Dafür sind wir da, wir wollen den Menschen helfen, in ein geregeltes Leben zurückzufinden“, sagt Manuela Spiesecke.

Diese Hilfe hat der 47-jährige Peter gesucht und gefunden. „Nach der Trennung von meiner Frau im Sommer 2022 habe ich in Niedersachsen meine Sachen gepackt und bin nach 15 Jahren zurück in meine Heimat Berlin. Hier wollte ich bei meiner Mutter wohnen. Doch ihre Tür ging direkt wieder zu. So bin ich auf der Straße gelandet. Das war sehr schwer, weil ich ja vorher ein geregeltes Leben hatte. Durch die Mitarbeiter vom Kältebus habe ich von der City-Station erfahren“, erzählt der 47-jährige.

City Station
Ehrenamtlich im medizinischen Einsatz: Gefäßchirurg Klaus Wolf (l.) und sein Kollege, Internist Philipp Schmitter.   © Barbara Breuer | Barbara Breuer

Zuerst hat er in der City-Station nur gegessen und seine Wäsche gewaschen, bis er sich den Sozialarbeiterinnen anvertraut hat. „Ich hab mich geschämt zu erzählen, was passiert war. Das ist wie ein Seelenstriptease. Danach habe ich erst mal geheult ...“, sagt er. „Wir haben dann zusammen Bürgergeld beantragt. Ich kannte mich nicht aus mit dem Hilfesystem. Das hat so lange gedauert hat, bis die ganzen Anträge bearbeitet wurden beim Jobcenter, beim Bezirksamt, bei der Wohnhilfe ...“, erinnert er sich. Das ist nun drei Jahre her. „Inzwischen habe ich wieder eine eigene Wohnung und arbeite als Hausmeister bei der Berliner Stadtmission. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich von der Straße weg bin“, sagt der 47-Jährige.

Genau so geht es auch Gregor aus Polen. Er war vor fünf Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Berlin gekommen und auf der Straße gelandet. „Ich habe getrunken und wusste, dass ich damit aufhören muss“, erzählt er. Das hat er geschafft. Auch er wurde in der City-Station beraten und unterstützt. Inzwischen hat er wieder eine Wohnung, arbeitet als Bauhelfer und besucht eine Sprachschule, um sein Deutsch zu verbessern. „Ich bin so glücklich. Auch gesundheitlich geht es mir viel besser“, sagt Gregor.

Mediziner-Team versorgt Obdachlose und Nichtversicherte

„Die Gesundheitsversorgung von Wohnungslosen bleibt ein Problem, weil sie nicht krankenversichert sind und es oft auch Sprachbarrieren gibt“, meint Barbara Breuer, Sprecherin der Stadtmission. Bei der Berliner Stadtmission kümmern sich rund 100 medizinisch ausgebildete Männer und Frauen um obdachlose Patienten – in der Ambulanz, in Pflegezimmern, bei der mobilen Straßenambulanz und in den Notübernachtungen.

Und auch in der City-Station können jetzt die wohnungslosen und nicht krankenversicherten Gäste versorgt werden. „Obdachlose leiden oft an Infektions- und Hautkrankheiten. Manche kommen aber auch mit einem Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus und verstehen gar nicht, was darin steht. Das erklären ihnen dann die Mitarbeiter“, meint Barbara Breuer. In einem Extra-Raum der City-Station wurde das Behandlungszimmer eingerichtet. Verbands- und Wundmaterial, Medikamente und Salben liegen im Schrank, Blutzuckermessgeräte, Stethoskope und eine Liege sind einsatzbereit. Ein Ärzteteam ist auch gefunden: Gefäßchirurg Klaus Wolf und der Internist Philipp Schmitter haben sich für den ehrenamtlichen Einsatz gemeldet. Klau Wolf (71) ist bereits im Ruhestand, Philipp Schmitter (31) arbeitet im Waldkrankenhaus in Spandau. Die ersten Patienten haben sie gerade verarztet, darunter auch einen Hund. Er bekam einen Verband für eine Schnittwunde an der Pfote.

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Obdachlosenhilfe

Die medizinische Versorgung von Obdachlosen in der City-Station und den Ambulanzen der Stadtmission wird durch Spenden finanziert und von Berliner helfen e. V., dem Verein der Berliner Morgenpost, unterstützt. Wenn Sie mithelfen möchten bei der medizinischen Versorgung von Obdachlosen, spenden Sie an:

Berliner helfen e. V., Stichwort: Kältehilfe, Spendenkonto: IBAN: DE73 3702 0500 0003 3071 00 bei der Sozialbank. Für eine Spendenbestätigung geben Sie bitte Ihre Anschrift bei der Überweisung an.

Für den ehrenamtlichen Einsatz werden auch approbierte Ärztinnen und Ärzte und Ehrenamtliche gesucht, die Patienten in den Pflegezimmern betreuen wollen. Weitere Infos bei Ute Rastert: rastert@berliner-stadtmission.de