In den bitterkalten Nächten kann es für Menschen ohne Wohnung lebensgefährlich sein, im Freien zu übernachten. Damit obdachlose Menschen in Nächten mit zweistelligen Minusgraden nicht erfrieren, hatte die Berliner Stadtmission in der vergangenen Woche spontan im Zentrum am Zoo am Hardenbergplatz 13 temporäre Übernachtungsmöglichkeiten für geschaffen.
Kessi ist mit ihrer Freundin gekommen – und mit ihrem Freund. Normalerweise übernachtet die obdachlose Frau in einem Zelt nahe der Spree: „Nach dem Aufstehen gehe ich zur Bahnhofsmission am Zoo, dort esse ich etwas Warmes, gehe duschen und zur Toilette.“

Kältewelle in Berlin: Obdachlose finden Zuflucht bei Stadtmission
Manchmal bekommt sie dort auch einen Schlafsack. Denn auch in kalten Nächten bleibt sie draußen: „Dann kuscheln wir uns aneinander“, erzählt sie. Doch als das Sturmtief Elli über Deutschland fegte, wurde es auch Kessi zu kalt. Gern nahm sie die Einladung der Berliner Stadtmission an, im Warmen zu übernachten, weil die meisten Notübernachtungen voll belegt waren.
Kessi und ihre Freunde bekamen dort auch einen frischen Schlafsack und eine Isomatte. Im Zentrum am Zoo wo sonst Weihnachtsfeste und Lesungen stattfinden, breitete ihr Freund unter einem Kreuz seine Isomatte aus. Kessi und ihre Freundin übernachteten im Seminarraum, der kurzerhand zum Frauenschlafsaal umfunktioniert wurde.
Kältehilfe in Berlin: Spenden ermöglichen schnelle Unterstützung
„Projekte wie dieses kann die Berliner Stadtmission mit Spenden aus der Kältehilfe finanzieren“, erklärt Stadtmissionsdirektor Christian Ceconi. „Sie geben uns Handlungsspielraum und wir können schnell und unbürokratisch besorgen, was dringend fehlt.“ Er freute sich am Montag sehr über einen großzügigen symbolischen Scheck von Berliner helfen e.V. , dem Verein der Berliner Morgenpost. 10.000 Euro waren nach einem ersten Aufruf in der Zeitung zusammengekommen, um die Kältehilfe zu unterstützen. „Unsere Leserinnen und Leser haben ein Herz für Menschen, die kein Zuhause haben“, sagte Petra Götze, verantwortliche Redakteurin für Berliner helfen e.V.

Nachtcafé im Zentrum am Zoo wird zur Notübernachtung
Von der Spende kauft die Berliner Stadtmission neben Schlafsäcken und Isomatten auch Suppen zum warm machen. Auch Kessi und ihre Freunde aßen noch schnell eine Suppe vor dem Schlafengehen. Um das Nachtcafé am Standort Zoo zu betreiben, hatten sich das Zentrum am Zoo (ZaZ), die Bahnhofsmission am Zoo und die Mobilen Einzelfallhilfe (MEH) zusammen getan mit dem Ziel, obdachlosen Menschen in Extremwetterbedingungen Schutz vor dem Erfrieren zu bieten. „Die Initiative dazu ging von den Mitarbeitenden aus, die den Gästen und Klient:innen einen warmen und sicheren Ort für die Nacht anbieten wollten“, erklärte Stadtmissionsdirektor Christian Ceconi.
Spenden für die Kältehilfe
Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost unterstützt seit vielen Jahren die Kältehilfe der Stadt Berlin, darunter die Berliner Stadtmission, Kälte- und Wärmebusse, Obdachlosen-Tagesstätten und Suppenküchen.
Wenn Sie spenden möchten: Berliner helfen e. V.
Stichwort: „Kältehilfe“.
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Weitere Infos unter Tel. 030 8872–77844 oder per E- Mail an: kontakt@berlinerhelfen.de
Auch der 39-Jährige Tom kam vorbei. Er lebt seit fünf Jahren auf der Straße und hält sich meist in der Nähe der Bahnhofsmission am Zoo auf. Leiterin Sünje Hansen kennt ihn gut. Tom hat einen Schlafsack, der imprägniert ist und nur von außen nass wird. Doch irgendwann kriecht die Kälte ihm dann doch in die Glieder.„Neben Schlafsäcken verteilen wir im Winter bei Minusgraden warme Anziehsachen, Einlegesohlen aus Lammfell und Handwärmer“, sagt Sünje Hansen. Sie freut sich, dass das Nachtcafé an den ersten beiden Abenden von 32 und 37 und in der bisher kältesten Nacht von 62 Menschen aufgesucht wurde.
Barrierefreie Notübernachtungen fehlen – Kältebusse zerstört
Die Sozialarbeiterin war bei den eisigen Temperaturen immer wieder mit ihren Kolleg:innen rund um den Bahnhof Zoo unterwegs. „Wir haben dann frierenden Menschen an Bushaltestellen oder in Tunneln eine Übernachtung angeboten“, erinnert sie sich. „Ein paar Menschen, die obdachlos sind und im Rollstuhl sitzen wurden nachts dann noch vom Kältebus vorbeigebracht“, weiß sie. Denn erfahrungsgemäß finden die Kältebusse für mobilitätseingeschränkte Menschen nur selten Plätze. Sünje Hansen bedauert: „Barrierefreie Notübernachtungen gibt es in Berlin nicht.“

Die drei Kältebusse der Stadtmission wurden Anfang Januar durch Brandstiftung zerstört wurden. Der Schaden ist groß: Zwei Busse sind schrottreif, einer lässt sich wahrscheinlich noch reparieren.
Sehr gefreut haben sich die zwei hauptamtlichen Fahrer und die 60 ehrenamtliche Helfer, dass so viele Menschen Anteil nahmen, ermutigende Nachrichten schrieben und unterstützen wollten. So konnte die Berliner Stadtmission trotz der Brände mit drei Leihbussen weiter jede Nacht unterwegs sein und obdachlose Menschen versorgen
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Jeden Abend gegen 19.45 Uhr werden in der Lehrter Straße die Kältebusse mit Schlafsäcken und Isomatten, heißem Wasser, Teebeuteln und Fünfminuten-Terrinen beladen – für viele die einzige warme Mahlzeit am Tag. Auch das wird durch viele großzügige Spenden ermöglicht. BB/Gö




