Ein bisschen aufgeregt waren sie schon. Aber ihr Lied „Wir wollen zusammenleben“ haben die Kinder fehlerfrei vorgetragen. Der Anlass: Ihr Treffpunkt, das Multikulturelle Jugend-Integrationszentrum (MJI) in Charlottenburg, feierte in der vergangenen Woche sein 15-jähriges Bestehen.

Gründer Ibrahim Ali Khan begrüßte zur Jubiläumsfeier Eltern, Kinder, Ehrenamtliche, Spender und Unterstützer. Auch die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Kirstin Bauch, kam zum Gratulieren. „Das MJI ist ein Ort, wo mir das Herz aufgeht“, sagte sie. „Ich habe selbst drei Kinder und weiß, wie schwierig es ist, wenn es in der Schule nicht richtig läuft.“

Ehrenamtliche fördern Deutschkenntnisse

Seit 2011 kommen Kinder und Jugendliche nicht nur aus Charlottenburg nach der Schule ins MJI. Viele wachsen in Familien auf, in denen kaum Deutsch gesprochen wird. Im Zentrum helfen Ehrenamtliche und Studenten bei den Hausaufgaben, erklären den Stoff geduldig und verständlich. Im MJI wird ausschließlich Deutsch gesprochen.. „Darauf legen wir großen Wert“, sagt Ibrahim Ali Khan, der selbst aus einer arabischen Familie kommt. „Bei uns sind alle Nationalitäten, Religionen und Hautfarben willkommen.“

MJI Jubiläum
Jugendstadtrat Simon Hertel, Armutsbeauftragter Thomas de Vachroi und Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch mit Ibrahim Ali Khan (von links).© Petra Götze | Petra Götze

Die 14-jährige Emilia sagt: „Seit ich hierherkomme, sind meine Noten viel besser geworden.“ So gut, dass sie inzwischen selbst Nachhilfe gibt – im Programm „Schüler helfen Schülern“. Auch die elfjährige Nur kommt fast jeden Nachmittag. „Deutsch und Mathe verstehe ich dann besser“, sagt sie.

Neben der täglichen Nachhilfe bereitet das MJI auf den Mittleren Schulabschluss vor und bietet Sprachkurse sowie Berufsberatung an. Im Video-Projekt „Mein Weg in Schule und Beruf“ drehen die Schüler wöchentlich Lernvideos und üben den Umgang mit digitalen Medien. „Das macht allen großen Spaß“, sagt Ali Khan. Zum Programm gehören außerdem ein wöchentliches Boxtraining, ein Antigewalt-Kurs und kreative Handarbeit – Stricken, Häkeln, Nähen.

Bei uns sind alle Nationalitäten, Religionen und Hautfarben willkommen.

Ibrahim Ali Khan, Gründer des Multikulturellen Jugend-Integrationszentrums

In 15 Jahren haben mehr als 500 Kinder und Jugendliche die Angebote des MJI genutzt. „Es war erst nur eine Idee – ich wollte einen Ort der Integration schaffen. Das geht nur durch Bildung und Sprache“, sagt Ali Khan. „Ich kann gar nicht glauben, dass es uns jetzt 15 Jahre gibt.“ Er bedankte sich bei den Spendern und Unterstützern, zu denen seit vielen Jahren auch Berliner helfen e. V., der Verein der Berliner Morgenpost, gehört. Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch und Jugendstadtrat Simon Hertel sagten dem Multikulturellen Jugend-Integrationszentrum weiter die Unterstützung des Bezirks zu. „Politiker kommen und gehen, aber ein Ort wie das MJI bleibt“, sagte Hertel.

MJI e.V., Kaiser-Friedrich-Straße 34, 10627 Berlin, tel. 030 857 407 35, www.mji-berlin.de