Im Aufenthaltsraum von Evas Haltestelle duftet es nach gutem Essen. „Da bekomme ich ja gleich Hunger“, meint Fotograf Florian Boillot. In der Einrichtung für obdachlose Frauen ist Mittagszeit, und am großen Esstisch sitzen einige Besucherinnen beim Essen. Es gibt Pellkartoffeln mit Quark und Roter Bete. „Das Essen wird jeden Tag frisch gekocht, das machen unsere Ehrenamtlichen“, sagt Natalie Kulik, die Leiterin von Evas Haltestelle.

Seit fast drei Jahrzehnten gibt es Evas Haltestelle in Wedding. Es ist die älteste und größte Tageseinrichtung für wohnungs- und obdachlose Frauen in Berlin. In 2024 kamen 800 Frauen, Ende Juni 2025 waren es bereits 500.

Evas Haltestelle wurde vor 30 Jahren gegründet

Gegründet wurde die Einrichtung vor 30 Jahren vom Sozialdienst katholischer Frauen als eines der ersten Angebote, das sich speziell an wohnungslose Frauen in Berlin richtet. Evas Haltestelle ist ein Rückzugsort.

Spenden für die Kältehilfe

Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost unterstützt seit vielen Jahren die Kältehilfe der Stadt Berlin, darunter die Berliner Stadtmission, Kälte- und Wärmebusse, Obdachlosen-Tagesstätten und Suppenküchen.  

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Die Frauen können sich dort ausruhen, ihre Sachen abstellen, etwas essen, aber auch Wäsche waschen und duschen. „Eben einfach die Grundbedürfnisse erfüllen und einen Moment zur Ruhe kommen,“ sagt Sozialarbeiterin Natalie Kulik. Vor 25 Jahren hat sie als Praktikantin in Evas Haltestelle angefangen, studierte Sozialarbeit und leitet jetzt ein Team von zwei Sozialarbeiterinnen, einer Sozialarbeitsassistentin und 35 Ehrenamtlichen.

Berliner helfen: Evas Haltestelle
Ankommen und Ausruhen im Aufenthaltsraum von Evas Haltestelle. Wer will, kann sich auch hinlegen. © FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Die Frauen, die den Weg zu Evas Haltestelle finden, kommen aus allen Altersgruppen und Lebenslagen. „Obdachlos kann man ganz schnell werden. Wenn Sie arbeitslos werden, die Mieterhöhung nicht mehr bezahlen können und dann noch eine körperliche oder psychische Krankheit dazukommt“, weiß Kulik aus ihrer langjährigen Erfahrung. Sie und ihre Kolleginnen stellen keine Fragen.

Die Besucherinnen können anonym bleiben

„Keine Besucherin muss etwas von sich erzählen oder einen vollen Namen angeben. Wir fragen nur, wie sie angesprochen werden möchte“, betont die Sozialarbeiterin. „Vertrauen ist die wichtigste Basis unserer Arbeit, erst dann können wir den Frauen helfen.“ Es gibt verschiedene Beratungsangebote, ein Büro von Housing First und die Möglichkeit, eine Postadresse bei Evas Haltestelle anzumelden, eine Voraussetzung um staatliche Hilfeleistungen zu bekommen.

Berliner helfen: Evas Haltestelle
Ankaufpunkt für Frauen ohne Zuhause: Evas Haltestelle in der Müllerstraße in Wedding. © FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Viele Betroffene schämen sich für ihre Situation

„Viele Frauen schämen sich, Sozialhilfeleistungen zu beantragen oder wissen gar nicht, wie oder was ihnen vom Gesetz her zusteht“, sagt Kulik. Viele haben in ihren Beziehungen oder auf der Straße Gewalt erlebt. Viele schämen sich für ihre Situation und verbergen ihre Obdachlosigkeit, so lange es geht. „Sie übernachten bei Freunden und Bekannten, oft gegen sexuelle Gefälligkeiten. Wenn sie dann doch auf der Straße landen, suchen sie Schutz bei Männergruppen, was natürlich auch seinen Preis hat“, sagt Natalie Kulik.

Berliner helfen: Evas Haltestelle
Sozialarbeiterin Clara Kesselmann in einem der Notübernachtungsräume von Evas Haltestelle. Die Betten müssen jeden Tag bezogen werden, das machen die Frauen selbst. © FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Evas Haltestelle bietet im Rahmen der Kältehilfe 20 Notübernachtungsplätze, die seit November durchgehend belegt sind. Täglich gibt es ein Frühstück, ein warmes Mittagessen und Nachmittagskaffee. Einmal in der Woche wird ein besonderes Frühstück zubereitet, am schön gedeckten Tisch. Dann kommen auch Besucherinnen aus dem Kiez. „Viele ältere Frauen können mit ihrer kleinen Rente gerade die Wohnung bezahlen, aber für das Essen reicht es dann kaum. Und es geht auch um den menschlichen Kontakt“, weiß Natalie Kulik.

35 Ehrenamtliche arbeiten in Evas Haltestelle

In der Küche spülen zwei Ehrenamtliche das Kochgeschirr. Gabriela Kwiatkowski ist seit Kurzem in Rente und seit einem halben Jahr bei Evas Haltestelle im Einsatz – einmal in der Woche für vier Stunden. „Ich koche, backe und spüle, gebe Wäsche heraus und putze auch mal die Duschräume. Das machen die Besucherinnen auch selbst, aber manchmal ist es eben nötig“, sagt die Reinickendorferin. „Ich freue mich, dass ich den Frauen helfen kann, wieder zu Kräften zu kommen“, meint sie.

Auch ihre Mitstreiterin Sarina empfindet ihr Ehrenamt bei Evas Haltestelle als erfüllend. „Ich arbeite als Lehrerin, aber vier Stunden kann man auch als Berufstätige schaffen“, sagt sie und steigt in den Keller hinunter, um Kekse und Kuchen für den Nachmittagskaffee zu holen. Die Regale dort sind gut gefüllt, von Nachbarn und Geschäftsinhabern im Kiez. Die Zutaten für das Essen werden aus Spenden bezahlt, einmal in der Woche liefert die Berliner Tafel Lebensmittel.

20 Jahre lang hat der Sozialdienst katholischer Frauen Evas Haltestelle allein finanziert, seit zehn Jahren gibt es eine Zuwendung des Bezirksamtes Mitte und im Rahmen der Kältehilfe. Evas Haltestelle ist aber weiterhin auf Spenden angewiesen und wird auch von Berliner helfen e.V. unterstützt.