In der Gustav-Meyer-Schule in Kreuzberg, einem Förderzentrum für geistige Entwicklung, steht an diesem Vormittag ein ganz besonderes Projekt auf dem Unterrichtsplan: ein weißer Buddy Bär soll bemalt und verziert werden – und dazu hat sich auch der Fotograf der Berliner Morgenpost angekündigt. „Alle sind schon ganz aufgeregt und freuen sich darauf“, meint Klassenlehrerin Asif Shwartz.
Auszeichnung für friedensfördernde Bildung
Die Aufmerksamkeit haben ihre acht Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren mehr als verdient. Sie sind die Drittplatzierten beim diesjährigen Wettbewerb um den Friedenspreis der Bürgerstiftung Berlin. Mit dem Buddies for Peace für friedensfördernde Bildung werden beispielhafte und nachahmenswerte Projekte und Initiativen ausgezeichnet, die zeigen, wie Kinder und Jugendliche aktiv zur Stärkung eines friedlichen Miteinanders beitragen können. Die Klasse der Gustav-Meyer-Schule hat die Jury mit ihrem Unterrichtsprojekt „Weltreise der Toleranz“ überzeugt.
„Wir wissen zu wenig übereinander“
„Unsere Kinder kommen aus ganz verschiedenen Ländern. Also haben sind wir in das Heimatland jedes Kindes ,geflogen’, haben die Hauptstädte, das Essen und die Sprache kennengelernt und darüber ein Reise-Tagebuch geführt“, erklärt die Sonderpädagogin und Kunsttherapeutin Asif Shwartz, die das Projekt ausgearbeitet und mit ihrer Klasse durchgeführt hat. Inspiriert dazu habe sie der Nahostkonflikt.
„Wir wissen einfach zu wenig übereinander, das müssen wir ändern“, sagt die gebürtige Israelin. Die Eltern der Kinder wurden in die „Weltreise der Toleranz“ mit einbezogen, eine Mutter aus Marokko hat marokkanisches Essen und landestypische Kleidung mitgebracht. Das jeweilige Land wurde in alle Unterrichtsfächer einbezogen. Zusammen haben die Kinder kurze Filme über das jeweilige Land geschaut und Ausflüge unternommen. „Da bietet Kreuzberg ja genug Möglichkeiten, um die Küche und Sprache vieler Länder kennenzulernen“, meint Asif Shwartz.
Künstlerin gestaltet den Buddy Bären mit den Kindern
Für die Gestaltung des Buddy Bären sponsort Street Art Berlin die Künstler, die mit den Preisträgern die Bären bemalen. Für die Klasse der Gustav Meyer Schule ist es Kathleen Hörnke. Gemeinsam haben sie überlegt, wie der Bär aussehen soll: „Bunt soll er sein und jedes Kind mit seinem Land vertreten. Also haben die Kinder die Flaggen ihres Landes in die Umrisse ihrer Hände gemalt, und die werden wir auf den Bären kleben“, erläutert die Künstlerin. Auf der einen Tatze des Bären, der eine Bärin ist und „Friedi“ heißt, dreht sich ein Globus. Auf der anderen hält die Bärin acht Bücher in allen Regenbogenfarben, für die acht Kinder der Klasse.
„Unsere Schule hat zum ersten Mal an dem Wettbewerb der Bürgerstiftung teilgenommen und gleich so ein Erfolg. Darauf können die Kinder wirklich stolz sein“, freut sich die Zweite Konrektorin der Schule, Anna Fröhlich. 160 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gustav-Meyer-Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss in der zwölften.
„Weltreise der Toleranz“ wird fortgesetzt
„Im Abschlussjahr machen alle unterschiedliche Berufspraktika, um sich zu orientieren, welche Arbeit für sie in Frage kommen könnte“, sagt die Konrektorin Verbunden mit dem Friedenspreis der Bürgerstiftung ist für den dritten Platz auch ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro. „Das werden wir nutzen, um Räume für eine Kunstwerkstatt anzumieten, denn die Schule wird ab dem Sommer saniert und dann müssen wir in die Grundschule umziehen und haben viel weniger Platz“, sagt Asif Shwartz. Das Projekt „Weltreise der Toleranz“ soll in den nächsten beiden Jahren fortgesetzt werden, in Kooperation mit dem Humboldt Forum sind auch Besuche im ethnologischen Museum eingeplant.
Buddies for Peace: Die Preisträger
Neben dem Projekt „Weltreise der Toleranz“ der Gustav-Meyer-Schule in Kreuzberg wurden zwei weitere Bildungsprojekte mit dem Buddies for Peace-Preis ausgezeichnet. Den ersten Preis gewann das Peer Helper-Netzwerk Neukölln/Nachbarschaftsheim Neukölln e.V. dotiert mit 2500 Euro. Nach einer kurzen Ausbildung setzen sich Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren als Mentoren ein und geben ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiter und entwickeln Angebote für Jugendfreizeiteinrichtungen.
Der zweite Preis mit 1500 Euro Preisgeld ging an das Projekt „Lasst uns richtig streiten!“ der Lauterbach-Schule. Die Schüler der Lauterbach-Schulen im Märkischen Viertel durchlaufen ein Programm zur Streitkultur: „Cool bleiben“-Workshops, die Ausbildung zu Konfliktlotsen und die Anwendung der „Friedensbrücke“. Schulpsychologen, Sozialarbeiter und Pädagogen arbeiten eng zusammen, damit die Kinder langfristig Konfliktlösungsstrategien erlernen und weitergeben.
Die Buddy Bär GmbH von Klaus Herlitz spendet einen Bär, die restlichen Bären, sowie die Preisgelder werden durch den Familienfonds Klaus und Lydia Riedel finanziert. Die Preisverleihung fand im Roten Rathaus.



