Konflikte konstruktiv und gewaltfrei lösen, respektvollen Umgang miteinander üben und eine demokratische Streitkultur entwickeln – dafür steht der Preis „Buddies for Peace“ der Bürgerstiftung Berlin. Bewerben können sich Schulklassen, Vereine und Initiativen, die sich um Kinder zwischen 6 und 18 Jahren kümmern.

Im vergangenen Jahr wurden die Stadtschloss Kids in Moabit mit dem Buddy-Bären ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 750 Euro. „Die Kinder waren so stolz. Nach der Preisverleihung im Roten Rathaus haben sie alle gemeinsam und abwechselnd den Buddy Bär in die U- und S-Bahn geschleppt und in unser Nachbarschaftszentrum nach Moabit gebracht“, erzählt Susanne Vogt-Likus, Leiterin der Stadtschloss Kids beim Trägerverein Moabiter Ratschlag e.V.

Seinen Namen hat das Jugendzentrum von seinem Sitz in einem schlossähnlichen Gebäude in der Rostocker Straße in Moabit mit großem Innenhof. Besucht wird es von Kindern aus der unmittelbaren Umgebung. Sie kommen nach der Schule, Kindergarten- oder dem Hortbesuch, sind zwischen fünf und 14 Jahren alt. „99 Prozent unserer Kinder sind von Sozialhilfe abhängig, die meisten kommen aus Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund. Wir sind ein Schmelziegel aller Nationalitäten“, sagt die Susanne Vogt-Likus.

Erziehung zu gegenseitigem Respekt

Und gerade weil das so ist, sei die Erziehung zu Demokratie und gegenseitigem Respekt so wichtig, betont die Sozialpädagogin. „Jedes Kind wird von uns in Empfang genommen und dann besprechen wir, welche Interessen das Kind hat, was es gern machen möchte, um Spielgruppen zu organisieren“, sagt die Leiterin. Es gibt den sehr beliebten einen Bewegungs- und Kletterraum, aber auch Rückzugsräume zum Lesen, Basteln oder Malen. Bei schönem Wetter wird im Innenhof oder auf dem Spielplatz getobt. Es gibt zwei Planstellen für drei festangestellte Erzieherinnen und Sozialarbeiter, die sich um sieben bis 30 Kinder, die montags bis freitags ins Stadtschloss kommen. Ehrenamtliche und Praktikanten helfen beim Organisieren, in der Küche oder beim Betreuen der Gruppen.

Berliner helfen/Buddy Bär Preis
Praktikant Nils David bei den Stadtschloss Kids präsentiert die frisch zubereitete Snack-Platte. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Ausgezeichnet wurden die Stadtschloss Kids mit dem Buddies for Peace Preis im vergangenen Jahr für das Konzept ihres Jugendzentrums: „Unser Motto lautet: Jeder ist willkommen - egal ob türkisch, arabisch, palästinensisch oder jüdisch. Aber jeder muss den anderen respektieren“, sagt die Leiterin. „In der Küche bereiten wir jeden Tag mit den Kids gemeinsam Snacks vor und essen zusammen. Dann besprechen wir, was an dem Tag gemeinsam unternommen werden soll. Die Kinder müssen sich einigen, nur wenn das nicht klappt, entscheiden die Erwachsenen“, sagt Susanne Vogt-Likus.

Zuhören und den anderen ausreden lassen

Ebenso wichtig sei das gemeinsame Gespräch in der Gruppe am Ende des Tages. Die Kinder erzählen, was ihnen besonders gefallen hat und was nicht. „Jeder muss den anderen anhören, ohne Unterbrechung, ohne Kommentierung. Auch die Erwachsenen dürfen kritisiert werden, aber Respektlosigkeit wird nicht geduldet. Die Kinder fühlen sich in ernst genommen, es entsteht gegenseitige Verlässlichkeit“, so die Leiterin der Stadtschloss Kids. Auch die Eltern werden in das Gemeinschaftskonzept einbezogen und müssen die Regeln kennen und akzeptieren.

Finanziert wird die Jugendarbeit bei den Stadtschloss Kids durch das Jugendamt nach den Regelsätzen. „Aber Jugendarbeit ist chronisch unterfinanziert und ohne zusätzliche Spenden könnten wir Ausflüge und jetzt unser Ferienprogramm gar nicht bezahlen, denn dafür brauchen wir zusätzliche Honorarkräfte zur Betreuung“, sagt die Leiterin des Jugendzentrums. In diesem Jahr wird das sechswöchige Ferienprogramm mit zwei Ausflugstagen pro Woche auch durch das Preisgeld des Buddies for Peace mitfinanziert.

„Highlight ist immer der Ausflug mit dem Bus ins Strandbad Plötzensee. Viele unserer Kinder waren noch nie an einem Strand, das ist für sie wie Urlaub“, sagt die Pädagogin. Aber auch das Knüpfen von Armbändern, Klettern in den Seilen und Zwei-Felder-Ball sind sehr beliebt. „Aber schwimmen gehen im Plötzensee ist am schönsten“, meint der siebenjährige Mustafa, seine Geschwister Ali und Abeer nicken begeistert.

Berliner helfen/Buddy Bär Preis
Gina Rohner von den Stadtschloss Kids und dem unter künstlerischer Anleitung bemalten Buddy Bär. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

In der nächsten Ferienwoche steht ein besonders Highlight auf dem Programm bei den Stadtschloss Kids. Ein Holzwerkshop unter einem Segeldach im Innenhof mit fachkundiger Anleitung. Zum großen Abschlussfest der Ferien Ende August sind auch alle Eltern und Familien eingeladen, um die entstandenen Kunstwerke zu bewundern, genau wie den bunt angemalten Buddy for Peace, der die Besucher im Eingang des Nachbarschaftszentrums willkommen heißt.

Bewerben für Buddies for Peace

Mit dem Buddies-for-Peace-Preis für friedensfähige Bildung zeichnet die Bürgerstiftung Berlin Projekte und Angebote für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren aus, die junge Menschen an einen demokratischen, gewaltfreien Umgang mit Konflikten heranführen.

Angeregt wurde der Preis durch die „Bärenmutter“ Eva Herlitz, finanziert wird er durch den Familienfonds Klaus und Lydia Riedel unter dem Dach der Bürgerstiftung. Ausgezeichnet werden existierende oder geplante Berliner Initiativen, Projekte, Aktionen, Kurse, Camps, Ferienlager aus den Bereichen Schule, Sport, Kunst, Kultur und Theater. Diese können an Schulen oder an Vereine oder sonstige gemeinnützige Institutionen angegliedert sein. Alle Informationen rund um den mit insgesamt 5000 Euro dotierten Preis finden sich auf der Website der Bürgerstiftung Berlin. Die Bewerbungsphase läuft online seit dem 1. Juli und noch bis zum 31. Oktober 2024. Die Jurysitzung findet vor Weihnachten statt, die Preisverleihung ist im Frühjahr 2025 geplant. Fragen beantwortet die Bürgerstiftung Berlin auch gern per E-Mail an buddiesforpeace@buergerstiftung-berlin.de