Fröhlich winkt Viola Hoppe aus dem zweiten Stock des Backsteingebäudes in der Osloer Straße, Treffpunkt in dem Weddinger Kiez für Jung und Alt. Unter dem Dach des Vereins Fabrik Osloer Straße sorgen zahlreiche soziale und kulturelle Projekte für ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft. Viola Hoppe leitet gemeinsam mit zwei Kolleginnen das Projekt „PaSch“ – Patenschaften für Schulkinder. „Seit 2010 bringen wir Grundschulkinder aus dem Wedding mit ehrenamtlichen Erwachsenen zusammen.

Tandems treffen sich jede Woche

Die „Tandems” - ein Patenkind und ein Pate – treffen sich einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden und verbringen Zeit miteinander. Die Patenschaft ist zunächst auf ein Jahr festgelegt, die Erfahrung zeigt aber, dass viele Tandems sich auch sehr gern weiterhin regelmäßig treffen möchten“, berichtet die Projektleiterin. Wie so eine Patenschaft gestaltet werden kann, erzählen Omar und Kilian. Den elfjährigen Omar und seinen 23 Jahre alten Paten Kilian verbindet vor allem die Begeisterung für Sport und besonders für Fußball. Kennengelernt habe sie sich vor einem Dreivierteljahr, weil sich Omars berufstätige Mutter einen Paten für ihren jüngsten Sohn gewünscht hat.

Berliner helfen: Schülerpatenschaften
Viola Hoppe koordiniert die Patenschaften für Schulkinder vom Projekt PaSch in der Fabrik Osloer Straße in Wedding.© Florian Boillot | Florian Boillot

„Ich mache genau so gern Sport wie Omar, deshalb gehen wir oft Fußballspielen, aber auch Klettern oder Basketball spielen. Sogar Eislaufen waren wir schon, Omar hatte dafür echt Talent“, sagt Kilian. Er studiert Politik und Wirtschaftswissenschaften und engagiert sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich. „Ich habe schon Senioren in Englisch unterrichtet, weil ich ursprünglich Lehrer werden wollte. Ich verbringe gern Zeit mit Menschen“, sagt der 23-jährige, der nach dem Studium eine Karriere in der Politik anstrebt.

Junge Männer sind sehr gefragt als Paten

Mit Omar trifft er sich einmal in der Woche für ein paar Stunden, manchmal ist auch dessen 13-jähriger Bruder Lamine mit dabei. Dann fahren sie ins Jumphouse zum Trampolinspringen oder zum Bouldern in die Kletterhalle nach Pankow. „Da haben wir sogar ein Video gedreht“, erzählt Omar. Auch Kinobesuche stehen auf dem Programm – und natürlich Fußball spielen, denn der elfjährige Omar träumt davon, Profi-Fußballer zu werden. Er geht in die fünfte Klasse und ist gut in Mathe und Sport.

Nur Deutsch mag er nicht so gern. „Da müsste ich mich mehr anstrengen“, sagt er selbstkritisch. An der Patenschaft mit Kilian gefällt ihm, dass er mit ihm über alles reden kann. „Ich kann ihn alles fragen und bekomme Antworten“, meint der Elfjährige. „Es hilft sicher, dass der Altersunterschied zwischen uns nicht so groß ist. Ich spiele genau so gern Playstation wie er“, meint Kilian.

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Kilian und Omur beim Fußball im Innenhof der Fabrik Osloer Straße. © Florian Boillot | Florian Boillot

Ehrenamtliche Paten wie er sind bei dem Projekt sehr gefragt. „Von den Jungs hören wir in der Regel, dass sie sich einen jungen männlichen Paten wünschen, mit dem sie draußen Sport machen können. Sie suchen männliche Vorbilder, denn ihr Umfeld ist häufig geprägt von weiblichen Bezugspersonen“, sagt Projektleiterin Viola Hoppe. Das Projekt betreut aktuell 16 aktive Tandems zwischen Grundschulkindern und ehrenamtlichen Erwachsenen. Wie die gemeinsame Zeit gestaltet wird, ist individuell vereinbar und ganz unterschiedlich, wobei nicht die Schul- oder Hausaufgabenhilfe im Vordergrund steht, sondern das Miteinander und das Kennenlernen neuer Orte und Möglichkeiten.

Kinder können neue Lebenswelten kennenlernen

„Die Pat*innen sind überwiegend Menschen mit guter Ausbildung, die den Kindern neue Perspektiven zeigen und Interessen wecken können. Auch sie lernen durch die Patenschaft neue Lebenswelten kennen“, meint Viola Hoppe. Ihre Aufgabe ist es, die Ehrenamtlichen vorzubereiten und die Tandems passend zu „matchen“. Dazu gibt es erst einmal drei Kennenlern-Treffen in der Fabrik Osloer Straße, auch mit den Elternteilen der Kinder und es werden Ideen besprochen, was man gemeinsam unternehmen könnte. „Viele unserer Patenkinder kommen aus bildungs- und sozialbenachteiligten Familien, die sich dennoch die bestmöglichen Bildungschancen für ihre Kinder wünschen. Oft haben sie auch wenig deutsche Freunde und Bekannte“, sagt Viola Hoppe.

Wenn ein Tandem zustande kommt, wird offiziell eine Vereinbarung geschlossen, in der sich beide zu gegenseitigem Respekt, Ehrlichkeit, aber auch Verlässlichkeit und Diskretion verpflichten. „Natürlich erzähle ich nicht weiter, wenn Omar mir etwas anvertraut. Und ich muss ja auch nicht so streng sein wie ein Lehrer oder seine Mutter“, meint Kilian.

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Die Kinder wüssten anfangs oft nicht genau, was ein Pate ist und was sie mit ihm oder ihr machen wollen. „Aber sie können ziemlich gut benennen, wen sie sich wünschen. Die Person soll nett und freundlich sein, aktiv und man soll mit ihr Spaß haben und lachen können“, erzählt die Projektleiterin. Bei Omar und Kilian klappt das ziemlich gut, auch wenn die zwei gemeinsam auf Kilians E-Roller unterwegs sind. „Wir sind ein gutes Team“, meint der Elfjährige. In einer fußballerischen Frage sind sie allerdings unterschiedlicher Meinung: Kilian mag Messi, Omars Held heißt Ronaldo.

Pate für ein Schulkind in Wedding werden

Das Projekt PaSch vermittelt und begleitet ehrenamtliche Freizeit- und Bildungspatenschaften zwischen Grundschulkindern in Wedding und Erwachsenen. Die Tandems treffen sich einmal wöchentlich für mindestens ein Jahr, um gemeinsam etwas zu unternehmen, Sport oder Musik zu machen oder einfach um zu reden. Hausaufgabenhilfe steht nicht im Vordergrund, sondern eher das gemeinsame Entdecken neuer Perspektiven und Möglichkeiten. Die Paten werden sorgfältig in einem Workshop vorbereitet, durch die Koordinatoren begleitet und können sich bei Info-Abenden untereinander austauschen. Das Projekt wird von der Senatsverwaltung für Soziales unterstützt, wird aber zur Hälfte durch Spenden, auch von Berliner helfen e.V. finanziert. Interessierte Ehrenamtliche und Paten können sich beim Sommerfest am 14. Juni von 14 bis 18 Uhr in der Fabrik Osloer Straße 12, 13359 Berlin informieren. Oder per E-Mail an post@pasch-paten.de, Tel. 0176 81945562.