Fast 212.000 Menschen in Berlin sind pflegebedürftig, das heißt, sie erhalten Leistungen aus dem Pflegeversicherungsgesetz, meldet das Statistische Landesamt. Das entspricht einem Anteil von 5,6 Prozent an der Berliner Bevölkerung. Und der große Teil der Pflegebedürftigen rund 87 Prozent so die Statistik, wird zu Hause versorgt, meist von Angehörigen, Nachbarn und Freunden.
Schneller Ersatz, wenn ein Angehöriger ausfällt
Aber was tun, wenn ein pflegender Angehöriger ausfällt oder kurzfristig Entlastung benötigt, weil er oder sie selbst durch Krankheit ausfällt? Für solche Herausforderungen gibt es seit Anfang des Jahres den Malteser Notfalldienst für Pflegebedürftige in Berlin. Notfall-Engel springen ein, wenn der pflegende Angehörige oder Nachbar verhindert ist. „Das Konzept beruht auf ehrenamtlichem Engagement. Die Notfallengel leisten kurzfristige soziale Hilfestellung und Betreuung, zum Beispiel gehen sie einkaufen, begleiten zum Arzt oder holen Medikamente aus der Apotheke“, beschreibt Johannes Weinfurter das Konzept. Der Sozialarbeiter ist seit November vergangenen Jahres für die Koordination der Notfallengel bei den Maltesern zuständig.
Ehrenamtliche werden vor dem Einsatz geschult
Gestartet ist das das gemeinsame Projekt mit der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege in Spandau und Lichtenberg und soll jetzt auf ganz Berlin ausgeweitet werden. „Die Nachfrage ist groß, auch in anderen Bezirken wie Charlottenburg und Wilmersdorf“, sagt Johannes Weinfurter.

Aktuell sind 15 Notfall-Engel im Einsatz. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Basis-Ausbildung, zu der ein Erste-Hilfe-Kursus gehört, die Schulung zum Umgang mit körperlich beeinträchtigen Menschen und die Vorbereitung auf Situationen mit Pflegebedürftigen. „Die Engel sind auch nie ganz allein im Einsatz. Im Notfall stehe ich telefonisch beratend zur Verfügung“, sagt Weinfurter.
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Zentrale Telefonnummer für Pflegebedürftige
Über die zentrale Telefonnummer 030 348 003 111 ist er als Projektkoordinator auch der erste Ansprechpartner für Angehörige und Pflegebedürftige, die einen Notfallengel brauchen. „Ich versuche dann, im Gespräch herauszufiltern, wie die Unterstützung aussehen soll, damit ich den Engel entsprechend vorbereiten kann“, sagt der Projektkoordinator. Er betont: „Es geht um Betreuung und soziale Unterstützung bei Spaziergängen, Besorgungen und Arztbesuchen, nicht primär um Wohnungsreinigung oder ähnliches. Wir ersetzen keine professionellen Dienstleister.“
Tosca Palma ist eine der ehrenamtlichen Notfallengel. „Ich war schon vorher bei den Maltesern in der Demenz-Begleitung aktiv. Nachdem die alte Dame mit 103 Jahren gestorben ist, habe ich von diesem neuen Projekt erfahren“, erzählt die 31-jährige. Nachdem sie die Schulungen absolviert hat, ist sie nun regelmäßig einmal in der Woche bei einem älteren Ehepaar in Spandau im Einsatz. „Der Mann wird von seiner Frau gepflegt und ich gehe dann einkaufen oder hole Krücken aus dem Sanitätshaus ab. Die Treppen im Haus sind für beide schwer zu bewältigen. Die Frau freut sich immer so, wenn ich komme. Sie schreibt mir alles genau auf und manchmal schneidet sie auch Sachen aus Prospekten aus“, erzählt Tosca Palma.
Sie ist voll berufstätig in einer Personalabteilung und macht nebenbei noch eine Ausbildung. „Eigentlich habe ich wenig Zeit, aber dafür nehme ich sie mir. Es ist doch schön, wenn man jemandem das Gefühl geben kann: Ich bin für Dich da und ich erwarte auch keine Gegenleistung“, sagt sie.
Der 31-Jährigen ist aufgefallen, dass sich ältere Menschen oft scheuen würden, ihre Kinder um Hilfe zu bitten, weil sie niemandem „zur Last“ fallen wollen. Auch lebten die oft viel zu weit entfernt für solche Hilfestellungen im Alltag. Notfallengel Tosca wohnt in Spandau nicht weit von dem Ehepaar entfernt. „Ich würde aber auch in anderen Bezirken einspringen, wenn ich gebraucht werde“, sagt sie.
Hilfe innerhalb von 24 Stunden
Der Anspruch des Projektes der Malteser ist, binnen 24 Stunden eine Hilfe zu organisieren. „Wenn genug zeitlicher Vorlauf ist, mache ich auch gern einen Hausbesuch, um die Situation abzuklären und zu überlegen, welcher Notfallengel passt. Aber in der häuslichen Pflege ist eben nicht alles planbar“, sagt Koordinator Johannes Weinfurter. Den Einsatz der Notfallengel rechnen die Malteser direkt mit den Pflegekassen über die Verhinderungspflege oder die Entlastungsbeträge ab. Die Notfallengel erhalten eine Aufwandsentschädigung von sieben Euro pro Stunde. „Wegen des Geldes macht man da ja auch nicht. Ich denke, wenn man anderen hilft ohne dafür etwas zu erwarten kommt das in irgendeiner Form zu einem zurück“, sagt Tosca Palma, die in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Werbung macht für ihr Ehrenamt. „Das ist einfach ein tolles Projekt, ich hoffe, es finden sich noch mehr ehrenamtliche Notfallengel.“
Ehrenamtliche Notfallengel gesucht
Das Notfallengel-Projekt der Malteser „Dich schickt der Himmel“ startete in Spandau und Lichtenberg und wird nun schrittweise auf ganz Berlin ausgeweitet. Für die wachsende Zahl an Einsätzen suchen die Malteser engagierte Ehrenamtliche, die kurzfristig einspringen und sowohl jüngere als auch ältere Menschen mit Pflegegrad entlasten. Sie unterstützen Angehörige und helfen, die erste Zeit zu überbrücken – bis eine andere Lösung gefunden ist. Dabei übernehmen sie keine pflegerischen Aufgaben, sondern leisten vor allem praktische Hilfe, indem sie Einkäufe und Apothekengänge erledigen, zum Arzt begleiten oder die Kinder zur Schule bringen. Wer sich als Ehrenamtlicher engagieren möchte, kann sich wenden an den Notfalldienst unter Tel. (030) 348 003 111 (montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr erreichbar) oder per E-Mail an: notfalldienst.pflege.berlin@malteser.org
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, die das Angebot nutzen möchten, können sich ebenfalls unter der Telefon-Nummer (030) 348 003 111 melden. Die Malteser organisieren die Einsätze, mit dem Ziel, innerhalb von 24 Stunden zu helfen. Weitere Informationen im Internet unter www.malteser-berlin.de/dich-schickt-der-himmel




