Für Berliner Verhältnisse ist es eine Rekordbauzeit: Ein Jahr nach dem ersten Spatenstich wurde in der vergangenen Woche Richtfest gefeiert – der Rohbau der „Butze“, einer neuen Zufluchtsstätte für Straßenkinder in Berlin ist fertig. Die Butze wird eine Begegnungsstätte auf sieben Etagen mit rund 40 verschiedenen Wohn- und Schlafplätzen – von Notübernachtungen bis zu Mikroapartments. Zudem sind eine Wärmestube, Büros für Sozial- und Rechtsberatung, Bildungsräume, eine große Kleiderkammer und mehr geplant.

In der Butze sollen junge Obdachlose schneller Hilfe bekommen

„Die Butze ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Ort der Hoffnung und des Neuanfangs für Kinder und Jugendliche, die in schwierigen Lebenslagen stecken“, erklärte Eckhard Baumann, Vorsitzender des Vereins Straßenkinder e.V., der die Idee zu dem Haus hatte „Damit bündeln und erweitern wir unsere bisherige Arbeit und beschleunigen Hilfeprozesse für die jungen Menschen“.

Das bundesweit bisher einmalige Hause mit einer Fläche von 3650 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von rund 21 Millionen Euro wird vollständig aus Spenden finanziert. Zu den Großspendern gehören Birgit und Thomas Rabe, die privat und mit ihrer Birgit und Thomas Rabe Stiftung bis zu zwei Drittel des Gesamtvolumens übernehmen.

21 Millionen Euro Baukosten durch Spenden finanziert

Blick von oben auf den Neubau nahe dem S-Bahnhof Lichtenberg.
Blick von oben auf den Neubau nahe dem S-Bahnhof Lichtenberg.© Robin Baumann | Robin Baumann

„Uns überzeugt das Ziel des Vereins, diese Kinder auf dem Weg zurück in die Gesellschaft und in ein erfülltes Leben zu begleiten. Das Projekt wird hoffentlich weitere Förderer in Berlin, aber auch Nachahmer in anderen Städten finden wird,“ sagte Thomas Rabe, Vorsitzender des Bertelsmann-Konzerns, beim Richtfest. Unter den vielen weiteren Förderern sind neben privaten Spendern auch die Manfred Strohscheer Stiftung, Sternstunden e.V., die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, die Stiftung RTL, die Ikea-Stiftung und die Stiftung der Deutschen Nationalmannschaft. „Da hoffe ich mal auf ein tolles Spiel mit unseren Kids und den Nationalspielern“, meinte Eckhard Baumann.

Unter den Gästen beim Richtfest war auch Berlins Staatssekretär für Jugend und Familie, Falko Liecke (CDU), der dem neuen Haus trotz der Sparvorgaben im Landeshaushalt Unterstützung zusicherte.

Butze
Eckhard Baumann (r.) führt die Gäste beim Richtfest durch den Rohbau.© Robin Baumann | Robin Baumann

„Jeder Beitrag hilft, um Kinder von der Straße zu holen“, bedankte sich Eckhard Baumen beim Richtfest. Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost, unterstützt den Verein Straßenkinder seit vielen Jahren. Der Verein betreibt nicht nur das Kinderhaus Bolle in Marzahn, eine Nachmittagsbetreuungseinrichtung mit Schulaufgabenhilfe und vielen Förder- und Freizeitangeboten, sondern er versorgt auch Kinder und Jugendliche ohne Obdach mit einem Bus am Alexanderplatz. Sie bekommen ein warmes Essen, Kleidung oder Schlafsäcke und durch die Sozialarbeiter des Vereins Beratung und Hilfe.

Zwei feste Anlaufstellen für Straßenkinder betreibt der Verein in Friedrichshain in der Warschauer und in der Kopernikus Straße, wo sie duschen und ihre Sachen waschen können. „Aber da platzen wir aus allen Nähten“, sagte Eckhard Baumann.

Voller Begeisterung führte er die Gäste beim Richtfest durch den Rohbau, erklärte wo später das Café als Begegnungsstätte eröffnet wird, dass zu der Großküche ein begehbarer Kühlschrank im Keller gehören wird und dort, wo die Torte zum Richtfest angeschnitten wurde, eine Bühne für Theater oder kleine Konzerte entstehen soll. Am wichtigsten sind in den oberen Etagen die 17 Notschlafplätze für Minderjährige. „Davon gibt es in Berlin viel zu wenig, vor allem für Mädchen“, sagte Baumann.

Notübernachtungsplätze für Minderjährige

Dazu kommen noch 13 Plätze im Übergangswohnen um Jugendliche von der Straße wieder in einen geregelten Alltag zu bekommen. „Manche müssen erst einmal lernen, sich selbst und eine Wohnung in Ordnung zu halten und ihr Leben in die Spur zu kriegen“, sagte Baumann und beschreibt damit das Konzept der Butze: Kindern und Jugendlichen die nötige Stabilität und Sicherheit bieten, um sie dauerhaft von der Straße zu holen.

Beim Richtfest dabei war auch die 18-jährige Mary. Zwei Jahre lang hatte sie keinen festen Wohnsitz, seit sie aus einer Jugendhilfe-Einrichtung „rausgeflogen“ war. „Im ersten Sommer war das nicht so schlimm. Ich hatte ein Zelt und es war warm“, erzählte sie. Später schlief sie bei verschiedenen Freunden auf dem Sofa. „Meine Sozialarbeiterin vom Verein Straßenkinder ist immer für mich da, sie passt auf mich auf“, erzählte Mary.

„Abends ist es am schlimmsten...“

Im Moment wohnt sie bei ihrer Schwester und hofft, bald eine eigene Wohnung zu bekommen. „Ich freu mich so, dass es die Butze geben wird. Nicht mehr für mich, aber für all die anderen. Die können dann auch abends da hingehen und haben da jemanden zum Reden. Abends ist es am schlimmsten…,“ sagte Mary.

Wie viele andere Straßenkinder hat sie ihre Wünsche für das neue Haus auf bunte Bänder geschrieben, die am Richtkranz hängen. Im März 2026 soll die Eröffnung der Butze sein – ein Ort der Geborgenheit und Hoffnung für Kinder und Jugendliche, die kein Zuhause haben.

So können Sie spenden

Mit der Weihnachtsaktion „Schöne Bescherung“ wollen wir dafür sorgen, dass Straßenkinder Hilfe bekommen und die Arbeit in dem neuen Haus des Vereins Straßenkinder e.V. unterstützen.. Bitte helfen Sie uns dabei. Spenden Sie an:
Berliner helfen e.V.
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