Eckhard Baumann, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Vereins Straßenkinder e. V. ist die Freude über den heutigen Tag anzusehen. Nach mehr als sechs Jahren Spenden sammeln, Unterstützer werben und um Genehmigungen kämpfen konnte am Freitag mit dem symbolischen Spatenstich der Bau der „Butze“, einem Haus für Straßenkinder, beginnen.
Auf dem 781 Quadratmeter großen Grundstück nahe dem S- und U-Bahnhof Lichtenberg wird in zwei Jahren Bauzeit ein bundesweit einmaliger Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, entstehen. „In Deutschland leben aktuell mindestens 6500 Minderjährige auf der Straße. Die ,Butze‘ soll diesen notleidenden Jugendlichen eine Perspektive geben und ihnen den Weg in ein selbstständiges Leben zeigen“, sagt Eckhard Baumann.

19 Millionen Baukosten mit Spenden finanziert
Auf sieben Ebenen und einer Fläche von rund 3400 Quadratmetern wird es ein Begegnungscafé, Räume für die Beratung, eine Tischlerei und vor allem auch Notübernachtungsmöglichkeiten und kleine Wohnungen für eine kurzzeitige Aufnahme von obdachlosen Jugendlichen geben. „Dort können sie bleiben, bis sie Papiere haben und wir gemeinsam klären können, wie es weitergehen soll“, sagt Eckhard Baumann. Auch Duschgelegenheiten, Waschräume, eine Kleiderkammer sowie eine Basisstation für Streetworker soll es in dem neuen Haus geben.
Das Bauvorhaben mit einem Volumen von 19 Millionen Euro wird rein aus Spenden finanziert. Den größten Teil der Kosten trägt das Ehepaar Birgit und Thomas Rabe und die von ihnen gegründete Stiftung. Zu den weiteren Großspendern gehören die Manfred Strohscheer Stiftung, die Sternstunden-Benefizaktion mit dem Bayerischen Rundfunk, die Stiftung RTL und die Stiftung der Zeitschrift „Stern“, die Ikea Stiftung und die Firma Ströer. Berliner helfen e. V. unterstützt seit vielen Jahren die Arbeit des Vereins Straßenkinder e. V.
„Wir haben in Friedrichshain drei Anlaufstellen für Straßenkinder, aber dort ist viel zu wenig Platz“, sagt Ann-Kathrin Simon, Leiterin der Straßensozialarbeit des Vereins. Etwa 50 wohnungslose Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren kommen täglich in die Anlaufstellen. Um etwas zu essen, sich zu waschen oder neue Kleidung zu besorgen oder einfach, um zu reden.

Vertrauen aufbauen und Hilfe vermitteln
„Unsere Arbeit ist Beziehungsarbeit. Wir bauen Vertrauen auf, machen Angebote und helfen dann beim Umgang mit den Behörden“, sagt die Sozialarbeiterin. Die Gründe, warum Minderjährige auf der Straße landen, seien so unterschiedlich wie ihre Biografien. „Manche haben Gewalt erfahren, Traumatisches erlebt oder wurden gemobbt“, sagt Ann-Kathrin Simon. „Ich bin so froh, dass wir mit der ,Butze‘ einen echten Zufluchtsort haben werden. Einen Ort, wo wir ihnen Orientierung und Hoffnung geben können“.
Zu den langjährigen Unterstützern der „Butze“ gehört auch Ilka Bessin, besser bekannt als „Cindy aus Marzahn“. Gemeinsam mit Eckhard Baumann war sie im Bezirksamt Neukölln, um die Mitarbeiter dort für das Projekt zu begeistern. „Die Geschichten dieser Straßenkinder nehmen mich schon mit. Ich geh abends in mein warmes Zuhause, aber diese Kids haben keinen Ort, wo sie hinkönnen“, sagt Ilka Bessin, Botschafterin für die „Butze“. Beim Spatenstich mit vielen Spendern und Förderern war auch Straßenkind Annika dabei. Was sie denn am besten fände an dem neuen Haus, wurde sie gefragt. Ihre Antwort: „Dass ich da nicht mein Essen schnorren muss und immer ein Erwachsener zum Reden da ist“.
Kinderhaus und Straßensozialarbeit
Der Verein „Straßenkinder e.V.“ wurde im Jahr 2000 mit dem Schwerpunkt der Straßensozialarbeit gegründet. Heute begleitet der Verein Straßenkinder mit drei Anlaufstellen und Sozial-und Rechtsberatung in Friedrichshain. Im Kinder-und Jugendhaus Bolle in Marzahn gibt es Mittagessen, Schulaufgabenhilfe und Freizeitangebote für Kinder aus bildungsfernen Familien. Auch Ferienfahrten und Ausflüge werden den Kindern ermöglicht und Flüchtlingskinder integriert. Der Verein finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden, beschäftigt 50 Angestellte und zahlreiche Ehrenamtliche. Dem Verein gelingt es, jährlich 40 bis 60 Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen und in ein geregeltes Leben zurückzuführen.


