Es ist ein ganz normaler Dienstagmorgen im Jahr 2013, bis Anke Simon einen Anruf von ihrem Arzt bekommt. Es muss schnell gehen, sie muss sofort ins Krankenhaus, denn sie hat Lymphknotenkrebs. Mit knapp 29 Jahren stellt die Arztdiagnose – ein Lymphom der Sorte „Morbus Hodgkin“ – ihr Leben völlig auf den Kopf. Im ersten Moment weiß sie nicht, wie es für sie weitergehen soll. Die Ärzte sind damit beschäftigt, ihr Leben zu retten. Auf der Suche nach einem Funken Hoffnung musste sie feststellen, dass es keine Internetplattform oder Selbsthilfegruppen gibt, die ihr helfen kann.

Wo bleibt die Hoffnung?

Dabei wünscht sie sich so sehr eine Stimme, die ihr sagt: Alles wird gut, du kannst es schaffen und gesund werden! Anke bleibt positiv, bringt die Chemotherapie hinter sich und beschließt, dass es anderen Betroffenen nicht so ergehen soll wie ihr. Sie will etwas gegen diese Angst, mit solch einer Diagnose allein zu sein, unternehmen. Ihre Idee: Ein Patenschaftssystem, in dem es einen Austausch von Erkrankten für Erkrankte gibt.

Gemeinsam stark sein gegen den Krebs, das ist das Ziel der Eisvögel.
Gemeinsam stark sein gegen den Krebs, das ist das Ziel der Eisvögel.© Eisvogel e.V. | Eisvogel e.V.

2016 gründet sie mit Freunden den gemeinnützigen Verein Eisvogel e.V., benannt nach einem der natürlichen Feinde des (Klein-)Krebses. Nachdem sie glücklicherweise zwei gesunden Kindern das Leben schenken darf, nimmt der Verein im Jahr 2019 langsam Gestalt an. Einen solchen Austausch mit anderen Erkrankten wünscht sich auch Katrin Begolli. Im Mai 2018 erhielt sie mit 39 Jahren die Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom. Der Lymphknotenkrebs trifft sie mit voller Wucht, denn ihr geht es eigentlich super. Gesundheitlich fit und voll im Leben stehend wuppt sie gerade neben dem Vollzeitjob ein Fernstudium, das kurz vor dem Abschluss steht.

Aus zwei Krebskranken wurden beste Freundinnen

Die im Frühjahr 2019 anstehende, sehr gefährliche Hochdosis-Chemotherapie macht ihr große Angst. Katrin findet Anke in den sozialen Medien; wie sich herausstellt, wohnt sie nur 20 Minuten von ihr entfernt. Katrin wird Ankes erstes Patenkind. Sie findet in Anke die Mutmacherin, die Stimme, die ihr sagt: Du kannst es schaffen, du kannst gesund werden! Die beiden Frauen schweißt die Diagnose Lymphknotenkrebs zu engsten Freundinnen zusammen. Heute leiten Anke und Katrin den Verein Eisvogel gemeinsam. Für beide ist der Verein eine absolute Herzensangelegenheit. Die Eisvögel, das sind Anke und Katrin. Mit ihnen gehören viele ehrenamtliche Helfer, fast 70 Paten (ehemals Erkrankte und Angehörige) zur Eisvogel-Familie, die wächst und die den Eisvogel immer größere Strecken fliegen lässt.

Kraft aus dem eigenen Schicksal gewinnen

Eine Krebserkrankung ist ein einschneidendes Erlebnis. „Als Betroffener fühlt man sich oftmals einsam, allein gelassen und überfordert. Schlaflose Nächte, in denen man niemanden hat, mit dem man sich über die Erkrankung austauschen kann quälen einen selbst und die Angehörigen“, sagt Katrin Begolli. Neben der Medizinischen Versorgung durch Ärzte ist nichts wichtiger, als andere „Schicksalsteiler“ fragen zu können: Was kommt auf mich zu, mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen, wie war es bei dir? Fundierte Ratschläge und Orientierungsmöglichkeiten, um die Behandlung bestmöglich selbst zu unterstützen, sind gefragt. Da kommen die Eisvogel-Paten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Spiel. Als ehemals Selbsterkrankte und/oder Angehörige werden sie akut Betroffenen zur Seite gestellt. „In einem sehr persönlichen Rahmen werden sie Händchenhalter bei Chemotherapie-Sitzungen, Begleiter bei gemeinsamen Spaziergängen, Style-Berater beim Perückenkauf und sind Ratgeber im behördlichen Antragsdschungel“, erklärt Katrin Begolli. Als Seelentröster und Mutmacher möchten die Eisvögel durch ihre eigenen Erfahrungen andere Betroffene und ihre Angehörigen mit positiver Energie unterstützen, um zusammen gestärkt durch diese besondere Zeit zu gehen.

Ein  professioneller Beauty-Workshop stärkt das Selbstvertrauen.
Ein professioneller Beauty-Workshop stärkt das Selbstvertrauen.© Eisvogel e.V. | Eisvogel e.V.

Mut machen im Kampf gegen den Krebs

Das Ziel heißt: Mut machen und Freude schenken, gemeinsam stark sein. Getreu dem Motto der Eisvögel „Helfen macht glücklich“ hat der Verein das Projekt „Eisvogel-Pakete“ ins Leben gerufen. Mit verschiedenen, ganz individuell zusammengestellten Paketen erhalten Erkrankte sorgsam ausgesuchte Produkte, die ihnen die Therapiezeit erleichtern sollen. Ein kleiner Eisvogel als Talisman ist auch dabei. Er soll auf sie aufpassen. Auch für Angehörige gibt es eine Überraschung, denn ohne sie würden viele Betroffene nicht so viel Kraft und Optimismus schöpfen können. „Wir schnüren Kraftpakete für Herz und Seele, in die wir eine Riesenportion Glück, Mut und Zuversicht mit hineinpacken“, sagt Katrin Begolli. Im „Eisvogelnest“ in Potsdam-Babelsberg veranstaltet der Verein Workshops (vor Ort und online), wie zum Beispiel Handlettering, Henna-Malerei, Beauty-Workshops und Eisvogel-Talks. Außerdem können Betroffene und Angehörige an deutschlandweit ausgerichteten Eisvogel-Wochenenden teilnehmen, um mit dieser „Auszeit vom Krebs“ den Kopf freizubekommen und ihre mentale Gesundheit zu stärken.

Überraschungspakete für Krankenhauspatienten

Eine weitere Herzensangelegenheit des Vereins ist, den Menschen, die zu Ostern oder in der Weihnachtszeit im Krankenhaus sein müssen, mit Eisvogel-Überraschungstüten eine Freude zu machen. Und sie insbesondere an den Feiertagen spüren zu lassen: „Du bist nicht allein“! Diese Eisvogel-Klinikaktionen gehören seit einigen Jahren zum festen Bestandteil der Eisvogel-Projekte und werden Jahr für Jahr weiter ausgebaut. Alle Projekte sind für die Krebserkrankten und ihre Angehörigen kostenlos. Der Eisvogel e.V. finanziert sich ausschließlich durch Spenden und wird auch von Berliner helfen e.V., dem Verein der Berliner Morgenpost unterstützt. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.eisvogel.life

Stammstellspende: Typisierungsaktion am 25. Mai

Wenn eine Chemotherapie nicht mehr ausreicht, dann sind Leukämie- und Lymphom-Erkrankte auf eine für sie lebensnotwendige Stammzellspende angewiesen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen richtet der Verein Eisvogel Typisierungsaktionen im Kampf gegen den Blutkrebs aus. Die nächste Typisierungsaktion mit vielen Informationen rund um das Thema Blut findet statt am 25. Mai 2024, von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr in der Evangelischen Schule Neuruppin, Regattastraße 9, 16816 Neuruppin. Veranstaltet wird die Aktion von Studierenden der Medizinischen Hochschule Brandenburg mit dem Eisvogel e.V. und dem VKS. Ansprechpartner: Sebastian Kunkel, sebastian.kunkel@mhb-fontane.de, 0151 12582013

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