Berliner helfen

Wie zwei junge Frauen Krebspatienten Mut machen

| Lesedauer: 5 Minuten
Petra Götze
Katrin Begolli (l.) und Anke Simon vom Verein Eisvogel.

Katrin Begolli (l.) und Anke Simon vom Verein Eisvogel.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Der Verein Eisvogel e.V. begleitet Menschen nach der Diagnose Lymphknotenkrebs und macht ihnen Mut, die Therapien durchzustehen.

Berlin. Wer die beiden gut gelaunten Frauen trifft, ahnt nichts von den schweren Zeiten, die sie durchgemacht haben. Der Krebs hat sie zu Freundinnen gemacht, zu Verbündeten im Kampf gegen die Krankheit, gegen die Angst und die Einsamkeit nach der Diagnose.

Anke Simon war 29 Jahre alt, als die Ärzte Lymphdrüsenkrebs diagnostizierten. „Es war ein Schock, sich plötzlich mit dem Tod auseinander setzen zu müssen. damals war ich gerade anderthalb Jahre mit meinem jetzigen Mann zusammen und wir mussten uns plötzlich entscheiden, ob wir gemeinsame Kinder wollen“, erzählt Anke Simon. „Wir ließen befruchtete Eizellen einfrieren. Einige Tage später begann die Chemotherapie.“

In dieser Zeit haben ihr Mann und ihre Familie sie sehr unterstützt. „Aber mir hat jemand zum Austauschen gefehlt, der in der gleichen Situation ist und weiß, wie ich mich fühle“, sagt Anke Simon.

Verein Eisvogel: Paten stehen akut Betroffenen zur Seite

Die Chemotherapie schlug an, ein halbes Jahr später war sie geheilt. Aber der Gedanke blieb, anderen Erkrankten zu helfen und ihnen das Licht am Ende des Tunnels zu zeigen, wie sie sagt. „Man hört in der ganzen Zeit nie etwas Positives. Die nüchternen medizinischen Aussagen der Ärzte sind oft schwer zu verkraften und es tut so gut, wenn jemand sagt: Ich weiß, wie Du Dich fühlst, aber das wird auch wieder besser“, sagt die 38-Jährige.

Im Internet erfuhr sie von anderen Betroffenen und merkte, dass ein Bedarf da ist. Im Jahr 2016 gründete sie dann den Verein Eisvogel, um Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, mit akut Erkrankten zusammen zu bringen. „Damit sie ihnen zur Seite stehen können, sie in Telefongesprächen oder persönlichen Treffen Mut machen in den schlimmen Phasen der Therapie“, sagt die Vereinsgründerin.

Durch die Geburt ihrer zwei Kinder ruhte die Vereinsarbeit erst einmal weitgehend - bis Katrin kam. „Sie war mein erstes Patenkind“, sagt Anke Simon. Katrin Begolli erkrankte Ende 2018 an Lymphknotenkrebs und auch sie suchte jemanden, der weiß, was sie durchmachen muss. Sie stieß auf den Verein Eisvogel. Die Notarfachangestellte war sofort begeistert von dem Konzept und engagiert sich seit ihrer Heilung 2019 gemeinsam mit Anke Simon für den Verein.

Der Eisvogel gilt als Glücksbringer

Der Name Eisvogel wurde gewählt, weil der schöne bunte Eisvogel der natürliche Feind des Kleinkrebses ist und als Glücksbringer gilt. Inzwischen haben schon 200 Krebspatienten und Patientinnen einen kleinen Keramik-Eisvogel als Glücksbringer bekommen. Mehr als 50 geheilte Paten begleiten die Betroffenen durch gute und schlechte Zeiten der Erkrankung.

In der Regel kommen die Anfragen über die Webseite des Vereins nach einem Paten oder Patin eher von jüngeren Erkrankten zwischen 20 und 45 Jahren. „Aber wir haben auch eine 70-jährige Patientin, die gesagt hat, sie konnte noch nie nach so kurzer Zeit so offen mit jemanden sprechen“, berichtet Katrin Begolli.

Sie oder Anke Simon führen das Erstgespräch und vermitteln dann jemanden, der möglichst auch in der Nähe wohnt. „Wir leisten keine medizinische Beratung, wir wollen einfach Lebensmut und Lebensfreude vermitteln, das Licht am Ende des Tunnels zeigen“, betont Anke Simon.

Geplant sind auch Workshops und Ausflüge

Für die beiden Frauen ist es ein Herzensprojekt, in das sie - mit Unterstützung ihrer Familien - ihre Freizeit und unbezahlte Arbeitskraft investieren. „Nachdem ich den Krebs überstanden hatte, wollte ich etwas Sinnvolles tun und für andere da sein“, sagt Anke Simon.

Katrin Begolli hat nach der Krankheit ihre Arbeitszeit in der Kanzlei reduziert und führt oft abends Gespräche mit Betroffenen. „Wenn man dann gemeinsam lachen kann, tut das schon sehr gut“, sagt die 42-jährige.

Beide haben noch viele Pläne mit Eisvogel e.V., von Workshops mit Betroffenen und Angehörigen. über Yoga-Kurse bis zu Ausflügen. Dafür sind sie auf der Suche nach Spendern und Sponsoren. „Das ist viel schwerer, als ich dachte, aber das schaffen wir auch noch“, meint Anke Simon.

Der Verein Eisvogel sucht Unterstützer

  • Der von Anke Simon gegründete Verein Eisvogel e. V. hilft Leukämie- und Lymphknotenkrebs-Erkrankten sowie deren Angehörigen, sich in ihrer neuen Situation zurechtzufinden, Kampfgeist zu entwickeln, neuen Lebensmut und Lebensfreude wieder zu finden.
  • Geheilte Krebspatienten stehen den Erkrankten mit ihrer Erfahrung als ehrenamtliche Paten und Patinnen zur Seite.
  • Dazu gibt es kleine Wellness-Pakete für den oft sehr plötzlich eintretenden Krankenhausaufenthalt unter anderem mit Schlafbrillen, Ohrstöpseln. einem Notizbuch, Kosmetikprodukten und einem kleinen Eisvogel von Leonardo als Talisman.
  • Der Verein wird von den Krankenhäusern empfohlen, finanziert sich durch Spenden auch von Berliner helfen e.V. und sucht weitere Förderer. Tel. 0160 2375830