Anne Förster war immer sportlich. Sie spielte Golf, ging Laufen, Wandern, Tanzen und fuhr liebend gerne Ski. Fotos in ihrer Wohnung in Marzahn zeigen eine energiegeladene, fröhliche Frau: lächelnd auf dem Mountainbike und mit ihrem Sohn in den Bergen. Das ist vorbei. Vor zehn Jahren erhielt die Sekretärin die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Der Verlauf der Krankheit ist bei Anne Förster schleichend. Sie ist heute 42 Jahre alt – und kann sich nur noch mit Mühe bewegen. Zum Gehen braucht sie einen Rollator. Seit etwa fünf Jahren werden ihre Beine immer schwächer.
Sie hat Spastiken und täglich Schmerzen. Wie 1000 Nadeln, die auf sie einstechen, fühle es sich an. „Egal was ich mache, es sind immer Schmerzen da.“ Morgens geht es ihr besonders schlecht, sie hat Probleme mit dem Gleichgewicht. Sie schäme sich manchmal vor den Leuten, denen sie draußen begegnet. „Es ist mir dann extrem peinlich, wie ich durch die Gegend stolpere.“ Von Patient zu Patient ist es unterschiedlich, welche Beschwerden und Verläufe bei der MS auftreten. Nach Angaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft leben in Deutschland etwa 250.000 Erkrankte. 15.000 Fälle werden pro Jahr neu diagnostiziert.
Kribbeln im rechten Bein und Arm: Krankheit kam aus heiterem Himmel
Die nicht heilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems traf die Berlinerin aus heiterem Himmel. „Es kam von jetzt auf gleich. Die Ursache ist unbekannt“, sagt Anne Förster. 2013 spürte sie im rechten Bein und Arm ein Kribbeln, so als würden unzählige Ameisen daran herablaufen. „Mein Bruder, der Physiotherapeut ist, riet mir, schnell zum Neurologen zu gehen.“ Im Krankenhaus Weißensee zeigte die radiologische Untersuchung ihres Kopfes schließlich die für MS typischen Entzündungsherde, Läsionen genannt.
„Das erste, was ich dachte, war: Ich muss in den Rollstuhl“, erinnert sich Anne Förster. Die ersten Jahre bereiteten ihr aber kaum Probleme. „Ich musste mir nur täglich Spritzen in den Bauch geben.“ Bis der erste Schub kam und sie eine Cortisonbehandlung bekam. „Ab da war nichts mehr so, wie es mal war. Das zu akzeptieren, war für mich schwer.“ Mittlerweile ist sie geschieden und lebt alleine. Ihr 16-jähriger Sohn wohnt abwechselnd bei ihr und seinem Vater.
Sie hat eine Erwerbsminderungsrente. In Teilzeit arbeitet sie trotz ihrer Krankheit weiterhin bei einer Steuerkanzlei in Charlottenburg. „Ich mache dasselbe wie früher, aber alles etwas langsamer. Meine Kollegin hilft mir viel“, sagt sie dankbar. Medikamentös sei sie zwar gut eingestellt – nimmt viermal pro Tag Tabletten. Das Schlimme ist: „Gegen die chronischen Schmerzen helfen die Tabletten nicht. Ich war bei der Schmerztherapie, aber auch dort kann man mir nicht helfen“, sagt sie.
Ein Spezialanzug macht ihr Hoffnung
Seit Kurzem hat die 42-Jährige allerdings eine Hoffnung. In der TV-Sendung „Galileo“ sah sie eine Neuheit – einen Muskelstimulationsanzug, der bei neurologischen Störungen und den damit verbundenen Beschwerden helfen kann. Begeistert habe sie der Erfolg des Anzugs bei einer schwer MS-kranken jungen Frau, sagt sie: „Deren Zustand hat sich so verbessert und sie kann damit wieder so viel.“ Anne Förster recherchierte daraufhin und wurde fündig in einem Sanitätshaus in Tempelhof. Dort wird die innovative Ganzkörperorthese namens „Mollii Suit“ angeboten – und sie testete sie. Eine Orthopädietechnikerin stellte den Spezialanzug für sie ein. Der Test machte sie glücklich: „Ich konnte meinen Arm besser anheben, konnte leichter aufstehen, meine Hüfte besser bewegen.“ Leider: Das Hilfsmittel ist für die 42-Jährige aus Marzahn unbezahlbar.
Es kostet 9000 Euro. Ihr Arzt stellte ihr zwar das Rezept aus – aber vor wenigen Wochen teilte ihre Krankenkasse „mit herzlichen Grüßen“ mit: Kostenübernahme abgelehnt. Der Stimulationsanzug sei nicht im offiziellen Hilfsmittelverzeichnis aufgelistet. Mit einem Spendenaufruf im Internet möchte Anne Förster den Betrag nun sammeln. Über eine Spende wäre sie dankbar,, „damit ich mir diesen Anzug kaufen kann, um wieder mehr Lebensqualität zu bekommen.“
Spenden für Stimulationsanzug
Die an Multipler Sklerose erkrankte Anne Förster bittet um finanzielle Hilfe: 9000 Euro kostet der Stimulationsanzug, der ihr helfen würde, den Alltag mit ihrer Krankheit besser zu stemmen. Der Medizintechnikhersteller Ottobock, 1919 in Kreuzberg als Orthopädische Industrie GmbH gegründet, erläutert sein Produkt als Ganzkörperorthese, die zur Entspannung spastischer Muskeln, zur Aktivierung schwacher Muskeln und zur Minderung der damit verbundenen Schmerzen dient.
Trotz Rezept ihres Arztes lehnt Anne Försters Krankenkasse die Kostenübernahme ab. Einen Spendenaufruf hat sie auf der Plattform „GoFundMe“ (gofundme.com) gestartet. Auch Berliner helfen e.V. wird die erkrankte Berlinerin unterstützen.


