Historie

Hier wohnte einst die Prominenz

Max Schmeling und Heinz Rühmann, Robert Koch und Paul Hindemith – sie alle zog es in den feinen Westen.

Man kann sie gar nicht alle nennen, die berühmten Namen derer, die es einst nach Westend verschlagen hatte. Bei einem Spaziergang kann man sich die Wohnsitze oder wenigstens die Nachfolgebauten ansehen. Hier einige von ihnen:

Max Schmeling (Boxer, Brixplatz/früher Sachsenplatz 9), Anny Ondra (Schauspielerin, Brixplatz 12), Robert Koch (Mediziner, Ahornallee 39), Max Taut (Architekt, Lärchenweg 15), Emil Nolde (Maler, Bayernallee 11), Henny Porten (Schauspielerin, Brixplatz 9), Georg Kolbe (Bildhauer, Sensburger Allee 25), Willi Forst (Schauspieler, Brixplatz 12), Richard Strauss (Komponist, Heerstraße 2), Theo Lingen (Schauspieler, Meiningenallee 5) Joachim Ringelnatz (Schriftsteller, Brixplatz 11), Wilhelm Foerster (Astronom, Ahornallee 32), Hilde Körber (Schauspielerin, Westendallee 71), Erich Salomon (Fotograf, Hölderlinstraße 11), Paul Hindemith (Komponist, Brixplatz 2), Lilli Palmer (Schauspielerin, Hölderlinstraße 8), Willi Rose (Schauspieler, Bolivarallee 17), Heinz Rühmann (Schauspieler, Karolingerplatz 5), Erik Ode (Schauspieler, Lindenallee 22), Robert Walser (Autor, Spandauer Damm 1), Ulrich Schamoni (Regisseur, Hölderlinstraße 8), Wolfgang Gruner (Kabarettist, Westendallee 57), Marlene Dietrich (Filmdiva, Akazienallee 48).

Es zog aber auch jene in die damals so noble Gegend, die für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte stehen. Führende Nazis wohnten in der Gegend um den Reichskanzlerplatz (heute Theodor-Heuss-Platz). In Westend lebten damals Täter und Opfer quasi Tür an Tür. In der Olympischen Straße unterhielt Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofs, eine Wohnung, die als Kanzleibüro deklariert war. Ganz in der Nähe arbeitete die Bildhauerin und Tänzerin Ida Schottmüller. Weil sie sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen hatte, verurteilte Freisler sie 1943 zum Tode.

Zur selben Widerstandsgruppe gehörte auch der Psychotherapeut Dr. John Rittmeister, der in der Rüsternallee wohnte. Auch er wurde von seinem Kiez-„Nachbarn“ Freisler zum Tode verurteilt. Hingerichtet wurden auch der in Westend lebende Offizier und Publizist Harro Schulze-Boysen und seine Frau Libertas Schulze-Boysen als Widerstandskämpfer (Rote Kapelle). Hunderte jüdische Anwohner wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und im KZ ermordet.