Schweres Unglück

Auto fährt in Menschenmenge und kracht in Douglas-Filiale

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Ulrich Kraetzer, Alexander Rothe, Michael Bee, Andreas Gandzior, Philipp Siebert, Uta Keseling

In der Berliner City West ist am Vormittag ein Auto in eine Menschenmenge gefahren und in ein Schaufenster gekracht. Eine Person starb.

Berlin. In der Berliner City West hat sich am Mittwoch um etwa 10.30 Uhr ein schweres Unglück ereignet. Dabei wurden laut Angaben der Feuerwehr eine Person getötet und mindestens zwölf Menschen zum Teil schwer verletzt.

Laut einem Sprecher der Berliner Feuerwehr gebe es fünf lebensbedrohlich Verletzte, drei schwer Verletzte sowie einen Toten. Die Zahl der leicht Verletzten wurde nicht beziffert. Der Fahrer des Unglücksfahrzeuges soll ebenfalls leicht verletzt sein. "Er braucht ebenfalls Hilfe von uns", sagte der Sprecher.

Weiteren Angaben der Behörden zufolge fuhr ein silberfarbener Renault Clio an der Ranke- Ecke Tauentzienstraße in eine Menschengruppe. Das Auto durchbrach dann das Schaufenster einer Douglas-Filiale an der Marburger Straße und kam dort zum Stehen. Das Heck des Fahrzeuges ist noch zu sehen. In dem Geschäft gab es einer Douglas-Sprecherin zufolge keine Verletzten.

Thilo Cablitz, Pressesprecher der Berliner Polizei, sagte, es sei noch unklar, ob es sich um einen Verkehrsunfall oder eine Vorsatztat handele. Der Fahrer sei von der Polizei festgenommen, das Fahrzeug sichergestellt worden. Der Mann wurde mit einem Gefangenentransporter der Polizei von der Unglücksstelle gefahren. Zu seiner Identität wurde bisher nichts bekannt. Der Halter des Fahrzeugs soll unbestätigten Angaben zufolge deutscher Staatsbürger sein.

Reporter der Morgenpost konnten beobachten, wie eine Person reglos auf der Fahrbahn der Tauentzienstraße lag und mit einem blauen Tuch zugedeckt wurde. Augenzeuge Frank W. saß gerade am Brunnen auf dem Breitscheitplatz, als er dumpfe Aufprallgeräusche und lautes Geschrei hörte. „Ich sah eine Person und Material durch die Luft fliegen.“ Danach habe der Fahrer versucht, Kontrolle über das Auto zu bekommen und Gas gegeben. „Die Fenster waren kaputt und der Wagen bereits verbeult von den ganzen Einschlägen.“ Die Polizei bittet Zeugen, Hinweise und Mediendateien im Hinweisportal hochzuladen - und nicht in den sozialen Medien.

Die Berliner Feuerwehr bestätigte gegenüber der Morgenpost, dass aktuell von acht Verletzten ausgegangen werde. Zwischenzeitlich stand die Zahl 30 im Raum. Dabei habe es sich um eine erste Schätzung bei der Alarmierung gehandelt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Verletzten würden aktuell versorgt.

Auto fährt in Berlin in Menschenmenge: Augenzeuge spricht von hohem Tempo des Wagens

Ein Augenzeuge, dessen Fahrzeug von dem Unfallfahrzeug gestreift wurde, berichtete der Berliner Morgenpost, dass das Unglücksfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von etwa 150 km/h auf der Tauentzienstraße gefahren sei. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angabe gab es zunächst nicht.

Die Ursache des Unglücks ist weiterhin ungeklärt. Zwischen der ersten Unfallstelle an der Rankestraße und dem Ende der Fahrt in der Schaufensterscheibe der Douglas-Filiale an der Marburger Straße liegen mehrere hundert Meter.

Berlin: Feuerwehr und Polizei mit einem Großaufgebot am Einsatzort

Die Polizei ist mit 130 Einsatzkräften vor Ort, auch die Feuerwehr befindet sich im Großeinsatz. Die Beamten riegelten die Unglücksstelle nahe der Gedächtniskirche ab.

Polizisten sind mit Maschinenpistolen im Einsatz. Der Grund für die Bewaffnung ist nicht erkennbar. Der ADAC-Rettungshubschrauber landete auf dem Tauentzien.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ist im Lagezentrum der Polizei eingetroffen. Sie lässt sich über das Geschehen informieren. Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz angekündigt. In einer ersten Reaktion zeigte sie sich "schockiert" über den Vorfall. Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei allen Betroffenen!“, twitterte Spranger. Auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich in einem ersten Statement.

Mitarbeiter eines nahe liegenden Büros erzählen, dass sie das Geschrei an der Ranke- Ecke Tauentzienstraße vernommen haben. Der Angestellte eines italienischen Restaurants berichtete ebenfalls von schreienden Menschen und einem darauffolgenden Geräusch eines schnell anfahrenden Autos.

Aufgrund des Großeinsatzes kommt es zu Einschränkungen im Bus-Betrieb der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Linie M19, M29, M46, 100 und 200 werden umgeleitet, einige Haltestellen werden nicht bedient.

Unglücksort befindet sich in unmittelbarer Nähe des Breitscheidplatzes

Am Breitscheidplatz, fast direkt gegenüber der aktuellen Unfallstelle, war am 19. Dezember 2016 bei einem Terroranschlag ein islamistischer Täter mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt gerast. Er hatte zunächst den polnischen Lkw-Fahrer erschossen. In der Folge des Attentats starben weitere zwölf Menschen. Ein Opfer erlag noch im Jahr 2021 den Folgen seiner schwersten Verletzungen.

Im Sommer 2017 war ein Auto auf der südlichen Seite des Breitscheidplatzes in die zwischenzeitlich aufgestellten Betonbarrieren gefahren und hatte diese beiseite geschoben. Damals war schnell klar, dass es sich um einen Unfall handelte.

Seit 2018 schirmen schwere Metallpoller, mit Sandsäcken gefüllte Stahlgitterkörbe und Stahlsockel mit Betonfüßen als „Überfahrschutz“ das Areal um die Gedächtniskirche ab.