Kriminalität

Razzia in Wedding: Barbershops durchsucht, viele Verstöße

In Wedding hat die Polizei 14 Barbershops kontrolliert. Es wurden einige Verstöße festgestellt - zwei Läden wurden geschlossen.

Das Wappen der Berliner Polizei an einer Polizeijacke.

Das Wappen der Berliner Polizei an einer Polizeijacke.

Foto: dpa

Berlin. Die Polizei hat mit Blick auf Verstöße gegen das Gewerberecht in Wedding (Mitte) 14 Barbershops kontrolliert. Zwei Läden wurden geschlossen und drei Menschen wegen unerlaubten Aufenthaltes vorläufig festgenommen, teilte ein Sprecher der Polizei am Sonnabend zu den Kontrollen vom Freitag mit. In zehn weiteren Läden seien Verstöße festgestellt worden - etwa gegen das Steuerrecht, den Nichtraucherschutz oder das Bundesdatenschutzgesetz. Nur zwei der kontrollierten 14 Läden waren tadellos, schrieb GdP-Sprecher Benjamin Jendro auf Twitter.

Die Zeitung „B.Z.“ schrieb von möglichen Verbindungen ins Clan-Milieu. Die Polizei erklärte auf Twitter: „Die Bekämpfung krimineller Strukturen hat in Berlin auch weiterhin eine hohe Bedeutung. In diesem Zusammenhang werden regelmäßig zusammen mit vielen verschiedenen Behörden Kontrollen bestimmter Geschäfte und Gewerbe durchgeführt. Insbesondere Shisha-Bars, Juweliere und Wettbüros können davon inzwischen ein Lied singen.“

In einer Bilanz der Polizei heißt es, insgesamt seien 66 Polizeikräfte im Einsatz gewesen. Auf Twitter erklärten die Beamten launig: „66 Polizeikräfte waren gestern beim Friseur.“ Beteiligt waren auch Vertreter des Ordnungs-, Bezirks- und Finanzamtes. Folgende Verstöße gab es:

  • Drei "Barbiere" hätten sich illegal in Deutschland aufgehalten, sie wurden festgenommen.
  • Für drei Barber-Shops habe es keine Zulassung nach der Handwerkordnung gegeben.
  • In sechs Fällen sei gegen die Preisangabenverordnung verstoßen worden.
  • In drei Geschäften habe es Verstöße gegen das Kreditwesengesetz gegeben.
  • In vier Shops gab es Anzeigen wegen Verstößen gegen die Gewerbeordnung.
  • Zwei Verstöße gegen das Nichtraucherschutzgesetz gab es ebenfalls.
  • Sechsmal gab es Steuerrechtsverstöße gegen die Abgabenordnung.
  • Und in drei Geschäften habe es eine Videoüberwachung gegeben, ohne dass die Gäste darauf hingewiesen worden seien, was einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstellt.

Die Polizei erhöhte in den vergangenen Monaten den Druck auf die Clans. Inzwischen vergeht fast keine Woche, in der die Polizei nicht mindestens einmal allein oder in Zusammenarbeit mit dem Zoll und den Ordnungsämtern mit immer neuen Razzien u.a. in Shisha-Bars vor allem gegen kriminielle Familienclans vorgeht. Die Polizei teilte selbst mit, dass sie vor allem Shisha-Bars, Juweliere und Wettbüros im Visier habe.

Friseursalons zur Geldwäsche eröffnet

Sicherheitsbehörden berichteten, dass der gestiegene Verfolgungsdruck vor Ort zu einem Ausweichen auf andere Betätigungsfelder führt. Clanfamilien öffneten in Neukölln zum Beispiel vermehrt Friseurgeschäfte. Die Läden werden genutzt, um Geld zu waschen.

Um diesen Phänomen nachzugehen, arbeitet Neukölln auch mit der Industrie- und Handelskammer zusammen. Denn wer ein Friseurgeschäft eröffnen will, braucht eigentlich einen Meisterbrief. Der ist teuer und kostet Tausende Euro.

An der Sonnenallee führt das dazu, dass auf der einen Seite der Straße ein ordentlicher kleiner Friseursalon ist und auf der anderen Straßenseite ein pompöser Friseursalon eines bekannten Clanmitgliedes. Nur, dass in dem Clanladen niemand einen Meisterbrief hat. In dem kleinen Betrieb schon.

Spätis: In Hinterzimmern werden gestohlene Fahrräder verkauft

Auch Spätis sind immer häufiger in kriminelle Geschäfte verwickelt, berichteten Sicherheitskreise. Bei einer Razzia im vergangenen Jahr an der Flughafenstraße in Neukölln wurde ein Laden kontrolliert, der im Hinterzimmer Fahrräder verkaufte – die alle als gestohlen gemeldet waren. Oder Geldspielautomaten: Pro Automat seien 2500 Euro Umsatz in der Woche möglich. Stehen vier illegal davon in einem Laden, kämen gehörige Summen zusammen.