Kriminalität

Raub und Prügeleien: Das passiert in Berlins Einkaufszentren

Erstmalig legt die Berliner Polizei auf eine parlamentarische Anfrage einen Atlas der Kaufhaus-Kriminalität vor.

Am Forum Köpenick hatten sich Jugendliche über soziale Medien zu einer Massenschlägerei verabredet.

Am Forum Köpenick hatten sich Jugendliche über soziale Medien zu einer Massenschlägerei verabredet.

Foto: Schoening Berlin / picture alliance

Berlin. Es sind Gemengelage wie diese, die der Polizei in Berlin seit Monaten zu schaffen machen: Am Eastgate an der Marzahner Promenade in Marzahn treffen regelmäßig zwei Jugendgruppen aufeinander. Neben Diebstahl kommt es zu Sachbeschädigungen, Schlägereien, Drogenkonsum und Bedrohungen. Allein im März dieses Jahres kontrollierten Beamte 281 Menschen rund um das Center. Sie fanden Einhandmesser, einen Teleskopschlagstock und einen Schlagring.

Anderer Stadtteil, ähnliches Problem: Mitte März konnte die Polizei in Köpenick in letzter Sekunde eine Massenschlägerei vor dem Forum Köpenick verhindern. Jugendliche hatten sich über soziale Medien zum Prügeln verabredet. Ein Zeuge informierte die Polizei. Die Einsatzkräfte fuhren zu dem Einkaufszentrum und sahen noch mehrere Jugendliche, die jedoch sofort flüchteten und dabei Waffen wie Messer und Schlagstöcke wegwarfen. Bei anderen fanden die Beamten Messer, Schlagstöcke und Elektroschocker. Zwölf Jugendliche wurden zum Polizeiabschnitt gebracht und dort ihren Eltern übergeben.

Innenexperte erfragt Zahlen für 48 Einkaufs-Center

Sind Marzahn und Köpenick Einzelfälle oder ein flächendeckendes Problem? Die Polizei hat nun auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Innenexperten Marcel Luthe erstmalig einen Kriminalitätsatlas für alle Berliner Einkaufszentren vorgelegt. Luthe wollte von der Behörde wissen, welche Straftaten sich von 2014 bis 2018 an den Anschriften der jeweiligen Center ereignet hätten. Diese Anfrage stellte er für 48 Zentren. Die detaillierte Antwort mit genauen Zahlen der Behörde ist 18 Seiten lang.

Die Daten, die die Polizei nun lieferte, geben einen Überblick darüber, wie sicher die Berliner Einkaufszentren sind. Allerdings sind die Zahlen auch mit Vorsicht zu betrachten, sagen Statistiker. Denn in einem großen Einkaufszentrum wie dem Alex am Alexanderplatz werden naturgemäß auch viele Straftaten erfasst. Zu manchen Centern, wie dem Märkischen Zentrum, liegen mehrere Anschriften vor, was wiederum eine genaue Erfassung schwierig macht.

Allerdings geben die Zahlen einen Eindruck über Entwicklungen und Kriminalitätshotspots. Demnach erfasste die Polizei die meisten Straftaten an den Spandau Arcaden an der Klosterstraße (1368 im Jahr 2018), am Alexa an der Grunerstraße (1108 im Jahr 2018) und am Gesundbrunnen-Center an der Badstraße (859 im Jahr 2018). Nach den Zahlen der Polizei rangiert das Eastgate, das Anlass für die Anfrage von Luthe war, mit 161 erfassten Taten im vergangenen Jahr lediglich im Mittelfeld.

Videoüberwachung schaffe Illusion von Sicherheit

Innenexperte Luthe sagte der Berliner Morgenpost: „Die Zahlen zeigen, dass – wie auch berlinweit – die Zahl der erfassten Bagatelldelikte eher sinkt, während die schweren Straftaten, insbesondere Sexual-und Gewaltdelikte vielerorts ansteigen“. Berlin sei laut Luthe also nicht sicherer geworden. „Die Videoaufzeichnung in den Centern verhindert keine Straftaten, sondern schafft lediglich eine Illusion von Sicherheit“, so Luthe weiter. Statt Kameras brauche es mehr Menschen, die tatsächlich eingreifen können. Luthe gilt als Gegner einer Ausweitung der Videoüberwachung, wie sie etwa die CDU fordert und Innensenator Geisel sie für Kriminalitätsschwerpunkte einführen will.

Interessant für die Behörden ist hingegen, wie sich die Jugendgruppen zusammensetzen. Das, was in Marzahn jetzt öffentlich diskutiert wird, beschäftigt den Polizeiabschnitt seit 2017. Die Beamten führen gemeinsame Streifen mit dem Ordnungsamt durch. Parallel spricht der Sicherheitsdienst des Hauses verstärkt Hausverbote aus, während das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf in Kontakt mit sozialen Einrichtungen und Vereinen steht. Denn nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden handelt es sich bei den Jugendgruppen am Eastgate um eine schwierige Verflechtung.

Die verschiedenen Gruppen bestehen laut Polizei aus jungen Männern, zum Teil aus unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan und Mädchen aus Marzahn-Hellersdorf. Ein Teil der Jugendgruppen kommt wiederum aus anderen Stadtteilen zum Eastgate. Das, was die Behörden am Eastgate beobachten, lasse sich so auch auf andere Zentren in der Stadt übertragen.