Leute in Berlin

Von Eden: Physischer Typ sucht Existenzberechtigung

Ein Proberaum-Besuch bei dem Musiker und Schauspieler Christoph Letkowski und seiner Band.

 Christoph Letkowski

Christoph Letkowski

Foto: Jörg Krauthöfer

Kalter Rauch, wenig Sauerstoff und muffige Polster. Im ersten Stock des Gebäudes auf dem Gelände eines ehemaliges Umspannwerks riecht es wie in einem Club, lange nachdem die Gäste der Nacht nach Hause gegangen sind. Hinter verschlossenen Türen hört man gedämpfte Musik. In einem der vielen Räume proben Von Eden für ihre kommende Clubtour. Die Band gibt es seit 2013, als Christoph Letkowski, Sänger, Gitarrist und Schauspieler, neben seiner Rolle als Pfleger Robin für die Verfilmung von Charlotte Roches Bestseller „Feuchtgebiete“ auch einen Song schreiben sollte.

„Ich mache Musik seit ich zehn bin, das hat nur lange niemanden interessiert“, sagt der 34-Jährige und setzt sich auf einen ausrangierten Kinosessel auf dem Gang. Nach zahlreichen Rollen im „Tatort“, als „Nachtschicht“-Kommissar und in Filmen wie „Mängelexemplar“ und „Feuchtgebiete“ finden jedoch auch seine deutschen Indiepopsongs ihr Publikum. Für Letkowski eine Ambivalenz. Denn der singende Schauspieler möchte er auf keinen Fall sein. „Unsere Musik soll ihre Relevanz nicht nur haben, weil ich Schauspieler bin“, sagt er. Deshalb geben die vier Musiker gerade alles. Das Ziel: mit der Band so erfolgreich sein, dass keiner von ihnen nebenbei noch mit anderen Jobs Geld verdienen muss.

Der „Tatort“ spielt den Ernstfall durch

„Mit der Schauspielerei hatte ich einfach Glück, denn ich konnte eigentlich nichts so richtig“, sagt der gebürtige Hallenser. Aufgewachsen in Groß Börnecke in Sachsen-Anhalt wäre Letkowski beinahe Leistungssportler und Fallschirmjäger bei der Bundeswehr geworden. Vor etwa 15 Jahren war er außerdem eine Zeit lang Souffleur am Potsdamer Hans Otto Theater.

Der schlechteste wohl, den man sich vorstellen könne, glaubt er im Nachhinein. Denn Christoph Letkowski stotterte. „Ich habe immer schneller gedacht, als ich gesprochen habe“, erinnert er sich. Genauso wie an vergebliche Besuche bei Logopäden und Psychologen. AB, „Auffälliges Benehmen“, habe man das im Osten genannt. Irgendwann ließen es seine Eltern auf sich beruhen. „Sie haben gesagt: Wir kriegen den Kleinen schon groß.“

„Im Studium habe ich gemerkt: Du hast vielleicht sogar ein paar Talente“

Den vermeintlichen Widrigkeiten zum Trotz dachte er nach seiner Zeit in Potsdam an eine Karriere als Schauspieler. Er habe sich in der Welt des Theaters wohlgefühlt und sei immer ein physischer Typ mit Rampensau-Gen gewesen, sagt Letkowski. Das mit dem richtigen Sprechen, glaubte er, werde er schon auch noch hinbekommen. Und tatsächlich: Schon beim ersten Versuch wurde er an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig angenommen. „Im Studium habe ich gemerkt: Junge, du hast einen Existenzgrund. Du hast vielleicht sogar ein paar Talente“, sagt er. Das habe sein Selbstbewusstsein gestärkt und dem Stottern ein Ende bereitet.

2006 kam er nach Berlin ans Grips Theater und war im Musical „Linie 1“ in der Rolle des Bambi zu sehen. 2008 wurde er Ensemblemitglied an der Volksbühne. Zum Film kam Letkowski erst später. Dort ist er als Nächstes in der Iny-Lorentz-Verfilmung „Die Ketzerbraut“ (Sat.1, 14. Februar, 20.15 Uhr) als Maler unter Reformationsverdacht und ab 25. Mai in dem Kinofilm „Die Reste meines Lebens“ als junger Witwer mit unerschütterlichem Glauben an das Schicksal zu sehen. Ein Herzensprojekt zwar, wie er sagt, doch so richtig glücklich mache ihn die Aussicht, am Montag im Privatclub in Kreuzberg mit seiner Band auf der Bühne zu stehen: „Mit Freunden Musik zu machen, die die Leute berührt, das ist das Schönste. Das ist ein Geschenk.“

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