Interview

Andrea Sawatzki kämpft gegen das Hundeverbot am Schlachtensee

Schauspielerin Andrea Sawatzki wohnt mit ihrem Ehemann Christian Berkel ganz in der Nähe des Schlachtensees. Im Interview erzählt sie, wie sie sich gegen das dortige Hundeverbot engagiert.

Foto: Reto Klar

Mit lila Turnschuhen und grünem T-Shirt ist Schauspielerin Andrea Sawatzki zum Treffen an den Schlachtensee gekommen. Ganz in der Nähe wohnt sie mit Ehemann Christian Berkel, den beiden Söhnen Bruno, 12, und Moritz, 16, sowie dem Boxer Calypso und der Dogge Gustav.

Im Oktober erscheint ihr neues Buch, der Psychothriller „Der Blick fremder Augen“, im Fernsehen war sie zuletzt in der ZDF-Komödie „Es kommt noch besser“ zu sehen. Darin spielte sie eine Sekretärin, die sich kreativ gegen ihre Arbeitslosigkeit wehrt. Im Interview spricht sie über ihren arbeitslosen Vater, Geldnöte und das Hundeverbot am Schlachtensee.

Berliner Morgenpost: Haben Sie Erfahrung mit dem Arbeitsamt?

Andrea Sawatzki: Als ich mit unserem ersten Sohn schwanger war, bin ich zum Arbeitsamt gegangen, um mich arbeitslos zu melden, doch ich geriet an eine Beamtin, die mich ziemlich schlecht behandelt hat, mich sogar beschimpft hat, was mir einfiele, mich arbeitslos zu melden. Danach habe ich ein Arbeitsamt nie wieder betreten.

Heutzutage muss man sich immer weiterentwickeln, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und nicht gekündigt zu werden.

Ich erinnere mich an meinen Vater. Er war Journalist, sogar mal Chefredakteur der „Welt“, doch durch einen Unfall mit Mitte 50 lag er ein Jahr im Krankenhaus und hat danach den Anschluss verloren. Nach dem Unfall hat er kein Geld mehr verdient und war auch nicht abgesichert.

Wie war das für Sie?

Ich war damals noch nicht geboren. Als ich zur Welt kam, war er bereits 58 Jahre alt. Ich bin also aufgewachsen mit einem Vater, der nicht gearbeitet hat. Meine Mutter war Krankenschwester und hat die Familie ernährt. Sie hat sogar extra Nachtdienste gemacht, weil die besser bezahlt waren.

Sie kennen also Vorurteile gegenüber Menschen, die nicht arbeiten, am eigenen Leib?

Arbeitslosigkeit ist kein Makel, weil es jeden treffen kann. Gerade in meinem Alter, so um die 50, trifft es viele. Man wird dann nicht mehr eingegliedert, weil man zu alt ist. Das ist für viele Menschen wie ein Schlag ins Gesicht, denn die Leute sind noch fit, können und wollen arbeiten.

Was hilft Ihnen, zwischen Ihren Jobs zuversichtlich zu bleiben?

Zum Glück habe ich meine Familie, da gibt es immer genug zu tun. Die Kinder freuen sich riesig, wenn ich mal frei habe. Auch wenn es eher unfreiwillig ist. Dann gibt es zahlreiche andere Beschäftigungen, für die ich während eines Drehs nie Zeit habe, etwa meine Liederabende, Lesungen oder das Schreiben. Wobei das Schreiben schon eine große Leidenschaft ist. Es ist phantastisch, dass jetzt „Tief durchatmen, die Familie kommt“ von Ziegler-Film fürs ZDF verfilmt wurde. Das ist natürlich ein schöner Nebeneffekt.

Das Schreiben ist aus einer Durststrecke entstanden und zum Erfolg geworden?

Ich interessiere mich für Menschen und hatte immer schon eine Sehnsucht danach verspürt, sie so richtig zu erforschen und Rollen mit Tiefgang zu spielen. Deshalb habe ich mit dem Schreiben angefangen. Wobei mein erstes Buch „Ein allzu braves Mädchen“ eher aus dem Gefühl entstanden ist, mich meiner Kindheit, meinem kranken Vater stellen zu müssen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir Schreiben sehr viel Spaß macht. Eigentlich wollte ich immer schon schreiben, aber weil es mein Vater gemacht hat, wollte ich mich abgrenzen, wollte etwas anderes machen.

Was thematisieren Sie in Ihren Büchern?

Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für den zwischenmenschlichen Bereich. Beziehungen, Familien … Ich beobachte, dass sich in unserem Umfeld gerade einige Paare trennen, die eigentlich super zusammenpassen. Die meisten sind um die 50 Jahre alt. Das ist ein schwieriges Alter. Man erhofft sich durch einen neuen Partner einen zweiten Frühling. Das finde ich gefährlich, man muss sich selbst ja auch wieder mitnehmen. Nur weil man den Partner wechselt, sich frisch verliebt, dass sich damit das ganze Leben verändert und erfrischt, das glaube ich nicht. Daraus sind 2014 meine beiden schwarzen Komödien entstanden. „Tief durchatmen …“ und die Fortsetzung „Von Erholung war nie die Rede“.

Andere Paare trennen sich, Sie haben Christian Berkel 2011 nach vierzehn Jahren wilder Ehe geheiratet. Wieso?

Weil wir Lust dazu hatten und wegen der Kinder. Die haben schon immer gesagt, dass wir keine echte Familie sind, wenn wir nicht verheiratet sind. Ich denke, weil sich so viele in unserem Umfeld getrennt haben, hat ihnen das Angst gemacht.

Wann werden Sie zur Kämpferin?

Seit dem 15. Mai dürfen Hunde nicht mehr an den Schlachtensee, die Krumme Lanke und die direkt angrenzenden Wege. Nicht mal, wenn sie an der Leine geführt werden und der Besitzer Kotbeutel vorweisen kann. Dagegen kämpfen mein Mann und ich. Wir unterstützen eine Bürgerinitiative und gehen zu Podiumsdiskussionen. Dass die Hunde ganzjährig nicht mal an der Leine an den Seen spazieren geführt werden dürfen und an bestimmten Stellen ins Wasser können, ist nicht in Ordnung. Die Politiker nennen ihre Vorgehensweise unter anderem „fair und offen für den Dialog“. Wenn den Hundefreunden dann bei der Podiumsdiskussion kurzerhand das Mikrofon abgeschaltet wird, ist von einem Dialog allerdings nichts mehr zu spüren.