SOS-Kinderdorf

Daniela Schadt fordert mehr Unterstützung für Flüchtlingskinder

Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, wirbt bei dem Besuch eines SOS-Kinderdorfs in Berlin dafür, Flüchtlingskinder humane Unterstützung zu gewähren.

Foto: Rainer Jensen / dpa

An der Waldstraße in Moabit steht ein mehrstöckiges Gebäude mit ausladenden Fenstern. Schon von draußen kann man gut erkennen, dass viele Kinder dort leben. Überall hängen kleine Kunstwerke, die Wände sind bunt gestrichen. 80 Kinder werden hier betreut. Am Donnerstag besuchte Daniela Schadt die Kindertagesstätte. Die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck war gekommen, um die Einrichtung kennenzulernen – und um dem Verein SOS-Kinderdörfer zu seinem 60-jährigen Bestehen zu gratulieren.

Wie schwierig es sein kann, unter widrigen Umständen aufzuwachsen, hatte der Gründer des Vereins SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, selbst als Kind erfahren. Seine Mutter war sehr früh gestorben. Diese Erfahrung hatte ihn für das Leid von Waisen sensibilisiert. 1958 öffnete dann das erste SOS-Kinderdorf Deutschlands am Ammersee in Bayern seine Türen. Mittlerweile hat der Verein 40 Standorte in ganz Deutschland. In Berlin und Brandenburg befinden sich fünf davon.

Der Verein habe sich den Standort Moabit bewusst ausgesucht, denn der Bedarf sei hier sehr groß, sagte Nicole Bethke, verantwortlich für die Jugend- und Ausbildungsarbeit des Berliner SOS-Ablegers. Zu Jahresbeginn wurde das Kinderdorf mit dem Berufsausbildungszentrum zusammengelegt. Man wolle die Kräfte bündeln, heißt es. Der Verein bietet nämlich nicht nur Kindern, die aus den unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können, eine Anlaufstelle, sondern darüber hinaus auch Jugendlichen, ganzen Familien und auch Senioren. Das Kinderdorf versteht sich daher als „Mehrgenerationenhaus“. „Wir wollen helfen, wo wir eben können“, sagte Barbara Winter, Sprecherin des SOS-Kinderdorfes. „Um eine möglichst familiäre Atmosphäre zu schaffen, arbeiten wir mit allen Generationen.“

Da gibt es zunächst die Kinderdorf-Familien. In zwei Häusern, einem an der Stephanstraße, einem an der Waldstraße, leben insgesamt vier Familien. Sechs Waisenkinder werden von einer Kinderdorfmutter betreut. Unterstützt werden diese von Erziehern und jeweils einer Wirtschafterin. In den SOS-Kindertagesstätten in Berlin und Brandenburg werden dazu noch 134 Kinder tagsüber betreut. Es wird musiziert, gemalt oder gebastelt. „Natürlich werden auch die Hausaufgaben hier zusammen gemacht“ , sagte Barbara Winter. Jugendlichen hilft der Verein auch bei der Ausbildung. „Viele hätten ohne uns gar keine Chance, eine Lehre zu machen“, sagte Nicole Bethke. Oft seien es junge Menschen, die eine besondere Förderung und Unterstützung benötigen, weil sie Lerndefizite haben oder aus zerrütteten Verhältnissen kommen.

Erfolgreiche Ausbilder

„Es ist einfach ein großartiges Gefühl, wenn diese Jungs und Mädels dann eine Ausbildung abschließen“, sagte Bethke. Die Erfolgsquote kann sich sehen lassen. „60 bis 70 Prozent unserer Azubis beenden ihre Ausbildung mit einem Abschluss“, sagte sie. Einige der ausgebildeten Köche hätten sogar schon eigene Restaurants in Berlin eröffnet. Das SOS-Berufsausbildungszentrum bildet auch Bürokräfte, Gärtner und Hauswirtschafter aus. Aktuell erlernen 150 Azubis in dem Berliner Zentrum einen Beruf.

Der Verein arbeitet mit 50 bis 80 Partnern zusammen. Auch mit dem Jugend- und Arbeitsamt besteht eine enge Zusammenarbeit, denn das Jobcenter zum Beispiel finanziert einige der Ausbildungsplätze. „Wir werden zu zwei Dritteln durch öffentliche Gelder finanziert“, sagte Barbara Winter. Der Rest kommt aus Spenden.

Reicht das Angebot denn für Berlin-Brandenburg überhaupt aus, wenn es hier so viele hilfsbedürftige Menschen gibt? „Es kann meiner Meinung nach nicht genug soziale Projekte in der Region geben“, antwortete Winter. „Da sind einige Stadtteile, wie etwa Schöneweide, wo ein SOS-Kinderdorf nicht schaden würde“, sagte sie. Vor allem, weil der Staat sich aus sozialen Projekten immer weiter zurückzöge.