Lesung

Frank Schätzing hat die besten Ideen am Frühstückstisch

Bestseller-Autor Frank Schätzing kommt zur Lesung seines neuen Buchs „Breaking News“ ins Berliner Tempodrom. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

Foto: Reto Klar

Interviewtermin im Hotel Grand Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz. Frank Schätzing sei schon im Aufzug, er müsse jeden Moment hier sein, sagt seine Sprecherin. Gleich würde sie uns beide alleine lassen, das sei doch intimer, sagt sie mit einem geheimnisvollen Lächeln. Ist da ein kurzes Aufflackern in ihren Augen zu sehen? Oder ist das der Widerschein des Kaminfeuers, das hier im Hotelfoyer prasselt? Immerhin gilt der 57 Jahre alte Kölner Schriftsteller als sehr attraktiv. Wunderbar könne er erzählen, der Herr Schätzing. Private Fragen, die möge er nicht so sehr, aber über Buch und Lesetour rede er selbstverständlich gern, informiert die PR-Frau.

Besser ist das, schließlich soll heute die Werbetrommel gerührt werden für das multimediale Spektakel, das Schätzing bei den Lesungen seines neuen Buches „Breaking News“ inszeniert. Eine israelische Sängerin sorgt für die vokale Begleitung, mit Audioinstallationen, Soundeffekten und selbstkomponierter Musik wird eine eigene Klangwelt erschaffen. Am Mittwoch macht die Lesetour im Berliner Tempodrom Station.

Der 955 Seiten starke Doku-Thriller „Breaking News“ erzählt die Geschichte des Krisen- und Kriegsreporters Tom Hagen und die Entstehung des Staates Israels vor dem Hintergrund einer epischen Familiensaga. Mit dem Thema landete Schätzing einen Volltreffer: Der Roman kletterte binnen kürzester Zeit auf Platz Eins der Bestsellerlisten. Die Produktionsfirma Ufa Fiction hat bereits die Rechte an „Breaking News“ erworben und will eine sechsteilige TV-Serie daraus machen.

Wie er auf die Idee zu seinem Buch gekommen ist, erzählt Schätzing wenige Minuten später. Er hat es sich auf der rostroten Bank am Kaminfeuer bequem gemacht. Die PR-Dame ist mittlerweile dezent verschwunden. Die schlohweißen, vollen Haare des „Der Schwarm“-Autors und Frauenschwarms sitzen akkurat. Jeans und Shirt eher lässig. Einen Finger hat Schätzing verbunden. Da habe ihn eine Pferdebremse gestochen, das seien ganz gemeine Viecher, schimpft der Bestsellerautor. Sonst gibt er sich friedlich.

Themenfindung am Frühstückstisch

Auf das Thema von „Breaking News“ sei er bei Freunden am Frühstückstisch gekommen, man habe über Ariel Scharon, den Nahost-Konflikt und dessen Lösungsmöglichkeiten gesprochen. Ausschlaggebend sei dann der plötzliche Tod Scharons’ gewesen: „Ich dachte, das war nicht einfach ein Hirnschlag“, so der Kölner, „die haben versucht, Scharon kaltzustellen!“ Die Idee für den nächsten Roman war geboren: „Als Thriller-Autor ist man natürlich dankbar für so eine Eingebung. Es gibt ja nicht so viele plausible Verschwörungstheorien. Ich sah sofort das Potenzial. Und sagte mir, schreib das auf, bevor es ein anderer tut! Aber dafür musste ich mein Wissen über Israel sehr vertiefen.“

Dazu bereiste er das Land, sprach mit Menschen vor Ort. „Wenn man das erste Mal hinfliegt, erwartet man ein Land im Ausnahmezustand. Ist es aber gar nicht“, erzählt der leidenschaftliche Globetrotter über seine Erfahrungen vor Ort. „In Tel Aviv herrschte ganz normaler Alltag. Augenfällig ist sicher die höhere Militärpräsenz, das Land ist schon perfekt geschützt. Ansonsten begegnen Sie einer Welt, die sich von unserer nicht sonderlich unterscheidet. Wenn Sie mit den Leuten zusammensitzen, reden die nicht ständig über den Konflikt, es geht um Kindererziehung, Zukunftspläne, Kino, Musikgeschmack, was kochen wir heute Abend – so wie bei uns. In der Westbank wollten alle über Fußball mit mir reden. Ausgerechnet mit mir. Ich versteh’ doch nichts von Fußball.“

Dafür aber von Musik. Schon als Jugendlicher lernte Schätzing das Gitarrespielen, er singt leidenschaftlich und schreibt neben den Büchern auch eigene Songs. Zu Hause besitzt er sogar ein Studio. Ist da eventuell eine berufliche Zweitkarriere in Planung? Vom Starautor zum Rockstar? „Es geht nicht um Karriere“, wiegelt er ab, „mehr um den Spaß an der Sache. Seit einigen Monaten arbeite ich jetzt im Studio mit anderen Musikern zusammen, um meine Skizzen in eine veröffentlichungsreife Version zu bringen. Anfang übernächsten Jahres könnte es dann eine CD geben.“ Angst, mit seiner Musik zu versagen, hat Schätzing nicht: „Wenn was nicht angenommen wird, tja, Pech gehabt. Über so was darf man sich im Vorfeld keine Gedanken machen. Ausschließlich tun, was einem am Herzen liegt. Dann ist man authentisch, und die Leute mögen authentische Dinge.“

Seine Sprecherin erscheint wieder auf der Bildfläche. Schluss mit der Intimität, das nächste Interview steht an. Der Zeitplan ist straff. Eine letzte Frage zu Schätzings Kochkünsten ist noch erlaubt. „Ich habe den schwarzen Gürtel im Risotto“, verrät er.

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